Die buddhistischen Traditionen

Über „Die buddhistische Lehre“ zu sprechen ist eigentlich kaum möglich, denn wie z.B. im Christentum auch, gibt es viele verschiedene Traditionen, die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden. Die eine große Traditionen ist der „Mahayana“; hierunter fallen:

Der tibetische Buddhismus.

Dieser ist – nicht zuletzt aufgrund der Popularität seiner Heiligkeit des 14. Dalai Lama – im Westen sehr bekannt. Er ist aber auch sehr stark geprägt von der alten schamanistischen Bön-Religion, die in vielen Riten und Ritualen noch präsent ist. Er ist aber schön bunt und fast überladen mit Darstellungen aller möglicher Gottheiten in allen möglichen Farben und viel Gold, was ihn für viele Westler recht attraktiv macht.

Der chinesische Chan-Buddhismus

Diese Tradition ist ebenfalls eine Vermischung, nämlich aus dem Konfuzianismus, dem auf diesen folgenden Taoismus und dem erst später hinzugetretenen Buddhismus. Nach meinem persönlichen Empfinden hat hier eine ganz wundervolle Symbiose stattgefunden, die eine eher philosophische Geisteshaltung des „Einsseins mit dem Kosmos“, „Nur-Geist-Lehre“ und das urbuddhistische Prinzip von Nicht-Ich (anatta), Vergänglichkeit (anicca) und dem Prinzip des Entstehens von Leid (dukkha) miteinander verbindet. Bekannteste Vertreter sind wohl die Shaolin.

Der japanische Zen-Buddhismus.

Er geht aus dem Chan-Buddhismus hervor, doch ist in ihm vielfach auch die Strenge der Samurai-Tradition spürbar – es wird auf größte Disziplin und sehr klare Strukturen ohne großen „Schnickschnack“ wert gelegt; die Kleidung ist schwarz und es wird so gut wie kein Wert auf Symbole oder Dekoration gelegt, da dies nur das Denken in Konzepten und das Anhaften an Schönem fördert.

 

Die andere große Tradition ist der Theravada-Buddhismus, der allen voran verbreitet ist in Thailand, Burma, Sri Lanka, Laos und Cambodia. Diese Tradition kann man als die „Reinste“ (i.S.v. am wenigsten mit anderen Geisteshaltungen Vermischte) bezeichnen. Auch ist sie die älteste Tradition, und sie stützt sich unmittelbar auf die Lehrreden (Suttas) des Buddha Gautama, auf den der Buddhismus zurückgeht (buddha = Erwachter). Gleichwohl finden sich auch innerhalb des Theravada z.T. erhebliche Unterschiede in der Auslegung der Schriften (was mir sehr bewusst wurde, als ich Mönch in einem thailändischen Kloster war, meine „buddhistischen Wurzeln“ jedoch der burmesischen Tradition entspringen). In der Praxis unterscheiden sie sich allem voran darin, dass u.a. die burmesische Tradition größten Wert auf Meditation legt, in Thailand aber das Chanten (= das gesungene Rezitieren von buddhistischen Versen) im Vordergrund steht.

Auf all das näher einzugehen würde jeden Rahmen sprengen. Auch liegt es mir fern, die einzelnen Traditionen zu bewerten oder zu kritisieren. Alle haben ihre Vorteile und Nachteile, die einen zu weit vom Wort Buddhas entfernt, die anderen zu religiös-dogmatisch, die Dritten zu streng … wenn man will, findet man immer etwas. Doch haben alle ihre Daseinsberechtigung, denn allen gemein ist, dass sie in der praktizierenden Bevölkerung sehr viel an Vertrauen in die Zukunft, Gleichmut im Umgang mit schwierigen Situationen und … ja … auch Lebensfreude erschaffen. Und darin ist sicher erst einmal nichts falsch ;o)

Und wo stehe ich schließlich selber? Ich bin davon überzeugt, dass Buddha Gautama mittels seiner Meditationen allem voran die Funktionsweise der menschlichen Psyche entdeckt hat. Seine Methode zur Befreiung von persönlichem Leid ist – das habe ich immer wieder im Laufe meiner Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie festgestellt – eine Mischung aus kognitiver Verhaltenstherapie und Gegenkonditionierung – ein Weg der Selbsterkenntnis und Läuterung des Geistes. Sicher nicht der Einzige; so sagt Buddha selbst im Satipatthana-Sutta, der Lehrrede über die Erlangung von Weisheit [Sati]: „Ihr Mönche, dies ist der Pfad, der ausschließlich zur Läuterung der Wesen führt, zur Überwindung von Kummer und Klagen, zum Verschwinden von Schmerz und Trauer, zum Erlangen des wahren Weges, zur Verwirklichung von Nibbàna …“. Nicht sagt er, dass dies der einzige Weg sei (wie oft falsch wiedergegeben wird); viele Wege führen unter anderem nach Rom, der Weg, den Buddha lehrte, führt direkt dorthin. Geht man diesen Weg mit Eifer und Freude, dann erlangt man aber ebenso Einsicht in das, was Lao-Tse, Jesus, die islamische, jüdische oder auch die hinduisitsche Mystik lehrt … die Einheit allen Seins. „Alles ist der eine Geist, neben dem nichts existiert“ heißt es im Zen – diese selbst erfahrene Erkenntnis führt unweigerlich zu Freude, Gleichmut und einer friedlichen und liebevollen Geisteshaltung. Das ist Nibbâna (oder Nirwana).

Advertisements
Vorheriger Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: