Der Edle Achtfache Pfad

Buddha lehrte, dass es für die Befreiung von Leid erforderlich sei, seinen Geist zu reinigen, zu läutern. Was bedeutet das? Nun, jeder von uns kennt das: Wenn wir unter Stress stehen, dann reden, denken oder handeln wir tendenziell negativ – wir sind anfällig dafür, andere und uns selbst ungerecht zu behandeln und viel Negativität um uns zu versprühen. Wer entspannt mit einem Cocktail am Strand liegt, wird weitaus weniger dazu neigen, sich und anderen Wesen Schaden zuzufügen. Stress ist ein unbehagliches Gefühl, dass sich körperlich in Spannung und Verkrampfung äußert. Genau genommen aber ist es unser Widerstand gegen dieses unbehagliche Gefühl, der diese Verkrampfung auslöst, also … das negative Begehren. Vereinfacht gesagt könnte man formulieren, dem Buddha ging es darum, eine Methode zu entwickeln, uns vom Begehren (also vom Widerstand gegen die Wahrheit des jetzigen Momentes) zu befreien, denn auf diese Weise lösen wir die Spannung und die Verkrampfung in uns. Wie das methodisch in der Meditation geschieht und wir das trainieren können, werde ich unter dem Punkt „Meditation“ beschreiben.

Der Achtfache Pfad erläutert umfangreich, worum man sich nachhaltig bemühen sollte, um entweder „prophylaktisch“ oder „kurativ“ die Verkrampfungen in uns zu lösen, und so zu einer friedvollen und freudvollen Grundhaltung zu gelangen. Der Weg zu einem auf diese Weise geläuterten Geist führt über die Beobachtung folgender Punkte

1. Harmonische[1] Sichtweise (rechte Ansicht/rechte Einsicht)

2. Harmonische Absicht (rechtes Denken)

3. Harmonische Kommunikation (rechte Rede)

4. Harmonisches Handeln (rechtes Tun)

5. Harmonische Lebensführung (rechter Lebensunterhalt)

6. Harmonisches Sich-Bemühen (rechte Anstrengung)

7. Harmonische Achtsamkeit (rechte Achtsamkeit)

8. Harmonische Sammlung / Meditation (rechte Konzentration)

Diese Punkte werden zwar von mir chronologisch besprochen, aber es ist wichtig zu erkennen, dass sie sich alle gegenseitig durchdringen; wenn sie wirklich Früchte tragen sollen, sollten sie kumulativ verwirklicht werden (so gelangt man z.B. durch harmonische Sammlung [8. Glied] – zu harmonischer Sichtweise [1. Glied]; harmonische Sichtweise legt aber die Basis für alle anderen Pfadglieder, wobei die Verwirklichung derer wieder zu tieferer und besserer Meditation führt u.s.w.)


[1] Gemeinhin lautet die Übersetzung in allen 8 Gliedern nicht „harmonisch“, sondern „recht“, also zB hier „rechte“ Sichtweise (oder Anschauung). Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass ‚richtig’ und ‚falsch’ um verstandesmäßige Beurteilungen handelt – um Konzepte, ‚Harmonie’ und ‚Disharmonie’ hingegen einfach empfunden werden. Im ‚Lexikon der östlichen Weisheitslehre’ entdeckt man hierzu: „Lama Gowinda gibt ‚sammá’ “, also jenes Pali-Wort, das meist mit ‚recht’ übersetzt wird, „mit ‚vollkommen’ wieder, um der ursprünglichen Bedeutung des Wortes im Sinne einer ‚Ganzheit’ oder ‚Vollständigkeit’ gerecht zu werden. Der Begriff sammá weist nicht auf den Gegensatz ‚harmonisch-falsch’ hin, wie im Deutschen bei einer Übersetzung durch ‚recht’ irrtümlich angenommen werden könnte“. Und so wollen wir also ‚recht’ durch ‚harmonisch’ ersetzen. Für mich fühlt sich das stimmig an. Insoweit tendiere ich auch dazu ‚falsche Ansicht’ als ‚disharmonische’ Ansicht wiederzugeben.

Advertisements
Vorheriger Beitrag
Nächster Beitrag
Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: