Harmonische Achtsamkeit

30. „Und was, Freunde, ist harmonische Achtsamkeit? Da verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Er verweilt, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und  wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Er verweilt, indem er Geist als Geist betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Er verweilt, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Dies wird Richtige Achtsamkeit genannt.“[1]

„Achtsamkeit“ ist DAS Schlagwort sämtlicher spiritueller Richtungen. Kaum jemand aber ist dazu in der Lage, eine klare und eindeutige Definition von Achtsamkeit zu geben. Einige reden von Wachsamkeit, andere von Aufmerksamkeit, dritte von Wachheit … und alles stimmt irgendwie. Jedoch beziehen sich insbesondere die letzten drei Glieder des Achtfachen Pfades konkret auf die Praxis der Meditation. Und Buddha lehrte vipâssana-Meditation, das bedeutet „Einsichts- oder Erkenntnismeditation“. Man kann aber durchaus Wachsam oder Aufmerksam sein, ohne zu Erkenntnis zu gelangen.

Wenn ich von Achtsamkeit spreche, spreche ich immer von „vipâssana-Achtsamkeit“ (und folge damit dem ehrw. Bhante Sujiva sowie dem ehrw. Bhante Vimalaramsi), unter welcher zu verstehen ist, dass

 man daran denkt zu beobachten, wie die Aufmerksamkeit unseres Geistes sich von Moment zu Moment von einem Thema zum nächsten bewegt

ganz von allein und ohne, dass wir dies verhindern könnten. Wir wollen das auch nicht verhindern, sondern aus der Bewegung des Geistes und den Inhalten der Gedanken lernen. Und nicht zuletzt uns darin zu schulen, aufkommende Gedanken ganz bewusst sofort zu erkennen und blitzschnell zu entscheiden: „Will ich diesen Gedanken jetzt denken oder nicht?“ Wir haben in jeder Sekunde die Wahl, uns von einem Gedanken forttragen zu lassen, uns von ihm mitreißen und gefangen nehmen zu lassen, oder ihn los zu lassen; und genau diese Entscheidungsfreiheit ist wahre Freiheit. Wenn wir unsere Achtsamkeit dahin gehend schulen, kann uns im Alltag nichts mehr so schnell aus dem Gleichgewicht bringen; wir werden mit der Zeit so vertraut mit den Prozessen in unserem Kopf und unserem Körper, dass wir unmittelbar loslassen können, sobald uns etwas Leidhaftes begegnet.

Diese vipâssana-Achtsamkeit gilt es somit aufrecht zu erhalten bei allem was man im gegenwärtigen Moment tut, fühlt oder denkt. Anders ausgedrückt:

Vipâssana-Achtsamkeit bedeutet:

* Sich aller Dinge, die im gegenwärtigen Moment an unseren Sinnestüren erscheinen,

– bewusst zu sein und

– ihnen erlauben da zu sein,

* Zu beobachten, wie unsere Aufmerksamkeit sich von ganz allein zu ihnen hin bewegt und sie von allein auch wieder verlässt

* Zu beobachten, was eine jede sinnliche Wahrnehmung in uns auslöst

* Dabei ist die Beobachtung selbst frei von allen Konzepten, Urteilen und anderen Färbungen

* Die Wahre-Natur (anatta, anicca und dukkha) aller Erscheinungen zu sehen und verstehen

Kurz: Achtsamkeit gerichtet auf Wissen und Schauung des Bedingten Entstehens

Näheres auch hierzu unter der Kategorie „Meditation“


[1] MN 141

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