Harmonisches Handeln

27. Und was, Freunde, ist Harmonisches Handeln? Enthaltung vom Töten lebender Wesen, Enthaltung vom Nehmen von dem, was nicht gegeben wurde, und Enthaltung vom Fehlverhalten bei Sinnesvergnügen – dies wird Richtiges Handeln genannt.“[1]

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Überblick über die buddhistischen Tugendregeln (Silas) geben, denn sie fassen „harmonische Rede“ und „harmonisches Handeln“ zusammen.

Vorab sei bemerkt, dass „Regeln“ hier nicht im Sinne einer Vorschrift zu verstehen ist. Es ist von grundlegender Bedeutung zu verstehen, dass es sich um Empfehlungen handelt, deren Einhaltung dazu dient, den Geist weich, geschmeidig, unbelastet und offen zu halten. Statt also von einem „Du darfst nicht …“ zu sprechen, ist hier viel eher die Formulierung „Wenn Du dies oder das tust, dann wirkt sich das negativ auf Dich aus“ nahe liegend. Man könnte also sagen, dass es sich um Ratschläge handelt, wie man vermeiden kann, karmisch[2] unheilsame Ursachen in die Welt zu bringen, die auf uns zurückwirken, indem wir darüber nachgrübeln, was wir gemacht haben, ein schlechtes Gewissen entwickeln, Angst und Sorge vor Entdeckung haben u.s.f. Noch einmal: Dreh- und Angelpunkt ist 1. das Vermeiden von Entstehung einer inneren Spannung und 2. das Auflösen von vorhandener innerer Spannung. In diesem Lichte sind die Tugendregeln zu verstehen, nicht als Verhaltensvorschriften.

Die Theravada-Tradition und die Mahayana-Tradition[3] unterscheiden sich ein wenig in den Silas, die ersten fünf werden allerdings als die Grundlegenden von beiden beobachtet; 6-10 werden im Theravada nur von Novizen (oder von Laien auf Retreats) gesprochen. Vollordinierte Theravada-Mönche haben 227 (!) Regeln zu befolgen:

Theravada

Mahayana

1. Ich gelobe, mich darin zu üben, kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen.2. Ich gelobe, mich darin zu üben, nichts zu nehmen, was mir nicht gegeben wird.

3. Ich gelobe, mich darin zu üben, keine ausschweifenden sinnlichen Handlungen auszuüben.

4. Ich gelobe, mich darin zu üben, nicht zu lügen und wohlwollend zu sprechen.

5. Ich gelobe, mich darin zu üben, keine Substanzen zu konsumieren, die den Geist verwirren und das Bewusstsein trüben.

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6. Ich gelobe, zur „verbotenen Zeit“ nichts mehr zu essen (nach 11 Uhr bis Sonnenaufgang ca. 5 Uhr).

7. Ich gelobe, keine Tanz-, Musik-, Gesangs-, und Theateraufführungen zu besuchen, keine Blumen, Duftstoffe, Kosmetika, Schmuck und andere Verschönerungsmittel benutzen.

8. Ich gelobe, nicht auf hohen und üppigen (weichen) Betten zu schlafen

9. Ich gelobe, kein Gold oder Silber (Geld) anzunehmen.

 

(Anm.: Nr. 7 wird meist in zwei verschiedene aufgeteilt)

1. Regel: Bejahe das Leben und töte nicht.2. Regel: Übe Freigebigkeit und nimm nichts, was        nicht gegeben wurde.

3. Regel: Die Sexualität nicht missbrauchen.

4. Regel: Übe Aufrichtigkeit und sprich keine Unwahrheiten.

5. Regel: Halte Deinen Geist klar und trübe ihn nicht durch Alkohol oder Drogen.

6. Regel: Sieh die Perfektion und sprich nicht über die Fehler anderer.

7. Regel: Realisiere selbst und andere als eins. Setze andere nicht herab.

8. Regel: Sei freigiebig und nicht zurückhaltend im      Weitergeben des Dharma.

9. Regel: Verwirkliche Harmonie und vermeide den Zorn.

10. Regel: Erkenne die Einheit und äußere dich nicht abfällig über die Drei Juwelen.

 

 


[1] MN 117

[2] Unter Karma ist die Ursachenkette zu verstehen: Denn dies ist, entsteht jenes, wenn dieses nicht ist, entsteht auch nicht jenes.

[3] Theravada ist verbreitet in Sri Lanka, Burma, Thailand, Laos und Kambodscha; Mahayana findet sich vornehmlich in  Vietnam, Japan (Zen), Tibet, Bhutan, Taiwan, der Volksrepublik China und Korea

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