Meditation der „Liebenden-Güte“ – METTA

Einführung in die METTA –Meditation[1]:

Wir kommen nun zur Metta-Meditation, der Meditation der „Liebenden-Güte“. Es wurde ja bereits erwähnt, dass jene gefühlte Einheit mit dem Tao, dieses kurzzeitige „Aufgehen in Allah“ (arab.: wudschud) oder wie auch immer es beschrieben werden mag, das in der Atembetrachtungs-Meditation erfahren werden kann, zu einer großen Freude führen kann, zu einer objektlosen Freude, denn da ist nichts, woran diese Freude ‚andocken’ könnte. Sie ist einfach da. Freude über etwas ist immer vergänglich, weil das Objekt der Freude vergänglich ist. Der Nachhall der schönen Erinnerung ist Freude über etwas, das nicht existiert – Sehnsucht entsteht! Die Freude hingegen, die überweltliche Freude genannt wird, ist einfach da und sie ist unvergänglich. Auch wenn man sie nicht immer spürt, da die vielen Gedanken im Kopf sie meist verdunkeln, aber sie ist immer da.

Diese Freude kann man kultivieren. Und das tun wir in der Metta-Meditation[2]. Jede Meditation hat ein Meditationsobjekt, einen Heimathafen, wenn man so will, zu dem man immer wieder zurückkehrt, wenn man abgelenkt wurde; in der Meditation der Atembetrachtung ist es der Atem. In der Metta-Meditation ist es das Fühlen des Gefühls Liebender-Güte.

I. Die PRAXIS:

Du lässt zunächst jenes Gefühl objektloser Freude in Dir entstehen; das kann Dir gelingen, indem Du Dir das freudvolle Gefühl der Ruhe, der Stille, der Geborgenheit des jetzigen Momentes, das Du in der Atemachtsamkeits-Meditation erfahren hast, wieder präsent werden lässt – ein warmes, weiches freudvolles Gefühl in der Brust, etwa im Bereich Solarplexus. Dieses Gefühl kannst Du stärker werden lassen, indem Du Dir einfach vorstellst, es sei ein kleines Licht, welches sich und mit ihm eine Wärme immer weiter ausweitet auf Deinen ganzen Körper und auch über ihn hinaus. Es entsteht eine Art Aura Liebender-Güte (METTA), und in diese Aura lässt Du Dich zunächst einmal selbst eintreten. Visualisiere Dich selbst, wie Du da stehst und Dich selbst anlächelst.

Als nächstes formulierst Du einen Wunsch für Dich selbst; die klassischen Wünsche im Theravada lauten:

Mögest Du in Sicherheit und Geborgenheit sein

Mögest Dein Geist in Ruhe und in Frieden sein

Mögest Du körperlich gesund und wohlauf sein

Mögest Du ein achtsames und glückliches Leben führen[3]

Ich empfehle, zunächst bei diesen Wünschen zu bleiben, um zu vermeiden, während der Meditation ins Nachdenken über den nächsten Wunsch zu geraten.

Wichtig ist, dass Du den Inhalt des Wunsches wirklich in Dir fühlst; wünscht Du Geborgenheit, so fühle Geborgenheit in Deiner Brust. Lass die Worte des Wunsches los und fühle lediglich dieses Gefühl. Der Wunsch (oder besser: die Formulierung des Wunsches) ist wie ein Streichholz, welches das Feuer der Liebenden-Güte in Dir entzünden mag. Die Wärme jener Flamme strahlt nun von Dir aus und – wenn Du den Wunsch für Dich selbst formuliert hast – zu Dir hin.

Wichtig:

1] Das „Metta-Gefühl“ entsteht in Dir, oder aber (erst einmal) nicht. Versuche in keinem Fall, es zum Entstehen zu bringen!! Es wird nichts kontrolliert, es wird nichts willentlich beeinflusst!! Du kannst einfach darauf vertrauen, dass das Metta-Gefühl früher oder später in Dir entsteht, denn es  ist ja da – tief in Dir; es tritt eben erst dann wirklich zutage, wenn unser Geist ruhig wird.

2] Fokussiere weder den Wunsch (das heißt: rezitiere ihn nicht wie ein Mantra) noch das Metta-Gefühl. Das Metta-Gefühl ist unser Meditationsobjekt, aber ebenso wenig wie wir uns im anapanasati auf den Atem konzentrieren, konzentrieren wir uns hier auf das Gefühl – wir lassen es einfach von selbst entstehen und da sein, bis es wieder verschwindet. Wird es, während wir es  (wie sonst unseren Atem) einfach wahrnehmen, irgendwann schwächer, dann formulieren wir einen neuen Wunsch und zünden damit das Licht wieder an.

3] Aus der Metta-Meditation wird erst und nur dann eine Einsichtsmeditation, wenn Du, wie in 2] gesagt, Dich nicht auf das Gefühl oder den Wunsch konzentrierst, sondern die Peripherie, also alles, was passiert, im Blick behältst: Du kannst gleichzeitig Freude und Liebe empfinden und beobachten, wie sich Dein Geist    bewegt. Insofern unterscheidet sich Metta-Meditation also nicht von unserer bisherigen Atembetrachtung.

4] Erst und nur wenn Du feststellst, dass Dich etwas vom Empfinden des Metta-Gefühls weggezogen hat (eine Ablenkung, ein Hindernis) durchläufst Du BLESSED: lässt los, entspannst und lächelst. Dann formulierst Du wieder einen Wunsch und beginnst von Vorne.

In dieser Meditation steht Liebe, Freude und das Lächeln im Vordergrund. Indem wir uns selbst diese guten Wünsche und Liebende-Güte senden, beginnen wir auch nach und nach, einen liebevollen Umgang mit uns selbst zu pflegen – wir nehmen uns selbst liebevoll an, mit all unseren Fehlern und Schwächen. Gleichzeitig enthärtet sich unser Geist durch die Freude, die in uns immer mehr entsteht.

Nach etwa zehn Minuten gehen wir über zum nächsten Schritt[4]: Wir senden Liebende-Güte an eine andere Person, einen so genannten „spiritual friend“, die wir in unsere Aura der Liebenden-Güte eintreten lassen. Das sollte zunächst eine Person sein, die man sehr schätzt und liebt, eine Person, die noch lebt, die kein Familienangehöriger ist und gleichen Geschlechts ist. Nun sendest Du einfach Liebende-Güte an diese Person. Die Wünsche können zunächst einmal ruhig die „Standard-Wünsche“ sein, nach und nach kannst Du sie natürlich so verändern, wie Dein Herz es Dir grad sagt – entsprechend vielleicht der Situation des spiritual friend. Hauptsache, es kommt wirklich von Herzen. Was dann passiert ist eine Art Mischung zwischen Esoterik, Quantenphysik und dem Bereich „unerklärbare Ereignisse“: Die Person wird nach einiger Zeit (je nach Häufigkeit in Intensität Deiner Praxis) eine Veränderung in sich spüren, ohne es aber näher beschreiben zu können. Das Prinzip ist ein Ähnliches wie das, das eintritt, wenn Mütter im Krieg in der Sekunde zusammenbrechen, in welcher ihr Sohn an der Front gestorben ist – dieses Phänomen wird hundertfach berichtet[5].

Da wir auf feinstofflicher Ebene ja lediglich Schwingung sind und wir entsprechende Schwingungsfrequenzen aussenden, können wir über eine gleiche Frequenz mit anderen Menschen in weiter Entfernung in Verbindung treten[6].

Bei „normalen“ Menschen ist diese Verbundenheit eben nur mit ganz bestimmten Personen da; grundsätzlich ist sie aber mit jedem Menschen vorhanden, wenn wir uns dieser Person ganz in Liebe öffnen. Wir können jedem beliebigen Menschen Liebende-Güte senden, und diese Person wird es nach einer Weile spüren.

Schließlich gilt es natürlich, Metta ständig im Alltag zu praktizieren. Du kannst den ganzen Tag ein Gefühl Liebender-Güte in Deiner Brust haben und liebende und gütige Wünsche an wen auch immer senden. Lächle die Menschen an, strahle Liebende-Güte aus, einfach so. Sei großzügig mit Deiner Liebende-Güte und mit Deinem Lächeln – genau das entspricht dem buddhistischen Grundprinzip von Dana. Dana ist weit mehr als (Geld-)spende … wie soll der Buddha seinen Mönchen sonst Dana aufgetragen haben, die ja keinen Umgang mit Geld haben durften. Es geht um Spende von Liebe, von Freude, von Mitfreude, von Mitgefühl. Das ist das Beste, was man tun kann, um sich selber mit positiven Energien zu versorgen 🙂 . Wann immer Du im Alltag unheilsame Gedanken hast[7], ersetze sie einfach durch Gedanken Liebender-Güte. Entfaltung von Liebe und Freude ist das große Plus gegenüber der Meditation der Atembetrachtung.


[1] Ich empfehle hierzu vertiefend meine Broschüre „Metta Meditation – Die buddhistische Meditation der Liebenden-Güte – Einführung in die Theorie und Praxis“

[2] Daher der Begriff „METTA-bhâvana“ = Kultivierung Liebender-Güte

[3] Du kannst die Wünsche natürlich auch in der Ich-Form formulieren.

[4] In meinen Kursen bleiben wir jedoch eine Woche lang auf der „ersten Stufe“, dem Senden des Wunsches an uns selbst.

[5] und gab es in meiner Familie übrigens ebenfalls

[6] Für die Aborigines ist dieses Wissen Normalität und hat nichts mit Zauberei zu tun

[7] Das sind alle Gedanken und Träumereien, die Dich unbeabsichtigt aus dem gegenwärtigen Moment tragen.

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