„Wayseer“ oder „Waygoer“? – Ein alternatives Manifest

Namasté!

Ich las vor einigen Tagen das so genannte „Wayseer-Manifest“ von Garret John LoPorto. Es handelt sich um ein Manifest, das (in erster Linie wohl) spirituelle Menschen und Menschen mit politischem und Engagement für eine bessere Welt anspricht. Es hat seinerzeit weltweit in höchstem Maße Zuspruch gefunden, und das hat mich sehr nachdenklich gemacht. In meinen Augen sind Inhalt und Sprache (Aufruf zu Revolution und Staatsstreich / die faschistische Diktatur unseres Gehirns) höchst bedenklich und scheinen mir einzig darauf abzuzielen, Menschen in instabilen (psychischen) Lebenslagen für sich selbst (LoPorto) und LoPortos Sache zu gewinnen. Zahlen und neuropsychologische Ausführungen sind nicht belegt und Letztere inhaltlich verzerrt. Im Kern mag das, worum es ihm geht, ganz nachvollziehbar sein. Aber ich bin im Zweifel, ob es sich nicht doch um ein werbewirksames Mittel handelt, sich in der Welt bekannt zu machen und – guru-gleich – Anhänger zu werben, unter Ausnutzung ihrer vielleicht psychisch oder gesellschafltich misslichen Lage. Unter dem Deckmantel von Spiritualität und Nächstenliebe wird polarisiert und subtil zum Kampf gegen die Herrschenden aufgerufen. Aber das ist nur meine Ansicht; macht Euch hier selbst ein Bild, und wenn Ihr mögt, lest mal parallel die unten stehende Alternativ-Version, die ich bewusst nicht „Wegbereiter-Manifest“ sondern „WayGoer (Weg-Geher) – Manifest“) genannt habe.

The „WayGOer Manifest“

 An alle, die Ihr mühselig und beladen seid – die Ihr Altern und Tod, Schmerz und Klagen, Leid, Betrübnis und Verzweiflung erfahrt; Ihr, die Ihr verstanden habt, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, aber Euer Vertrauen und Eure Erkenntnis noch nicht stark genug sind, ganz im gefühlten Einklang mit dem Tao zu leben, ohne zu polarisieren oder gewaltsam Veränderung herbei führen zu wollen.

Du siehst Dinge, die andere nicht sehen; das ist eine Gnade, die es Dir ermöglicht, im Göttlichen Frieden zu finden und so Liebe unter die Menschen zu bringen: Auf diese Weise kannst Du die Welt verändern!

Anders als die meisten Menschen hast Du die Chance, durchlässig zu werden für die Inakzeptanz und den Druck und die Normen, die die Gesellschaft Dir aufzuzwängen versucht. Du wurdest geboren, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, in Gleichmut und innerem Frieden, und hierdurch sanft und gewaltlos Veränderung durch Liebe herbeizuführen. Denn jedes Aufzwängen der eigenen Geisteshaltung ist Gewalt, egal welchem Ziel sie dient.

Bilde Dir nicht ein, es gäbe ein Establishment, das Dich bedroht – lass Dir so etwas nicht einreden! Glaube weder der einen, noch der anderen Autorität, keinem Guru, keinem politischen Führer, nicht einmal der eigenen, der inneren Autorität. Dein Geist ist der Schöpfer dieser Welt, und aus Deinem Geist entsteht Dein Leid – nur ihn kannst Du zähmen. Die Menschen kannst Du nicht verändern, sondern nur Dich selbst – hin zu einer Geisteshaltung der Liebenden-Güte. Dieser Verzicht auf inneren Widerstand mag Dir als Schwäche ausgelegt werden, doch niemand ist stärker als der, der sich nicht von seinen wütenden oder traurigen Emotionen mitreißen lässt. Aus der tiefen Liebe inneren Friedens heraus bist Du in der Lage, Dinge zu bewegen – denn keinen Widerstand zu leisten bedeutet nicht, nichts zu verändern!! Es bedeutet nur, den gegenwärtigen Moment in Liebe anzunehmen und hieraus Kraft zu schöpfen. Doch mit jedem Engagement für Natur oder Politik, in welchem Dein EGO auch nur im Geringsten eine Rolle spielt, sitzt Du in der Falle und erfährst Leid … und hieraus entsteht Gewalt und Leid!

Es mag sein, dass Du eine psychische Unregelmäßigkeit aufweist. Die unerleuchtete Gesellschaft bezeichnet es als Krankheit, aber nicht, weil sie Dir etwas Böses will, sondern nur, weil sie nicht weiß, wie sie mit etwas umgehen soll, was sie nicht kennt – das macht ihr Angst. Dein Anderssein (sofern es keine hirnorganische Erkrankung ist) ist ein Portal, da Du weitaus sensibler bist für Dein Leid und das Leid Deiner Mitwesen – aber es macht Dich auch angreifbar und sehr verletzlich für Menschen, die Dich stigmatisieren. Bist Du abhängig von irgendwelchen Substanzen, Drogen, Alkohol oder was auch immer, zeitigt dies, dass Du lediglich die unverschuldete Unwissenheit und Torheit der Gesellschaft noch zu persönlich nimmst; werde durchlässig dafür; verurteile sie nicht, sondern hab Mitgefühl mit denen, die Dich abstempeln, denn die psychische Gewalt, die sie gegen Dich ausüben, richtet sich in Wirklichkeit nicht gegen Dich persönlich, sondern ist ein Zeichen von Angst, Unverständnis und Hilflosigkeit. Ein Phänomen, das jedem Rassismus zugrunde liegt. Nimm es nicht persönlich, sondern vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Das ist besonnenes Handeln. Mit dem Finger auf die Gesellschaft zu zeigen, nur weil sie auf Dich zeigt, ist unbesonnen!

Lass Dich nicht von irgendwelchen Gurus hinreißen zu heldenhaftem Verhalten; wir brauchen keine Helden! Sei einfach nur Du selbst. Du magst viele Gemeinsamkeiten haben mit Menschen, die vor Dir schon Großes in Sachen Liebe und liebevoller Veränderung geleistet haben. Aber vergleiche Dich nicht mit den großen Pionieren und Visionären, Innovatoren und schon gar nicht mit Revolutionären (!), denn es gibt kaum einen Revolutionär, durch dessen Hand nicht das Blut des Feindes geflossen wäre! Und auch nicht mit Heiligen, Buddhas oder Religionsgründern! Vorbilder sind auch nur Bilder … Konzepte. Bleib einfach ganz bei Dir, sei Dir selbst treu in liebevoller Selbstannahme.

Dem Wesen nach sind wir alle gleich! Alle Menschen! Glaube nicht und lass Dir nicht einreden, Du seiest irgendetwas Besseres als die, die den WEG noch nicht gefunden haben oder die Augen vor ihm verschließen. Tief in uns wissen wir alle, nicht nur wir Menschen, sondern alle Wesen (da es kein intellektuelles Wissen ist):

Alles, was im Kosmos seit jeher geschieht, jedes noch so kleinste Ereignis, die Bewegung jedes Sonnenstäubchens und jeder Schwingung ist entstanden, weil die Voraussetzungen für ihr Entstehen gegeben war! Somit ist  alles, was entsteht, in sich stimmig. Diese vollendete Insichstimmigkeit ist  vollendete Harmonie. Und vollendete Harmonie ist reine und absichtslose Liebe, die nichts bezweckt und auf nichts abzielt außer auf ihr Sein selbst. In diesem Bewusstsein zu leben führt zu Frieden. Dieses Bewusstsein selbst IST Friede! DAS IST DER WEG. Und diesem Weg kann sich niemand entziehen – wir alle sind in der kosmischen / göttlichen … Liebe, ob wir es wollen oder nicht!

Wenn aber alles seine Insichstimmigkeit hat, alles in Liebe ist, dann gehören unsere „Unzulänglichkeiten“ und „Fehler“ mit dazu! Denn nichts kann sein, was nicht Gottes / des Kosmos … „Wille“ ist. Lass Dir nicht von irgendwelchen Propheten einreden, es gäbe eine „Gestapo des Gehirns“, eine „faschistische Diktatur des präfrontalen Kortex“. Dieser Teil des Gehirns hat wie alles, was existiert, seinen Sinn; hätte er ihn nicht, hätte er sich in der Evolution nicht durchgesetzt. Gegen seine Funktion Widerstand zu leisten kommt einer Kritik an der Schöpfung selbst gleich! Dann ist der Schöpfer ein faschistischer Diktator!

Funktioniert diese Hirnregion nicht, so kann es zum Zerfall des Kurzzeitgedächtnisses oder der Langzeitplanung, zu emotionaler Verflachung [= Gleichgültigkeit], Anhedonie [Freudlosigkeit], Störung des sexuellen Antriebs und sozialwidrigem [also: den Interessen der Mitmenschen entgegenstehendem] Verhalten kommen.[1] Alles Dinge, die uns als Menschen ausmachen! Unser Gehirn ist weder böse noch funktioniert es falsch! Auch wenn Laien im Bereich Psychologie etwas anderes postulieren.

Eine Hand kann schlagen und eine Hand kann streicheln; ein Mund kann sagen „Ich hasse Dich“ und ein Mund kann sagen „Ich liebe Dich“; ein Körper kann Wohlgefühl in Dir erzeugen und auch Schmerz. Dieses Prinzip von Yin und Yang gilt für alles, inklusive dem präfrontalen Kortex – er macht uns manchmal das Leben schwer, aber er macht uns ebenso als Menschen aus. Lass Dir nicht einreden, dass irgendetwas an oder in uns „falsch“ wäre. Gehe nur besonnen mit dem um, was IST! Wir alle sind konditioniert und programmiert, aber einzig durch das „persönlich Nehmen“ dieser Strukturen, jener Vermutung „Mein Denken BIN ich“ und wenn wir sie deshalb festhalten, können sie uns gefährlich werden. Wenn wir sie einfach nur betrachten, brauchen wir sie nicht zu verurteilen und schon gar nicht verdrängen. Wir entscheiden in jeder Sekunde, ob wir ihnen nachgeben wollen oder nicht. Das ist Willensfreiheit, die zu einem liebevollen Umgang mit uns selbst führt!

Waygoer (Menschen, die den WEG gehen) sind diejenigen, die ihre eigenen Strukturen und Denkmuster erkennen, verstehen,  liebevoll annehmen und hierdurch Erkenntnis des All-Einen erlangen – denn sie sehen deutlich das kosmische Prinzip von „Nicht-Selbst“ [nichts, was geschieht, hat mit mir ‚persönlich zu tun], Vergänglichkeit [jedes Entstehen ist abhängig von dem, was vorher war] und Leid [nur, wenn ich „Nicht-Selbst“ und  „Vergänglichkeit“ nicht als kosmische Wahrheit annehme, leide ich unter ihnen]. Waygoer sind Erkennende, die in der Erkenntnis Frieden finden, und aus dem Frieden die Kraft, Dinge gewaltfrei zu verändern – ohne Revolution, ohne Rebellion!

Waygoer sind keine „alte Linie“ von besonders begnadeten Menschen, Priestern oder Ähnlichem! Wer so etwas behauptet, polarisiert und versucht, indem er das Selbstwertgefühl eines Verzweifelten aufwertet, ihn für seine Sache zu gewinnen … aber das ist bloße Marktschreierei und erinnert an den Rattenfänger von Hameln. Ein solcher polarisiert, erschafft künstlich Dualität durch Bewertung und das erzeugt Mauern! Und jede Mauer ist Gewalt! Niemand ist etwas Besseres! Spiel das Spiel von „good guy – bad guy“ nicht mit … und wenn es Dir noch so plausibel erscheint und noch so sehr Dein Herz anrührt. Alle großen Führer, die die Menschen schlussendlich ins Verderben geführt haben, versuchten geschickt, die Herzen der Verzweifelten anzusprechen – sie waren immer und sind noch immer leichte Beute. Nur die Besonnenen liefen nicht mit der Herde und heulten nicht mit den Wölfen!

Lenin sagte: „Die Philosophen haben die Welt nur unterschiedlich interpretiert; es geht aber darum, sie zu verändern.“ Doch er irrte! Es geht zu allererst darum, uns selbst zu verändern, und zwar hin zur Liebe! Die Veränderung der Welt folgt dann automatisch, weil die Welt sich der Liebe nicht entziehen kann. Licht ist immer stärker als Dunkelheit. Man kann Dunkelheit definieren durch Abwesenheit von Licht. Wer aber käme auf die Idee, Licht als die Abwesenheit von Dunkelheit zu definieren? Das liegt daran, dass Licht das Ursprüngliche ist. Erst wenn man es wegnimmt, entsteht Dunkelheit. Waygoer führen keine Revolutionen oder Staatsstreiche durch, weil sie wissen, dass hierdurch nur wieder Köpfe rollen, wie in Frankreich zwischen 1792–1794, als zum Wohle der Demokratie 16.594 Menschen auf der Guillotine den Tod fanden[2]. Solange wir uns nicht im Innersten verändern, kann niemand garantieren, dass sich die Geschichte nicht wiederholt! Zu Revolution und Staatsstreich aufzurufen ist aus dieser Sicht grob fahrlässig; wir sind noch nicht so weit!

Und nun: Glaube nichts von dem, was Du soeben gelesen hast! So sehr es Dich auch anrühren mag, so plausibel es Dir auch erscheinen mag! Fühle in Dich hinein und prüfe, ob es anklingt, ob es so sein könnte. Prüfe kritisch und glaube mir kein Wort!

„Ehi-passiko“ – KOMM UND SIEH SELBST!

Liebende-Güte wünscht und sendet Euch von Herzen

 

„Phra“ Michael


[1] zur (dringend angeratenen) Vertiefung, einfach einmal hier klicken

[2] Opferzahl der franz. Revolution nach wikipedia unter Berufung auf Donald Greer

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Ein Kommentar

  1. Hi Michael!
    Du hast hier vieles in ein liebevolleres Licht gerückt, das finde ich sehr schön. Einige Passagen hast du ent-dramatisiert, dein Text hört sich weich und flüssig an.
    Hm, was mir spontan in den Sinn kam, war jedoch, dass man Menschen manchmal dort abholen muss, wo sie eben stehen. Und dort wo ich z.B. damals stand, als ich das Original das erste Mal las, hätte mich dein Text wohl kaum „mitgerissen / mitgenommen“. Das soll keine Kritik an deinem Text sein, nur eine Erklärung. Weil ich denke, Menschen befinden sich immer auf bestimmten (Schwingungs-)Ebenen. Und wenn dann etwas kommt, das höher schwingt, dann erreicht es mich vielleicht ein bisschen, aber nicht genug, um ausreichend in mir zu bewegen. Weißt was ich meine? Aber im Prinzip ist es auch müßig, darüber zu philosophieren, weil…ich…sehe deinen Text nicht in Zusammenhang mit dem anderen. Deiner entspringt einer ganz anderen Haltung.
    In deinem Text taucht mehrfach das Wort Revolution auf – und du stellst es an einigen Stellen als etwas Negatives dar. Ich denke gerade bei mir: Revolutionen müssen nicht immer gewaltsam sein. Und vielleicht sind Revolutionen nicht immer mit blindem oder gar überlegtem Handeln verbunden, sondern einfach auch Veränderungen, die IN den Menschen passieren und die liebevoll vonstatten gehen können. So sehe ich das Wort Revolution und erst du hast mich daran erinnert, dass Revolutionen auch gewaltsam sein können. Hm. 🙂 Da wundere ich mich jetzt gerade selbst über mich.
    Auf jeden Fall gefällt mir dein Text, das wollte ich dir sagen.

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