„Abwun“ – Das ‚Vater Unser‘ auf aramäisch

Aramäisch ist die Sprache, die Jesus seinerzeit sprach. Mich berühren die beiden gesungenen Versionen, die ich gern mit Euch teilen möchte, ebenso, wie die (von dem uns bekannten Text des Vater Unser abweichenden) Übersetzung. Ich bin tief bewegt – vielleicht geht es Euch ja ähnlich.

Abwun d’bwashmaya
Nethqadash shmakh
Teytey malkuthakh
Nehwey tzevyanach aykanna d’bwashmaya aph b’arha.

Hawvlan lachma d’sunqanan yaomana
Washboqlan khaubayan (wakhtahayan)
aykana daph khnan shbwoqan l’khayyabayn
Abwoon D’Bashmaya

Wela tahlan l’nesyuna
Ela patzan min bisha
Metol dilakhie malkutha wahayla wateshbukhta
l’ahlam almin.
Ameyn.

O cosmic Birther,

from whom the breath of life comes

who fills all realms of sound, light and vibration

May Your light be experienced in my utmost holiest

Your heavenly Domain approaches

Let Your will come true in the universe (all that vibrates)

as on earth (that is material and dense)

Give us wisdom (understanding assistance) for our daily need

Detach the fetters and faults that bind us

Like we let go the guilt of others

Let us not be lost in superficial things (materialism, common temptations)

But let us be freed from what keeps us off from our true purpose.

From You comes the all-working will, the lively strength to act

The song that beautifies all and renews itself from age to age

Sealed in trust, faith and truth (I confirm with my entire being)

Advertisements

The Gayatri Mantra Around The World – Deva Premal

Spirituelle Suche und spirituelle Praxis

„Für den Menschen der Formwelt ist ein Baum ein Baum; für den spirituell Suchenden ist der Baum kein Baum; für den spirituell Erwachten ist der Baum wieder ein Baum“

(Spruch aus dem Zen)

Es gibt eine große Falle, in die spirituell Suchende oft hinein tappen, und welche sie daran hindert, zu Spirituellen zu werden[1]. Es handelt sich um die Ego-Falle, jene, die uns gerne vorgaukelt, schon spirituell / bewusstseinstechnisch sehr weit gediehen zu sein, weiter, als wir es tatsächlich sind.

Ich möchte das deutlich machen am Beispiel der Beurteilung oder Bewertung: In der einschlägigen spirituellen Literatur stößt man immer wieder auf das Prinzip des Nicht-Bewertens, des Nicht-Beurteilens: „Die Dinge sind, wie sie sind, und sie sind dem Wesen nach nicht gut oder schlecht.“ Nun, zweifelsfrei ist das so[2]. Es ist relativ leicht intellektuell nachzuvollziehen, dass die Bewertungen, die wir abgeben, immer auf Maßstäben beruhen, die wir erlernt haben – Gesellschaft, Tradition, Religion, Philosophie u.v.m. . Und der spirituell Suchende gelangt dann zu dem Punkt, dass er einsieht: „Wenn ich bewerte, dann setze ich Grenzen, und ich polarisiere, setze Prägungen u.s.w., und dies widerspricht dem Gedanken des göttlichen «Alles ist Eins und alles ist gut», Wertung ist nicht authentisch.“ Auch dem ist nicht viel entgegenzuhalten.

Doch nun kommt die Falle: Der spirituell Suchende beschließt daraufhin seine Abkehr von jeglicher Wertung oder Beurteilung oder Einteilung und gut und schlecht, schön oder hässlich … Er übersieht aber dabei, dass dieser Beschluss Teil des intellektuell-diskursiven Denkvorganges ist, und was noch gefährlicher daran ist, das ist, dass sich dieser Vorsatz „Ich will nicht mehr bewerten“ in einem sehr angenehmen Gefühl (im Solarplexus) äußert, welches dann (wiederum intellektuell) gedeutet wird als „Authentizität“ – Ursache und Wirkung werden also vertauscht: „Ich fühle mich gut mit dem Nichtbewerten,  ich habe mich spirituell weiterentwickelt, jetzt bin ich authentisch.“ Dabei handelt es sich nur um einen Trick der Psyche: Das Belohnungssystem schüttet immer Glückshormone aus, die euphorisierend wirken, wenn wir Vorsätze fassen, die tief in sich stimmig scheinen. Das kennt jeder, der z.B. den Vorsatz fasst, an Silvester das Rauchen aufzugeben. Die Euphorie verfliegt aber leider – wie beim Aufgeben des Rauchens – sehr schnell, wenn es in die Umsetzung geht. Dann wird schnell ein „Ich darf nicht bewerten, ich muss mich davor hüten zu bewerten …“ Und man verkrampft und zwingt sich, wird vielleicht unzufrieden mit seinen Fortschritten und so weiter. Oder aber, es gelingt ganz gut; dann aber entsteht schnell so etwas wie stolz: „Ich bin der, der nicht mehr bewertet! Ich bin der, der die Einsheit des Göttlichen tief im Herzen fühlt! Ich bin der, der den spirituellen Pfad geht! Ich bin … ich bin … ich bin …!“ Das soll jedoch nicht bedeuten, dass sich (im Wege der ‚operanten Konditionierung‘, wie die Pychologie es nennt) nicht auch ein authentisches Nichtbewerten entwickeln kann. Dies führt aber über einen Stolperstein, ein bedeutsames Hindernis:

Wo also liegt hier das eigentliche Hindernis? Syntaktisch besteht der Satz „Ich bewerte“ aus einem Subjekt und einem Objekt. Was der spirituell Suchende tut – und das ist die eigentliche Falle – ist: Er transzendiert das Verb. Wenn ich das tue, transformiert sich das „Ich bewerte“ in ein „Ich bewerte nicht (mehr)“. Das ICH aber bleibt bestehen. Es geht aber darum, das Subjekt des Satzes zu transzendieren. Dann bleibt nur noch „bewerten“ als allein stehendes Verb übrig. Steht es aber allein, verliert es seine Kraft, denn es ist niemand mehr da, der bewertet. Auf die gleiche Weise ist zu verstehen, wenn es in den Visuddhi Magga (dem „Weg zur Reinheit“) heißt: «Taten gibt es, aber niemanden der handelt». Auf diese Weise kann das Bewerten oder Beurteilen ganz einfach losgelassen werden – es verschwindet gleichermaßen von allein.

Die große Herausforderung besteht also im Lassen des Ego! „Wo immer Du Dich findest, da lass Dich los!“ Ich weiß nicht, wie viel tausendmal ich diesen Satz des Meister Eckhart bereits zitiert habe. Unglücklicherweise ist es nicht leicht, diese Ego-Falle als solche zu entlarven. Und noch bedauerlicher ist es, dass meiner Erfahrung nach vielleicht gefühlte 5% der spirituell Suchenden diese Falle erkennt und auch erkennen will; 95% reagieren auf diesen oder ähnliche Hinweise das Ego betreffend ignorant, verletzt, beleidigt, genervt, aggressiv oder gar beleidigend („Hör auf, mich zu belehren, Du Besserwisser!“) – ein weiteres Indiz dafür, dass das Ego hier noch sehr, sehr dominant ist. Denn das Selbstbewusstsein „Ich bin spirituell und kenne den Weg“ fühlt sich sehr gut an und man lässt ungern jemanden daran kratzen, aber es ist kein Selbst-Bewusst-Sein! Im Gegenteil, es wird nur ein Selbstbild (ein materielles) durch ein anderes (spirituelles) ausgetauscht – aber es bleibt ein Bild, ein Konzept. Damit ist der spirituell Suchende sicherlich dem Nichtsuchenden in Sachen Bewusstheit etwas voraus, aber Lichtjahre entfernt von dem, um das es letztlich geht: Die restlose Überwindung der Dominanz des Ego. Kaum jemand ist dazu bereit!

Dabei bemisst sich die Frage, ob man spirituell Suchender ist oder Spiritueller ja gar nicht danach, wie weit man das Ego transzendiert hat, sondern lediglich nach der Erkenntnis der Notwendigkeit und dem ernsthaften Bemühen darum.

Und noch ein letztes Wort zu der Frage, die sicherlich aufkommen wird, ob es überhaupt Not tut, zwischen „spirituell Suchendem“ und „Spirituellem“ zu unterscheiden, und ob nicht auch das wieder eine Wertung ist. Zu 1: Ja! Zu 2.: Nein! Diese Unterscheidung vermag demjenigen, der sich auf dem spirituellen Pfad befindet, eine Richtlinie dafür sein, wie weit er ist, ob er nicht vielleicht in eine Sackgasse rennt; sie dient dazu, sich selbst zu überprüfen. Das setzt natürlich Ehrlichkeit sich selbst gegenüber voraus, und auch diese kann man schön anhand dieser Frage überprüfen … Und das völlig wertfrei, denn jeder geht den Weg, den er nun einmal geht – der eine ist etwas heilsamer, da er weiter führt, der andere eben nicht. Nur sollte man sich dessen bewusst sein, und dann die viel gelobte Entscheidungsfreiheit nutzen um zu schauen, wohin die Reise gehen soll. Das ist jedem überlassen!

Mit Metta

„Phra“ Michael


[1] Ein spirituell Suchender ist nach meiner Definition jemand, der die Inhalte spiritueller Geisteshaltung zwar bereits intellektuell begriffen hat und auch tief in sich spürt, „dass da etwas Tieferes oder Höheres ist“, jedoch noch nicht dazu in der Lage ist zu erkennen, dass zum Erreichen jenes „Tieferen“ oder „Höheren“ die „Entselbstung“, die Transzendierung des Ego erforderlich ist oder es zwar erkannt hat, jedoch noch nicht wirklich darauf hin arbeitet, weil die Tiefe seiner Erkenntnis noch nicht dafür ausreicht. Der Spirituelle hat dies erkannt, und sein einziges Streben – wenn man es so bezeichnen kann – besteht darin, diese Entselbstung zu realisieren.

[2] Ich will das an dieser Stelle nicht vertiefen, denn das würde zu weit führen.

Gedanken zum Advent

DSC00047Der Begriff „Advent“ stammt ja bekanntlich aus dem Lateinischen (Verb ‚advenire‘, Substantiv ‚adventus‘); es bezeichnet in der christlichen Tradition die „Ankunft des Herrn“, und so ist der Advent die Zeit vor Weihnachten, in der die Christenheit sich auf die Geburt Jesu, die „Menschwerdung Gottes“, einstimmt.

Die „Ankunft Gottes“ … nun, ich frage mich (alle Jahre wieder 🙂  ): Worin besteht die „Ankunft Gottes“, die alljährlich von so vielen Menschen begangen wird (obwohl unter dem Strich wohl nicht so viele Menschen übrig bleiben, die wirklich um dessentwillen feiern) ? Natürlich hat man allen Grund sich zu freuen, dass ein „Messias“, ein „Prophet“, ein „Sohn Gottes“ oder vielleicht einfach nur ein „Erleuchteter“ zu den Menschen gekommen ist, um ihnen den Weg aus ihrer ewigen Misere zu weisen – gleichviel, ob er Jesus heißt oder Buddha Gautama oder sonst wie. Gleichwohl befriedigt mich das allein nicht. Denn, so frage ich mich immer wieder: Ist es nicht vielmehr so, dass es an uns ist, zu Gott zu kommen denn Gott zu uns? Denn Gott, wie auch immer man ihn in den verschiedensten Religionen und Traditionen interpretiert, ob man überhaupt von Gott spricht oder nur von dem EINEN, dem kosmischen Bewusstsein oder wie auch immer, ist doch und war immer da und allgegenwärtig.

Und doch, so paradox es scheinen mag, müssen wir „IHN“ hereinlassen, damit er in uns wirken kann. Wir müssen die Tür unseres Herzens öffnen, im Gegensatz zu den Herbergsbetreibern, die Maria und Josef abgewiesen haben – die Tür vor ihnen verschlossen. Wir müssen ihn hineinlassen, um zu IHM kommen zu können.

Wie aber soll etwas zu mir kommen, wenn es schon da ist? Wie soll ich zu irgendetwas gelangen, wenn ich schon da bin? Zeigt sich hierin nicht die wechselseitige Durchdringung des Göttlichen mit dem Menschlichen, die bedeutet, dass es zwischen Gott und dem Menschen keine Trennung gibt?

 „So einige törichte Leute meinen, sie müssten Gott sehen ganz so, als

stünde er ihnen gegenüber. Doch das ist nicht so.

Gott und ich sind Eins in der Erkenntnis.“

(Meister Eckhart)

 

„Ich bin so groß wie Gott, er ist als ich so klein;

Er kann nicht über mir, ich unter ihm nicht sein.

 

Ich bin Gott’s ander ER, in mir find’t er allein,

was ihm in Ewigkeit wird gleich und ähnlich sein.“

(Angelus Silesius)

 

„Ich bin der, den ich liebe, und der, den ich liebe, bin ich.

Ich bin Allah, und Allah ist ich. Wer mich sieht, sieht uns.“

(Al-Halladsch)

Die mich in diesem Augenblick irgendwie berührende Konsequenz dieser recht spontan gekommenen Überlegung ist: Im Ergebnis müssen wir uns dann also selbst in uns hineinlassen, mit anderen Worten: „Zu uns kommen“. „Zu sich kommen“ wird ja regelmäßig gebraucht im Sinne von „das Bewusstsein wiedererlangen“. Und so kommt der Advents-  und Weihnachtszeit eine ganz interessante Bedeutung zu, auch für „atheistische“ Spirituelle: Der Advent als eine Zeit der Bewusstwerdung, des bewusst-WERDENS, das schließlich mündet im bewusst-SEIN, dem Moment der Geburt des Göttlichen in uns, der Einswerdung (unio mystica „auf christlich“, wudschud „auf islamisch“, Erwachen zur Wahren Natur der Dinge „auf buddhistisch“). Und dieser Bewusstwerdungsprozess ist immerwährend … womit auch immer Advent ist, und … von Moment zu Moment … auch immer Weihnachten.

Auf dass wir alle mehr und mehr zu uns kommen mögen, das wünsche ich uns dieses Jahr zu Weihnachten … an 365 Tagen 🙂

Mit METTA

„Phra“ Michael

Harmonische Kommunikation – gewaltfreie Kommunikation

Warum müssen die Menschen immer so viel reden? Sie labern und labern und labern. Können sie nicht einfach einmal still sein?

(frei zitiert nach dem Film Ben X, Belgien 2007)

Der neueste Artikel von Meike (dieser hier) hat mich dankenswerter Weise daran erinnert, dass ich schon seit Längerem einen Artikel in der Schublade liegen habe, den ich nun einmal posten werde. Es geht um Harmonische Kommunikation. Harmonische Kommunikation ist sowohl das Dritte Glied des Edlen Achtfachen Pfades (dem Pfad zum Erwachen, wie Buddha ihn lehrte), als auch die vierte von Buddha gelehrte Tugendregel (musāvādā veramani sikkhāpadaṃ samādiyāmi: Ich gelobe, mich darin zu üben, nicht zu lügen und wohlwollend zu sprechen.) Hieran sieht man, dass Buddha großen Wert auf eine inhaltlich und auch sprachlich liebevolle Rede gelegt hat.

26. „Und was, Freunde, ist harmonische Rede? Enthaltung von unwahrer Rede, Enthaltung von böswilliger Rede, Enthaltung von groben Worten, und Enthaltung von sinnlosem Geschwätz – dies wird harmonische Rede genannt.“[1]

Zwei Dinge ziehen sich durch die gesamte buddhistischen Lehre: 1. liebevoll zu sich selbst zu sein, indem man innere Spannung durch innere Konflikte entspannt, und 2. liebevoll zu seinen Mitwesen zu sein. Letzteres zielt aber wiederum darauf ab, nicht in einen inneren Spannungszustand zu geraten, sondern weich, sanft und ruhig zu sein. Und natürlich ist das auch das Ziel der Harmonischen Kommunikation. Ich habe, nachdem ich über längere Zeit einmal die buddhistischen Grundsätze zur Harmonischen Kommunikation studiert habe, die entscheidenden Punkte zusammengefasst; wenn man diese einhält, vermeidet man Spannung im Innen und in Außen und praktiziert „gewaltfreie Kommunikation“:

Buddha lehrte die folgenden vier Punkte[2]:

Enthaltung von unwahrer Rede:

„Da, Cunda, ist einer ein Lügner: Befindet er sich in einer Gemeindeversammlung, in einer (anderen) Zusammenkunft, unter Verwandten, in der Gilde, oder wird er vor Gericht geladen und als Zeuge befragt: ‚Komm, lieber Mann, sage aus, was du weißt!‘, so sagt er, obwohl er nichts weiß: ‚Ich weiß es‘, oder wenn er etwas weiß: ‚Ich weiß es nicht‘. Obwohl er nichts gesehen hat, sagt er ‚Ich habe es gesehen‘, oder wenn er etwas gesehen hat: ‚Ich habe es nicht gesehen‘. So spricht er um seinetwillen oder um eines anderen willen oder um irgendeines weltlichen Vorteils willen eine bewußte Lüge.“

Enthaltung von böswilliger Rede:

„Er ist ein Zwischenträger: Was er hier gehört hat, erzählt er dort wieder, um diese zu entzweien; und was er dort gehört hat, erzählt er hier wieder, um jene zu entzweien. So entzweit er die Einträchtigen, hetzt die Entzweiten auf, findet Freude, Lust und Gefallen an Zwietracht, und Zwietracht fördernde Worte spricht er.“

Enthaltung von groben Worten:

„Er bedient sich roher Worte: Worte, die scharf sind, hart und andere verbittern, die von Verwünschungen und Gehässigkeiten erfüllt sind und nicht zur Sammlung des Geistes führen: solcher Worte bedient er sich“,   und

Enthaltung von sinnlosem Geschwätz:

„Er ist ein Schwätzer: Er redet zur Unzeit, unsachlich, zwecklos, nicht im Sinne der Lehre und Zucht; er führt Reden, die wertlos sind, unangebracht, ungebildet, unangemessen und sinnlos.“

Hier geht es insgesamt aber nicht nur um eine liebenswerte Art, mit anderen zu kommunizieren, sondern auch mit uns selber, unseren „inneren Dialog“. Eine liebevolle Ansprache an uns selbst ist besonders dann hilfreich, wenn es darum geht, uns selbst zu vergeben.

Jede Art von Selbstkritik oder Ärger, Widerwillen, Sorge, Angst, Unlust, Ablehnung und jede Spielart von „Ich will die Dinge anders als sie jetzt-hier sind“, die wir in Bezug auf uns selber äußern, bedeutet: Herausfallen aus der inneren Harmonie des gegenwärtigen Momentes. Dies wiederum unterstützt uns in dem Glauben an daran, dass wir unser Ego, das Konzept, das wir von uns haben, sind und führt zu exzessivem Anhaften und Grübeln. Dadurch verhärtet sich unser Geist uns selbst gegenüber und auch gegenüber unserer Umwelt.

Meditation, d.h. die Praxis mentaler Höherentwicklung, ist das Erlernen, die Ereignisse des gegenwärtigen Momentes liebevoll anzunehmen, und diese liebevolle Annahme uns und jedweder Person, mit der wir grade zusammen sind, mitzuteilen. Und wer ist die Person, mit der wir am meisten Zeit verbringen? Wir selber! Also sollten wir wirklich beginnen, liebevoll und gütig zu uns selbst zu sein, unser „inneres Kind“ zu pflegen und lieb zu haben.

 „Niemand, der sich selbst wahrhaft liebt, wird je einem anderen Wesen Leid zufügen“ (Buddha)

 „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst“ (Jesus)

Hier setzt auch wieder das von mir stets angepriesene Lächeln an: Dieses hilft, liebevolle und gütige Gedanken zu kultivieren.

Unter Harmonischer Kommunikation ist schließlich auch zu verstehen, achtsam darauf zu sein, den Anderen nicht mit dummem und sinnlosem Geschwätz zu belästigen oder von seiner eigenen Achtsamkeit abzulenken; zudem zu vermeiden, durch Erlebnisberichte wie den morgendlichen Stau, die eigene Ehekrise oder andere unangenehme Situationen andere Menschen an unserem Leid Teil haben zu lassen, ohne dass sie uns dazu eingeladen haben. Die moderne Psychologie weiß: Alles was uns zugetragen wird fasst unser Geist zunächst als eigenes Erleben auf! Das ist das Grundprinzip des Entstehens von Mitleid. So wenig jedoch, wie ich unter dem Leid eines anderen leiden möchte, möge der andere unter meinem Leid leiden. Wir alle wollen gar nicht leiden. Daher ist Harmonische Kommunikation so wichtig.

„Ich aber sage Euch, die Menschen müssen Rechenschaft ablegen am Jüngsten Tag über jedes unnütze Wort, das sie gesprochen haben. Aus Deinen Worten wirst Du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst Du verdammt werden“ (Matth. 12, 36)

  „… denn Sankt Augustinus spricht: ‚Alle Gedanken und Worte, die ich rede, die weder mir noch meinem Nächsten zur ewigen Seligkeit nütze sind, weisen mich auf den Weg zur Hölle’.“ (Meister Eckhart)

 „Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte,denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen,denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal“. (Talmud)

In einer Übersicht könnte man die Harmonische Kommunikation wie folgt zusammenfassen:

Die folgenden Leitlinien beziehen sich immer auch auf die Kommunikation mit uns selbst (innerer Dialog)!

0] GRUNDSATZ: Halte Dich an das Gebot des Schweigens! Das bedeutet, schweige eigentlich erst einmal immer – und zwar nach Innen (in Gedanken) und nach Außen.

1] Erste Ausnahme zum Gebot des Schweigens:
Aber natürlich können wir nicht immerzu schweigen; darum ging es auch Buddha nicht! Deswegen mag man den Grundsatz erweitern auf: Sprich nur dann, wenn Du darum gebeten wirst; achte in diesem Fall auf eine liebevolle und Deinen Fähigkeiten gemäß niveauvolle Sprache, sprich in gemäßigtem und unaufdringlichem Tonfall.

Rückausnahme:
Es ist also in Ordnung, beizeiten zu reden, aber vermeide dabei persönliche Werturteile und Meinungskundgebungen! Sie können zu Streit führen und zu emotionaler Verwicklung. Halte Dich stattdessen an Fakten.

Rückausnahme von der Rückausnahme:
Aber auch Meinungsäußerungen können in Ordnung sein, wenn sie Deiner Liebe zum Dharma / dem Tao / dem Göttlichen (…) Ausdruck verleihen.

2] Zweite Ausnahme zum Gebot des Schweigens:
Es ist manchmal geboten, nicht nur zu sprechen, wenn wir selber angesprochen werden; es gilt auch manchmal, das Wort selbst zu ergreifen. Das ist jedenfalls der Fall, wenn

eine Aussage für den Adressaten von Belang oder Wichtigkeit ist; halte also keine wichtigen Informationen zurück (z.B. wenn Du weißt, auf der a§ ist Stau, und Dein Kollege fährt über sie nach Hause.)
Du selber eine Information dringend benötigst
Wenn für einen liebevollen Umgang mit den Mitmenschen Kommunikation angezeigt ist (Wenn Du zB jemanden siehst, der traurig ist, kannst Du ihn natürlich ansprechen)

3] Dritte Ausnahme zum Gebot des Schweigens:
Wenn Du mit Deiner Aussage zur allgemeinen Erheiterung beitragen kannst; Lachen und Freude ist immer gut, sie enthärtet unseren Geist.
 
Rückausnahme:
Der Spaß hat aber ein Ende, wenn die Erheiterung zynisch, bissig, gehässig oder sonst negativ ist oder auf Kosten anderer Menschen geht.

4] Vierte Ausnahme zum Gebot des Schweigens: Small-Talk in lockerer Runde.
Entspannte Kommunikation mit den Mitmenschen ist äußerst wichtig. Jedoch: Sei hier in besonderem Maße achtsam auf die Einhaltung der Grundsätze über die „Harmonische Kommunikation“, insbesondere darauf, dass Du

– Dich nicht selber in den Vordergrund spielst
– mit Deiner Aussage niemanden in Misskredit bringst
– nicht grob redest, insbesondere keine Fäkalsprache benutzt
– nach Möglichkeit nicht über negative Erlebnisse und Empfindungen sprichst

Bedenke auch die Grundsätze über nonverbale Kommunikation (Gestik, Sprechakte etc); der „Effenberg-Finger“ oder die herausgestreckte Zunge sollten ebenso vermieden werden wie boshafte Rede.

Sich an diese Grundsätze zu halten (und somit gewaltfreie Kommunikation zu üben) ist gleichzeitig wieder (wie alle Tugendregeln im Buddhismus) eine hervorragende Achtsamkeitsübung 🙂 – wir bleiben die ganze Zeit über in der Bebachtung unseres Geistes und lernen viel über seine Funktionsweise, vor allem, wie unheilsame Gedanken entstehen und wie es dann zu Ärger und bösen Worten kommt.

Versuche es einmal, es ist wirklich spannend und der Mühe wert.

METTA & SMILES 2 U

„Phra“ Michael

 


[1] MN 141

[2] AN (= Anguttara Nikaya = angereihte Lehrredensammlung) 10, 176