– ohne worte –

Er saß einfach nur da. Den Rücken gerade aufgerichtet, die Beine gekreuzt; die Hände ruhten in seinem Schoß. Regungslos wie eine Buddha-Statue. Fast wie in einem Stupor, und doch hellwach dabei und sich bewusst, dass er sich bewegen könne, wenn er wolle. Doch da war kein Wollen. Da war nichts.

 Er saß da, und hatte das Gefühl, jede einzelne seiner Körperzellen gleichzeitig empfinden zu können, jede Sehne, jeden Muskel, jeden Knochen, jeden Strom, jeden elektrischen Impuls in diesem Körper. Diesem Körper, den er nicht als „seinen“ erfuhr, sondern nur als „seiend“. Völlige Stille und Leere. Selbst, wenn ein Gedanke aufblitzte, sah er nur das Entstehen und das, was aus ihm heraus entstand – und verging.

 Überhaupt erfuhr er alles nur noch als ein Werden und Vergehen. Erfuhr er alles nur noch als Geräusch, als Duft, als Empfindung, als Geschmack, als Gefühl, als Gedanken – hinter all den einzelnen Wahrnehmungen war – – – Leere. Leere, in die er hinein zu schmelzen schien. Jeder Atemzug nur eine Bewegung innerhalb der Bewegung des Kosmos – gleich einem Streichholz, das inmitten eines brennenden Holzscheits sich entzündet.

 Das Leben in ihm war nicht er und nicht getrennt von ihm. Nichts war er, und nichts war getrennt von ihm. Bis ihm war, als sei er „selbst zu einem Verb geworden“. Da war nur noch „denken“, „atmen“, „empfinden“ … Abläufe im leeren Raum – einem raumlosen Raum. In einer grenzenlosen Harmonie, die ihn erfüllte – – – aber nicht mit Freude (über diesen Zustand war er hinaus), sondern mit nichts. Sie erfüllte ihn einfach nur, wie ein Odem, der ihm schenkte, was wir „Leben“ nennen.

 Angst befiel ihn von Zeit zu Zeit. Inmitten jener unübertroffenen Infriedenheit – – – Todesangst. Er ließ sie sein. Es war nur „fühlen“. Doch niemand da, der „fühlte“. Da war „lächeln“, doch niemand da, der lächelte. Und auch niemand da, der Frieden empfand, und niemand da, der sich darüber bewusst wurde, sondern nur „sich bewusst sein“.

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Auch solche Dinge geschehen …

Eine wahre Geschichte

Ein guter Freund von mir berichtete mir vor Jahren von einem Ereignis, das ich heute hier einmal wiedergeben möchte:

Mein Freund spielte in den 70er Jahren in einer Rockband, mit der er in Deutschland sehr erfolgreich war. Er sagte, es sei eine schon „heftige“ Zeit gewesen, wenngleich er sie rückblickend wohl als die Schönste seines Lebens betrachte. Diese wundervolle Zeit wurde noch dadurch gekrönt, dass die Frontfrau und Sängerin der Band und er sich unsterblich ineinander verliebten – sie wurde ein Paar. Er habe, so sagte mein Freund, weder vorher noch nachher je so sehr geliebt, wie er diese Frau geliebt habe.

Die 70er Jahre waren eine Zeit, in der bekanntlich auch Rauschmittel in oft nicht unerheblichem Umfang konsumiert wurden – das zog natürlich auch an der Band nicht vorbei. Als einzige jedoch ging die Freundin meines Freundes irgendwann dazu über, auch zu „drücken“. Mein Freund beobachtete das mit Sorge, war aber außerstande, sie davon abzubringen. Mit dem Ergebnis, dass sie einige Monate nach Beginn der Beziehung und einigen erfolgreichen Band-Tourneen mit Anfang Zwanzig an einer Überdosis Heroin verstarb.

Flag Bunting, TIbet Mein Freund fiel in eine schwere Depression, zog sich über ein Jahr lang vollständig von allem und jedem zurück und wollte sich schon das Leben nehmen. Doch dann erinnerte er sich, dass sich zu jener Zeit viele junge Leute nach Indien und Nepal begaben, um dort bei diversen Gurus „Erleuchtung und endgültige Befreiung vom Leid“ zu erlangen. So dachte er bei sich: „Ok, umbringen kann ich mich auch immer noch. So geht es jedenfalls nicht weiter! Ich mache mich auf den Weg nach Indien.“ Und so geschah es auch.

Nach einiger Zeit ziellosen Herumirrens in Indien machte er die Bekanntschaft eines „Hippies“, dem er von seinem Schicksalsschlag erzählte und von dem unermesslichen Leid, das er seither in sich trage. „Ich glaube“, sagte der Hippie, „ich kann Dir helfen. Es heißt, in Nepal wandere ein alter tibetischer Mönch, ein Schamane, von Dorf zu Dorf, um dort den Menschen mit seinen Weissagungen und Ratschlägen ihr Leid zu nehmen und Glück zu bringen. Vielleicht versuchst Du einfach einmal, ich zu finden. Er kann Dir sicher helfen.“

Also machte mein Freund sich auf den Weg nach Nepal. Da niemand wusste, wo der alte Mönch sich jeweils eben aufhielt, reiste er ihm über Wochen hinterher, bis er ihn schließlich und endlich in einem kleinen Bergdorf fand. Erleichtert und voller Freude reihte mein Freund sich in die Warteschlange vor dem auf dem Boden in der Dorfmitte sitzenden Mönch. Als er endlich an der Reihe war, berichtete er über einen Dolmetscher dem Mönch, was ihm widerfahren sei, wie schlecht es ihm gehe und bat ihn eindringlich und verzweifelt um Hilfe.

Der Mönch hatte aufmerksam zugehört, nahm ein kleines Ledersäckchen zur old monk nepalHand, schüttelte es lange, murmelte irgendwelche Formeln und schüttete den Inhalt des Säckchens schließlich auf seiner vor ihm ausgebreiteten Robe aus. Zum Vorschein kamen Knochen, Hölzchen, Steinchen, Zähne und mehr, von denen der Mönch immer einmal ein Teil in die Hand nahm, es begutachtete und wieder zurücklegte; dabei nickte er verständnisvoll und murmelte etwas Unverständliches. Nach einiger Zeit wurde mein Freund etwas ungeduldig und bat den Dolmetscher den Mönch zu fragen, ob er noch mit einer Antwort rechnen könne. Der Mönch atmete tief durch und sprach: „Du hast mich um Rat gefragt, und so soll es sein. Ich werde Dir mitteilen, was die Götter Dir ausrichten lassen.“ Meinem Freund schlug das Herz bis zum Hals. Der Mönch schaute ihm liebevoll lächelnd in die Augen und sprach: „Auch solche Dinge geschehen.“ Dann packte er eilig seine Sachen zusammen und verschwand. Das sollte es gewesen sein? Dafür war mein Freund diesem alten Mönch wochenlang hinterher gereist? Völlig frustriert und tief traurig ging er auf sein Hotelzimmer und schlief irgendwann an.

Am nächsten Morgen erwachte er auf merkwürdige Weise frisch und erholt. Und er erinnerte sich an die Worte des Alten: „Auch solche Dinge geschehen.“ Und plötzlich verstand er. „Ja natürlich“, dachte er, „das ist es! «Auch solche Dinge geschehen» … !“ Eilig und in einem Zustand höchsten Friedens und Glücks kehrte er umgehend nach Deutschland zurück, wo er ein buddhistisches Meditations-Zentrum aufbaute, das er bis heute betreibt.

Was war geschehen? Viel unspektakulärer hätte die Aussage des alten Mönches doch gar nicht mehr ausfallen können. Das hatte auch mein Freund zunächst gedacht. Doch plötzlich verstand er, dass all die Dinge, die im Universum geschehen – der Regen, die Sonne, die Wolken, das Blühen der Blumen, das Aufgehen des Mondes, Geburt und Tod, Liebe, Freude, Hass und Verzweiflung, Erhalt und Verlust – einfach geschehen. Sie geschehen, ohne dass dort irgendetwas zu erblicken sei, das mit uns „persönlich“ zu tun hätte. Es ist nicht „mein“ Sonnenaufgang, es ist nicht „mein“ Vollmond am Nachthimmel, und ebenso wenig ist es „meins“, wenn ein Mensch in mein Leben tritt, den ich liebe, und ebenso wenig ist es „meins“, wenn dieser Mensch wieder geht. „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen“ – weil die Zeit dafür da war. Dies in Liebe anzuerkennen ist liebevolle Annahme. Den Dingen zu erlauben, da zu sein.

Ja, was immer geschieht: «Auch solche Dinge geschehen» 🙂

Mit Metta

„Phra“ Michael

Götterdämmerung

Sonnenfinsternis_0569

Erhabene Stille des Nichts

Wo keine Sehnsucht

     und keine Hoffnung

     und kein Wünschen

sich berauscht

am Sein.

 

Und kein Suchen.

 

Traumloser Traum

nach Aufgabe des Letzten

Nur noch Nichts

Nichts im Norden, Nichts im Süden,

Nichts im Westen, Nichts im Osten

Nichts oben, Nichts unten

 

Zwischen „Jenes“ und „Ich“ nur Nichts

Durchdrungenheit

Ein letztes Schweigen

in der Gestorbenheit

Erhabene Belanglosigkeit

des Nennbaren

Fühlbaren

Spürbaren

 

Verschmolzen in umfassender Sinnlosigkeit

friedvoller Sinnlosigkeit

belebender Sinnlosigkeit

die keines Sinns entbehrt

Willkommenheißen

den Tod und Schmerz und das Verderben

die Liebe und Zärtlichkeit und die Geburt

und allem gleichzeitig ins Auge blicken

 

                  Entworden               

dem Schein des scheinbar Unscheinbaren

 

Angekommen im

„Nie gewesen und nie nicht gewesen“

Jenseits –

in den Abgrund gestürzt

– dem Erhabendsten alles Erhabenen –

und ganz tot.

endlich unendlich

nur für den Moment

oder für die Ewigkeit

Hurrah!

Der Buddha mit dem Puderzuckerhut :)

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So sah es gestern auf meinem kleinen Balkon aus. So sieht es eigentlich jedes Jahr irgendwann einmal auf meinem Balkon aus. Und jedes Jahr mache ich erneut ein Foto davon, weil dieser Anblick immer wieder auf’s Neue  mein Herz erwärmt.

Vielleicht ist es das Gefühl, absoluter und bedingungsloser Annahme, das der Buddha in solchen Momenten auszustrahlen scheint – er sitzt einfach da, sommers wie winters, unberührt von Hitze, Kälte, Schnee, Regen, Sturm und Hagel … Stund‘ um Stund‘ … gleichviel ob man ihn wahrnimmt oder nicht.

Es ist dies übrigens nicht der „historische“ Buddha Gautama, sondern der Amithaba Buddha (aus der chinesischen Ch’an-Tradition), der Buddha des „Reinen Landes„, der Buddha der unendlichen Liebe und des unendlichen Mitgefühls. Und es drängt sich die rhetorische Frage auf: „Wer voll von Liebe und Mitgefühl ist, kann einen solchen jemals frieren?“ Insoweit ist dieses Bild von einem besonderen Symbolcharakter, denn ist es nicht auch an uns, in einer oft sich so kalt und unerbittlich darstellenden Welt ein warmes Herz zu bewahren? Ein warmes Herz, das uns in die Lage versetzt, unseren Mitwesen von dieser Liebe und Wärme einen Großteil abzugeben? Ja, einen Großteil, denn wenn es uns gelingt, vollends in uns zu ruhen, dann sind wir in der Liebe und brauchen sie nicht mehr … wir brauchen nicht mehr die Liebe, nach der man gesucht hat, denn man hat die Liebe erlangt, die da ist. Kingt komisch, ist aber so 😉

Der vorherige Artikel handelte von „Wundern“, und hier möchte ich das Sätzlein bringen: „Liebe bewirkt Wunder.“ Und so wundert es mich nicht, wenn es buddhistischen Mönchen gelingt, im Schnee des Himalya „oben ohne“ und behängt mit nassen Tüchern zu meditieren. Wen die Liebe bis in die kleinste Körperzelle durchdringt, der kennt keine Kälte mehr.

Auf dass uns stets ein warmes Herz beschieden sei!

Es sendet Euch METTA – Namo Amidha Butsu _/\_

„Phra“ Michael

„Wunder“ – eine Entmystifizierung

Namasté 🙂

Auf dem „vivendo“ – Blog stieß ich auf ein Thema, das mich dazu animiert hat, ein paar Zeilen zu schreiben: Es geht um Wunder. Oder auch darum, ob man an Wunder glaubt.

Was ist ein Wunder? In dem besagten Artikel wird hierzu einmal wikipedia bemüht, wo es unter anderem heißt:

Im engeren Sinn versteht man darunter ein Ereignis in Raum und Zeit, das menschlicher Vernunft und Erfahrung und den Gesetzlichkeiten von Natur und Geschichte scheinbar oder wirklich widerspricht.

Kann ein Ereignis den Gesetzlichkeiten der Natur „wirklich“ widersprechen? Sicher nicht. Wie soll sich die Natur selbst widersprechen? Wie sollte ein Naturgesetz dem anderen zuwider laufen, es aber gleichzeitig bestehen lassen. Denkbar ist das nur ein einer einzigen Form: Den beiden scheinbar zuwider laufenden Gesetzmäßigkeiten liegt eine Gesetzmäßigkeit auf einer tieferen Ebene zugrunde, welches die beiden in seiner Tiefe vereint; es ist eine Ebene, auf der sich die beiden Phänomene gar nicht wirklich widersprechen. Es handelt sich lediglich um eine Ebene, die sich unserem menschlichen Verstand entzieht. In der Konsequenz dessen stimmt die o.g. Definition also nur teilweise, nämlich insoweit, als ein scheinbarer Widerspruch vorliegt.

Alles unterliegt der universalen Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung:

 Wenn dieses ist, wird jenes; wenn dieses entsteht, entsteht jenes;

wenn dieses nicht ist, wird jenes nicht;

wenn dieses aufhört, hört jenes auf.

(Buddha, Samyutta-Nikaya II.12.2)

 Ob und wie  nun etwas zum Entstehen gelangt, dazu mag Marie von Ebner-Eschenbach Auskunft geben, wenn sie über den Zufall sagt: „Zufall ist in Schleier gehüllte Notwendigkeit.“ Angewandt auf das Wunder bedeutet das: In dem Moment, da sich uns  ausnahmslos alle Naturgesetze erschlossen haben und gleichwohl dann etwas geschieht, das sich jeder Nachvollziehbarkeit entzieht, wird man es wohl ein „Wunder“ nennen können. Ich glaube aber nicht, dass das je der Fall sein wird, und zwar weder das Eine noch das Andere! Insoweit glaube ich nicht an Wunder; alles entspringt der kosmischen Insichstimmigkeit und so verwunderlich das manchmal auch sein mag, mit „Wunder“ hat es nichts zu tun, und schon gar nicht mit etwas „Übernatürlichem“ – es gibt gar nichts „Übernatürliches“, wir können manches nur nicht erklären.

Auf einer etwas anderen Ebene können wir aber von „Wundern“ auch sprechen, wenn wir den „Wahrscheinlichkeitsfaktor“ mit einbeziehen. Wenn etwas mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit und allgemeiner Lebenserfahrung“ nicht eintreffen wird, und es trifft doch ein, dann könnte man – gemäß einer etwas gelockerten Definition – von „Wunder“ sprechen. Wie wahrscheinlich aber ist etwas? Ist unsere allgemeine Lebenserfahrung das Maß der Dinge? Nur weil etwas als „unwahrscheinlich“ angesehen wird, ist es noch lange nicht unwahrscheinlich. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, dass aus kosmischer, universaler Sicht, auf der Ebene dessen, dass alles entsteht, weil die erforderlichen Umstände für das Entstehen vorlagen, jedes Entstehen gleich wahrscheinlich ist – ist es doch nur Konsequenz des Vorausgegangenen. Dinge können entweder zum Entstehen gelangen oder nicht. Wahrscheinlichkeitsrechnung ist vom Menschen gemacht, das ewige Werden und Vergehen hingegen von „Gott“.

Mir ist übrigens aufgefallen, dass der Begriff „Wunder“ immer mit etwas Positivem assoziiert wird. Nun, wenn ich es als „Wunder“ bezeichne, wenn etwas eintritt, womit niemand auf der Welt rechnen konnte, dann muss ich es auch als Wunder verstehen, wenn meinem Nachbarn ein Dachziegel auf den Kopf fällt. Ich stelle mir die Blicke der Umstehenden vor, wenn ich daneben stehe und ausrufe: „Oh, ein Wunder!“ Denn es ist ein „Wunder“, wenn man bedenkt, wie viele Bedingungen in den letzten 4,6 Milliarden Jahren (wenn man sich auf das Entstehen der Erde beschränkt) vorgelegen haben müssen, damit es zum Eintritt dieses Ereignisses kam. Daran sieht man, wie „menschlich“, wie „künstlich“ dieses Konzept „Wunder“ ist.

Wenn man nun fragt: „Glaubst Du an Wunder?“, dann würde vor dem Hintergrund des Gesagten diese Frage völlig sinnleer, denn übersetzt hieße sie: „Glaubst Du, dass Dinge geschehen können, mit denen nach allgemeiner Lebenserfahrung kein Mensch auf der Welt rechnen konnte?“ Fast jeder würde auf diese Frage wohl mit einem klaren „Ja“ antworten.

Spannend wird es in dem Moment, da wir die Frage stellen: „Können wir denn so etwas herbeiführen?“ „Können wir Wunder möglich machen?“ oder anders formuliert: „Haben wir Einfluss darauf, dass etwas zum Entstehen gelangt, obwohl nach allgemeiner Lebenserfahrung und dem ‚Gesetz der Wahrscheinlichkeit’ niemand auf der Welt damit rechnen konnte?“ Ich möchte diese Frage ebenfalls mit einem klaren „Ja“ beantworten. Aber anders gemeint, als dieses „Ja“ wohl gemeinhin ausgesprochen wird, nämlich nicht im Sinne eines „von oben Gemachten“, einer „göttlichen Intervention“. Heran ziehen möchte ich hierzu das Phänomen der „self-fulfilling prophecy“; hiernach können negative Dinge entstehen, wenn man nur fest genug davon überzeugt ist, dass sie geschehen. Dem zu Grunde liegt aber nichts weiter, als dass man durch sein Handeln immer tatsächliche Konsequenzen herbeiführt, das Geschehen um sich herum beeinflusst. Unbewusst öffnet man Türen, die das Entstehen von Ereignissen möglich machen (natürlich auch wieder nur als Folge von Ursache und Wirkung – mit etwas „Übernatürlichem“ hat auch das nichts zu tun) Das Unbewusste ist handlungsleitend, und so öffnen unser Handeln und unsere Wahrnehmungen wechselwirkend  besagte Türen. Warum soll das nicht auch für Positives gelten? Jeder kennt den Spruch: „Du musst nur fest daran glauben“, oder „Glaube versetzt Berge“. Das ist das „wesensgleiche Plus“ zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Und auf diese Weise können wir „«Wunder» möglich machen“.

Aber“, so heißt von Meike im  Artikel, „um ein Bewusstsein für diese Art von «Wundern» zu kreieren, ist es wichtig, dass Menschen überhaupt erst einmal aufwachen.“ Ja, absolut. Es gibt sie, diese „Wunder“, und es gilt, dahin aufzuwachen, in jeder Kleinigkeit, in jedem Grashalm, in jeder Ameise, in jedem vorbei fliegenden Kometen, in jedem Windhauch, in jedem Atemzug und jedem Herzschlag das „Wunder der Natur“, das Unbegreifliche, das Göttliche zu erkennen und … es zu lieben! Das ist eine Bedeutung von „Zur Liebe erwachen“! Wir brauchen kein Konzept wie „Wunder“, wir brauchen nur allumfassende Liebe und Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen; in dieser Liebe öffnen wir uns ganz von allein all dem, was geschehen kann und machen es damit möglich; was dann schlussendlich geschieht, können wir getrost „den Göttern“ überlassen – es wird in jedem Fall „gut“ sein. Und wieder komme ich auf Dschelalleddin Rumi: „Liebe, nur Liebe – wir haben sonst kein Werk!“

Ich also glaube nicht an Wunder, jenes künstliche Konzept, das uns Menschen eine Art Hoffnung geben kann (und zudem die Gefahr in sich birgt, tatenlos zu werden, denn „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen [Zarah Leander]“).

Aber ich „glaube“ an Wunder im Sinne eines Staunens vor der unermesslichen Vielfalt und Insichstimmigkeit kosmischen Werdens und Vergehens, „jenseits von Gut und Böse“. An diese Wunder muss man nicht glauben, die kann man sehen, wenn man mit dem Herzen schaut. Und wer mit liebendem Blick auf diese Wunder schaut, schaut die Liebe selbst. Und ein solcher erschafft Wunder, und ein solcher erschafft Liebe!

Und auch, wenn da niemand oben im Himmel oder sonst wo sitzt, der sich irgendetwas „ausdenkt“, möchte ich doch mit dem Kommentar von Steffie unter dem besagten Artikel schließen, weil ich ihn so schön einfach und treffen fand (und auch vor meinem Fenster der Schnee tobt):

„Ich denke, wenn wir in allem, was wir sehen, ein Wunder sehen, werden wir bewusster für alles um uns herum. Gerade sehe ich zum Fenster hinaus und es schneit schon wieder ganz heftig – und ich denke so bei mir, welch ein Wunder doch Schneeflocken sind – keine einzige gleicht der anderen und jede einzelne bildet einen traumhaft schönen Kristall. Und obwohl ich weiß, wie eine Schneeflocke entsteht, empfinde ich sie doch immer wieder als Wunder – dass sich überhaupt jemand etwas so Schönes ausdenken kann!“

 Metta sendet von Herzen

„Phra“ Michael

Die Zeit hat mich überholt …

Mal ganz unbuddhistisch – aber vielleicht einfach mal nur menschlich

Es ist der 2. Januar, und es scheint, als habe die Zeit mich überholt.

"Verfall"

„Verfall“

Da war Weihnachten, da war Silvester und Neujahr … und irgendwie … zog es an mir vorüber … und ist jetzt schon nicht mehr wahr – so wie alles, was war.

Ich habe mir Vieles im www zu Gemüte geführt in den letzten 10 Tagen: Weihnachtswünsche, „Guten-Rutsch“-Wünsche, Neujahrswünsche, schöne Musik, traurige Musik, besinnliche Musik, tolle Bilder, bei denen sich die Menschen richtig was gedacht haben … auf facebook, auf diversen Blogs, in privaten Mails … Interessante Dinge las ich dort, Fröhliches, Erbauliches, Trauriges, Nachdenkliches …

Doch in diesem (respektive letzten) Jahr … kam von mir … nichts. Ok, fast nichts.

Wie jedes Jahr wollte ich einen Newsletter schreiben und einen Artikel – mindestens einen – auf meinem Blog (schließlich mein erstes Weihnachten und Jahreswende mit einem eigenen Blog …), mit vielen tiefen und auch liebevollen Gedanken zum Thema Weihnachten oder Jahreswechsel, Dinge zum ständigen Geborenwerden von Moment zu Moment, zum Jetzt-Sein, zu Shiva, dem Gott der Zerstörung und des Neubeginns und auch zur Illusion der Zeit … ja, die Illusion der Zeit … und nun hat sie mich überholt – ausgerechnet sie. Meine  Weihnachtsmails, Weihnachtskarten (auch virtuelle), meine lieben Wünsche zum neuen Jahr und vieles mehr sind untergegangen im gnadenlosen samsara von Arbeit, Hektik, Kranksein, Behördenkram, Zeit mit der Familie verbringen, Lernen für meine Prüfung im März und so weiter und so fort.

Und nun? Nun ist der 2. Januar – und es ist zu spät für all das Schöne, Tiefe, Liebevolle, das ich mit-teilen wollte. Erledigung durch Zeitablauf, so nennt es der Jurist in seiner wundervoll trockenen Art. Ich nenne es: Die Zeit hat mich überholt! Und es schmerzt den Buddhisten tief in seiner Brust, ein solches Wörtlein zu sagen …

Und doch: Vielleicht war es einfach einmal Zeit, nichts zu sagen. Vielleicht war, wie ich die „Heilige Zeit“ und den Jahreswechsel erlebte, nichts weiter als eine symptomatische Erlebniswelt, die zeitigt, wie – bei allem X-Mas und Gedöns – die Dinge einfach weiterlaufen … halt von Moment zu Moment. „Nun hat uns der Alltag wieder“, hört man oft. Ich bin ihn die ganze Zeit nicht losgeworden – – – eine Chance? Vielleicht war ich in diesem Jahr dadurch dem Obdachlosen auf der Straße ein Hauch weit näher – denn auch er kann seinem Alltag nicht entfliehen, nicht an Weihnachten, nicht an Silvester. Und vielleicht war es das, was die „Feiertage“ mich in diesem (respektive letztem) Jahr lehren wollten: „Du wirst den Geruch der Straße nicht los!“ Die Dinge sind, wie sie sind – am 23.07. ebenso wie am 24.12. oder 01.01. – alles andere ist … Trugschluss.

Doch unbeschadet all des macht es mich … traurig … wie es dieses Jahr gelaufen ist – so ohne Weihnachtsstimmung und all dem. Vielleicht weil ich das Gefühl habe, dass ein weiteres Mal ein Stück meiner Kindheit zu Grabe getragen wurde … ein Stück einer schönen Illusion … die Sehnsucht welche auch ich mir als praktizierender Buddhist einfach einmal herausnehme, und die ich nicht loslassen kann, noch will! Die Sehnsucht nach einer heilen, liebevollen Welt.

Aus einer überholten Zeit wünscht Euch, schöne Weihnachten verbracht zu haben und ein glückliches neues Jahr.

„Phra“ Michael

PS: Ich erfuhr heute auf der Arbeit, dass ein sehr lieber Arbeitskollege in der Silvesternacht einem Herzanfall erlegen ist, den er tags zuvor erlitten hatte – mit 31 Jahren. *seufz* – auch solche Dinge geschehen. R.I.P.