Die Zeit hat mich überholt …

Mal ganz unbuddhistisch – aber vielleicht einfach mal nur menschlich

Es ist der 2. Januar, und es scheint, als habe die Zeit mich überholt.

"Verfall"

„Verfall“

Da war Weihnachten, da war Silvester und Neujahr … und irgendwie … zog es an mir vorüber … und ist jetzt schon nicht mehr wahr – so wie alles, was war.

Ich habe mir Vieles im www zu Gemüte geführt in den letzten 10 Tagen: Weihnachtswünsche, „Guten-Rutsch“-Wünsche, Neujahrswünsche, schöne Musik, traurige Musik, besinnliche Musik, tolle Bilder, bei denen sich die Menschen richtig was gedacht haben … auf facebook, auf diversen Blogs, in privaten Mails … Interessante Dinge las ich dort, Fröhliches, Erbauliches, Trauriges, Nachdenkliches …

Doch in diesem (respektive letzten) Jahr … kam von mir … nichts. Ok, fast nichts.

Wie jedes Jahr wollte ich einen Newsletter schreiben und einen Artikel – mindestens einen – auf meinem Blog (schließlich mein erstes Weihnachten und Jahreswende mit einem eigenen Blog …), mit vielen tiefen und auch liebevollen Gedanken zum Thema Weihnachten oder Jahreswechsel, Dinge zum ständigen Geborenwerden von Moment zu Moment, zum Jetzt-Sein, zu Shiva, dem Gott der Zerstörung und des Neubeginns und auch zur Illusion der Zeit … ja, die Illusion der Zeit … und nun hat sie mich überholt – ausgerechnet sie. Meine  Weihnachtsmails, Weihnachtskarten (auch virtuelle), meine lieben Wünsche zum neuen Jahr und vieles mehr sind untergegangen im gnadenlosen samsara von Arbeit, Hektik, Kranksein, Behördenkram, Zeit mit der Familie verbringen, Lernen für meine Prüfung im März und so weiter und so fort.

Und nun? Nun ist der 2. Januar – und es ist zu spät für all das Schöne, Tiefe, Liebevolle, das ich mit-teilen wollte. Erledigung durch Zeitablauf, so nennt es der Jurist in seiner wundervoll trockenen Art. Ich nenne es: Die Zeit hat mich überholt! Und es schmerzt den Buddhisten tief in seiner Brust, ein solches Wörtlein zu sagen …

Und doch: Vielleicht war es einfach einmal Zeit, nichts zu sagen. Vielleicht war, wie ich die „Heilige Zeit“ und den Jahreswechsel erlebte, nichts weiter als eine symptomatische Erlebniswelt, die zeitigt, wie – bei allem X-Mas und Gedöns – die Dinge einfach weiterlaufen … halt von Moment zu Moment. „Nun hat uns der Alltag wieder“, hört man oft. Ich bin ihn die ganze Zeit nicht losgeworden – – – eine Chance? Vielleicht war ich in diesem Jahr dadurch dem Obdachlosen auf der Straße ein Hauch weit näher – denn auch er kann seinem Alltag nicht entfliehen, nicht an Weihnachten, nicht an Silvester. Und vielleicht war es das, was die „Feiertage“ mich in diesem (respektive letztem) Jahr lehren wollten: „Du wirst den Geruch der Straße nicht los!“ Die Dinge sind, wie sie sind – am 23.07. ebenso wie am 24.12. oder 01.01. – alles andere ist … Trugschluss.

Doch unbeschadet all des macht es mich … traurig … wie es dieses Jahr gelaufen ist – so ohne Weihnachtsstimmung und all dem. Vielleicht weil ich das Gefühl habe, dass ein weiteres Mal ein Stück meiner Kindheit zu Grabe getragen wurde … ein Stück einer schönen Illusion … die Sehnsucht welche auch ich mir als praktizierender Buddhist einfach einmal herausnehme, und die ich nicht loslassen kann, noch will! Die Sehnsucht nach einer heilen, liebevollen Welt.

Aus einer überholten Zeit wünscht Euch, schöne Weihnachten verbracht zu haben und ein glückliches neues Jahr.

„Phra“ Michael

PS: Ich erfuhr heute auf der Arbeit, dass ein sehr lieber Arbeitskollege in der Silvesternacht einem Herzanfall erlegen ist, den er tags zuvor erlitten hatte – mit 31 Jahren. *seufz* – auch solche Dinge geschehen. R.I.P.

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Ein Kommentar

  1. Lieber Michael,
    ich nicke innerlich immer wieder beim Lesen deines Blogeintrags. Er schwingt in mir nach, mit einem angenehmen Gefühl der Vertrautheit. Ja, die Dinge sind wie sie sind…Dir wünsche ich auch ein gutes 2013 (falls ich das nicht schon in einem anderen Kommentar getan habe ;))!

    Antwort

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