– ohne worte –

Er saß einfach nur da. Den Rücken gerade aufgerichtet, die Beine gekreuzt; die Hände ruhten in seinem Schoß. Regungslos wie eine Buddha-Statue. Fast wie in einem Stupor, und doch hellwach dabei und sich bewusst, dass er sich bewegen könne, wenn er wolle. Doch da war kein Wollen. Da war nichts.

 Er saß da, und hatte das Gefühl, jede einzelne seiner Körperzellen gleichzeitig empfinden zu können, jede Sehne, jeden Muskel, jeden Knochen, jeden Strom, jeden elektrischen Impuls in diesem Körper. Diesem Körper, den er nicht als „seinen“ erfuhr, sondern nur als „seiend“. Völlige Stille und Leere. Selbst, wenn ein Gedanke aufblitzte, sah er nur das Entstehen und das, was aus ihm heraus entstand – und verging.

 Überhaupt erfuhr er alles nur noch als ein Werden und Vergehen. Erfuhr er alles nur noch als Geräusch, als Duft, als Empfindung, als Geschmack, als Gefühl, als Gedanken – hinter all den einzelnen Wahrnehmungen war – – – Leere. Leere, in die er hinein zu schmelzen schien. Jeder Atemzug nur eine Bewegung innerhalb der Bewegung des Kosmos – gleich einem Streichholz, das inmitten eines brennenden Holzscheits sich entzündet.

 Das Leben in ihm war nicht er und nicht getrennt von ihm. Nichts war er, und nichts war getrennt von ihm. Bis ihm war, als sei er „selbst zu einem Verb geworden“. Da war nur noch „denken“, „atmen“, „empfinden“ … Abläufe im leeren Raum – einem raumlosen Raum. In einer grenzenlosen Harmonie, die ihn erfüllte – – – aber nicht mit Freude (über diesen Zustand war er hinaus), sondern mit nichts. Sie erfüllte ihn einfach nur, wie ein Odem, der ihm schenkte, was wir „Leben“ nennen.

 Angst befiel ihn von Zeit zu Zeit. Inmitten jener unübertroffenen Infriedenheit – – – Todesangst. Er ließ sie sein. Es war nur „fühlen“. Doch niemand da, der „fühlte“. Da war „lächeln“, doch niemand da, der lächelte. Und auch niemand da, der Frieden empfand, und niemand da, der sich darüber bewusst wurde, sondern nur „sich bewusst sein“.

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