Übers Loslassen, Liebevolle Annahme und den „Kontrollfreak“

Ich möchte nach einer langen Blog-Pause heute einmal einen Artikel aus dem wirklichen Leben posten, nämlich eine Korrespondenz mit einem meiner Schüler, der eine Mail mit  sehr wichtigen Fragen stellte, die die buddhistische Vipâssana-Meditation angehen. Insbesondere geht es um das Thema „Loslassen“ und „Liebevolle Annahme“, Nicht-Ich (anatta) und den „Kontrollfreak“ in uns. Da diese Themen ganz fundamental für Meditation und Alltag sind, möchte ich sie mit der Öffentlichkeit teilen (schwarz sind die Fragen, lila meine Antworten).

Damit Ihr folgen könnt und wisst, worum es geht, hier noch einmal der BLESSED-Kreis, den es gilt, sowohl in der Meditation als auch im Alltag unablässig zu durchlaufen, sobald man merkt, dass man nicht „im Hier und Jetzt ist“. (Näheres zu diesem Kreis findet Ihr hier auf diesem Blog)

 BLESSED

 

Es begann mit einer Schilderung, wie F. (für Fragender) mit einigen schwierigen Alltagssituationen umgeht, indem er den BLESSED-Kreis durchläuft. Meine Antwort hierzu war:

 Es ist Klasse, wenn es Dir gelingt, den BLESSED-Kreis in solchen Momenten zu durchlaufen; denke nur auch immer daran, dass BLESSED keine „Schmerztablette“ ist. Betrachte, was in Dir geschieht, und was immer es ist, VERSUCHE NICHT ES LOSZUWERDEN. Versuche, es zu verstehen. Lass es da sein und betrachte ganz genau, wie (aus alter Gewohnheit heraus) Du dazu tendierst, Dich mit den Emotionen zu identifizieren. Schau, welche Gedanken durch sie ausgelöst werden, und welche Gedanken sie umgekehrt  auslösen – papanca! Schau, wie es sich körperlich anfühlt. Betrachte Deinen inneren „Kontrolleur“, der Dir sagen will, dass die Dinge anders zu sein haben, als sie sind, nämlich so, wie „er“ es will und für richtig hält. Und betrachte einmal dieses „er“ … und gehe dem auf den Grund, was „er“ ist. Nicht intellektuell, sondern durch Beobachtung. Und versuche ebenfalls nicht, diesem „er“ den Mund zu verbieten. Hör Dir LIEBEVOLL an, was er zu sagen hat … diskutiere nicht mit ihm, lass ihm seine Meinung – er kann nicht anders als so zu denken, wie er denkt. Aber wie er denkt, fügt Dir mentalen Schmerz zu – verzeih ihm dafür. Verzeih ihm aus dem Verständnis und der Einsicht heraus, WAS „er“ ist. Nimm ihn in den Arm und nimm ihn liebevoll an.
„Er“ wird sich fast zwangsläufig dagegen wehren, weil „er“ das Gefühl hat, nicht ernst genommen zu werden. Gestehe es ihm zu, hab Mitgefühl mit ihm. „Er“ wird Dich bombadieren mit Zweifeln – über Deine ganze Praxis. Lass ihn! Es ist ok! Vergib ihm, nimm ihn liebevoll in den Arm, schließe ihn in Dein Herz – mitfühlend und verständnisvoll.

Im Folgenden nun die Antwortmail von „F.“ und meine unmittelbaren Antworten:

Ich verstehe, dass der BLESSED-Kreislauf nicht als Schmerztablette einzusetzen ist, mit dem man die leidvollen Gedanken bzw. Emotionen eliminiert. Es geht darum, diese leiderzeugenden Vorgänge als solche zu erkennen und zu verstehen, nach welchen alten Mustern der eigene Geist arbeitet.

Hmmmm … Ja. Und Nein *smile*

Es geht darum klar zu sehen, dass da zunächst überhaupt erst einmal nur Vorgänge, Abläufe und Prozesse (erst im „Außen“ [Geräusch trifft auf Ohr], dann  in der Folge in uns [das Geräusch „kommt uns zu Bewusstsein“]) stattfinden.

 Wir befinden uns also im Bedingten Entstehen: Sinnesreiz + Sinnenbewusstsein sind Grundlage für das Entstehen von behaglichem oder unbehaglichem (oder neutralem) Gefühl; behagliches oder unbehagliches (und eigentlich auch neutrales) Gefühl ist die Voraussetzung für das Entstehen für Begehren; Begehren  ist die Voraussetzung für das Entstehen von Anhaftung.

Bis zum Begehren inklusive handelt es sich nicht um Muster im psychologischen Sinne, sondern um reine neurologische Vorgänge gemäß dem Reiz-Reaktions-Schema, also Reizübertragungen.

Dann erst – ab dem Anhaften – erkennen wir, wie aus einem unpersönlichen neurologischen Reiz plötzlich das entsteht, was wir Leid nennen. Leid ist das, was entsteht, wenn wir aus einem unpersönlich entstandenen Gefühl eine persönliche Story machen, indem wir

1 . über das entstandene Gefühl und über das, was es ausgelöst hat (und einiges mehr) nachdenken und

2 . diesem entstandenen Gefühl einen Namen geben, nämlich „Wut“, „Trauer“ u.s.w.; auf diese Weise wird aus einem real entstandenen Gefühl ein Konzept, also etwas Nicht-existentes!!! Dieses Konzept können wir in unser Selbst-Konzept integrieren. Da es dann als zu uns gehörig interpretiert wird, denken wir wiederum darüber nach.

Zudem sehen wir, wie in der Anhaftung aufgrund der gedanklich-emotionalen Beschäftigung  mit dem Gefühl Feedbacks entstehen, also zB neue Gedanken, die dann neue Gefühle auslösen und wieder Begehren, welches selbst als Spannung (= unangenehme Körperempfindung) wahrgenommen wird und darüber wieder zu Gefühlen führt und so weiter und so fort. Diese gesamten Feedbacks nennt der Buddhismus „papanca“.

Und wir sehen, dass wir auf all diese Vorgänge in ihrem ersten Entstehen keinen Einfluss haben. Der Versuch, Einfluss zu nehmen (nämlich in erster Linie auf das Gefühl), kommt erst im Rahmen der Anhaftung zum Tragen. Die Anhaftung ist also – wenn man so will – unser „Problemlösemodus“. Wir versuchen, über unsere Gedanken das Gefühl zu beseitigen, verstärken es aber nur, indem wir ihm Aufmerksamkeit schenken. Und da sitzen auch die alten (psychologischen) Muster: Wir glauben, durch Nachdenken und Analyse die Kontrolle über die Ursache des unangenehmen Gefühls gewinnen zu können. Das ist der „Kontrollfreak“ in uns. In der Realität aber können wir nur einen Bruchteil dessen, was uns unangenehmes Gefühl beschert (oder angenehmes Gefühl „wegnimmt“) kontrollieren. In der vipâssana-Meditation lassen wir diesen Kontrollfreak so zu sagen ins Lehre laufen – wir reagieren nicht auf ihn, sondern lassen die Dinge, gegen die er sich auflehnt, auf sich beruhen.

Während die „papanca“ im Rahmen des Bedingten Entstehens vom Anhaften aus gesehen „rückwärts gewandt“ sind, erkennt man im weiteren Verlauf des Bedingten Entstehens nach dem Anhaften (also „vorwärts gewandt“), wie unser Selbstkonzept entsteht und dieses Konzept unterhalten und gestärkt wird. Hier (erst) kommen die alten Muster zum tragen, gemäß welcher wir auf bestimmte Situationen immer nach dem gleichen Prinzip re-agieren. Re-agieren, weil unser Handeln aufgrund der alten Muster automatisch abläuft, in Abgrenzung zu einem Agieren, welches wissensklar (vgl. das Satipatthâna-Sutta) einzig dem gegenwärtigen Moment Rechnung trägt. Dies stets gleiche Handeln erweckt in uns den Eindruck einer Stabilität, von etwas Statischem, eines unveränderlichen „ICH“. Nach welchen alten Mustern genau der Geist arbeitet spielt eine nur untergeordnete Rolle; entscheidend ist, DASS es nur Muster sind und wie sich das auf uns auswirkt, nämlich in der Illusion eines substanziellen „ICH“ (welches zusätzlich genährt wird durch die Identifikation mit dem Körper, den Gefühlen … kurz: den 5 Aggregaten).

Mir scheint es, als hätte AKZEPTANZ eine Schlüsselfunktion. Es geht darum, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie nunmal jetzt sind und nicht zu versuchen sie loszuwerden.

Ja, in der Tat. Indem wir versuchen, sie los zu werden, schenken wir ihnen Aufmerksamkeit und Energie – dadurch verstärken sie sich. Im Japanischen gibt es den etwas martialischen Ausdruck „Töten durch Nichtbeachten“ (weiß leider nicht mehr, wie es auf Japanisch heißt *smile*); das ist in etwa, was hier geschieht. Mit einer Besonderheit (und dies ist wirklich ganz fundamental für die gesamte buddhistische Lehre): Was lassen wir los? Nur die Gedanken an das Ereignis, nicht das Ereignis selbst. Warum? Weil wir ein Ereignis nicht loslassen KÖNNEN. Ein Schmerz, Geräusch, Duft … ist da. Das resultierende Gefühl … ist da. Das resultierende Begehren … ist da (erst in den höchsten meditativen Zuständen kann die Kette des Bedingten Entstehens bereits an einer dieser Stellen durchschnitten werden)

Ich denke, dass dem „Er“, von dem du sprichst, dadurch der Wind aus den Segeln genommen wird, da man auch das ganze Negative im jetzigen Moment annimmt und akzeptiert. 

Das Negative im jetzigen Moment Annehmen entspricht genau diesem oben beschriebenen Vorgang. Loslassen (und den Kontrollfreak „vor die Wand laufen lassen“ *smile*) IST gewissermaßen Liebevolle Annahme.

Ich habe das „Loslassen“ im BLESSED-Kreislauf in einigen Situationen falsch interpretiert im Sinne von „Nun lass es endlich los!“

Das ist in der Tat falsch interpretiert *smile*

Vielmehr ist damit wohl das Akzeptieren aber gleichzeitig NICHT Anhaften gemeint. 

Ok, also: Loslassen ist das diametrale Gegenstück zum Anhaften. Das bedeutet: Wenn Anhaften das gedanklich-emotionale Sich-verwickeln-lassen in ein Ereignis ist, dann ist Loslassen eben das Nichtweiterdenken jenes Ereignisses. Mehr steckt nicht hinter dem vielgerühmten Loslassen. Die einfache Formel:

Loslassen ≙ Liebevolle Annahme ≙ Infriedenheit / Anhaften ≙ Widerstand ≙ Leid

Ich habe in letzter Zeit im Alltag häufig BLESSED angewendet. Habe im Anschluss immer noch einen Metta-Wunsch in mir zum entstehen gebracht. Gerade „Möge mein Geist ruhig und friedvoll sein“ erzeugt in mir gleich eine leichte Entspannung.

Das ist auf jeden Fall gut und richtig 🙂

Aber wenn ich das Gefühl von innerem Frieden und Lächeln in mir erzeuge lasse ich beispielsweise dem Gefühl „Angst“ oder „Wut“ weniger Platz in mir. Ist es nicht so, dass ich diese Gefühle dann im gewissen Maße verdränge und ihnen nicht ausreichend Platz einräume? Das widerspricht in meinen Augen dem Denkansatz „Wut ist da. Hey, es ist o.k.!! Wut darf das sein.“ Andererseits kann es ja auch nur gut sein, wenn ich über den Metta-Wunsch mehr Gelassenheit in mir verspüre…..!?

Nein, Du verdrängst gar nichts. Weil Du das Gefühl der Wut selbst ja gar nicht anlangst. Verdrängung bedeutet „Ins Unbewusste verschieben und verhindern, dass es wieder hervortritt“. Das geschieht, wenn man unmittelbar nach dem Feststellen eines negativen Gedanken zum Meditationsobjekt zurückkehrt und sich auf das Meditationsobjekt fokussiert und absorbiert. Wir hingegen machen uns im BLESSED einen Mechanismus des Gehirns zunutze: Beobachte einmal, was geschieht, wenn Du von einem Gedanken fortgetragen worden bist und Dir dessen bewusst wirst. Was geschieht in der Sekunde, da Du diesem Gedanken Auge in Auge gegenüberstehst? Der Gedanke kommt  für einen Augenblick zum Stoppen und die Aufmerksamkeit sucht sich etwas anderes, womit sie sich beschäftigen kann. Dies ist immer das Naheliegendste, was eben da ist, und zwar irgendetwas, was sich „bewegt“ im Sinne von verändert. In diesem Atemzuge kommt die Aufmerksamkeit ganz leicht und fast von allein wieder in den gegenwärtigen Moment und zieht sich von dem Gedanken zurück. Das geschieht – noch einmal – NICHT durch eine Aktion des Praktizierenden, sondern durch das alleinige Sichbewusstwerden des „Nicht auf dem Meditationsobjekt Seins“.

Das Entspannen und Lächeln hilft dabei (in der Art einer reziproken Hemmung), dass die negativen Gedanken erst einmal nicht wieder auftreten. Sitzen sie aber tief, werden sie trotzdem wiederkommen … und irgendwann sich auflösen. DANN sind sie verarbeitet.

Zudem motiviert das Entspannen und Lächeln dazu, dem alten Muster des „dem Gedanken Nachgebens und Weiterdenkens“ (= Anhaftens) nicht zu folgen, da der Organismus merkt: „Aha, es fühlt sich viel besser an, NICHT anzuhaften“ – das ist positive Konditionierung durch Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn.

In der vipâssana-Meditation lernen wir also systematisch, nicht anzuhaften. Das Aufgeben des Anhaftens ist aber eine enorm schwierige Übung, eben weil unsere alten Muster alte und eingefahrene Muster sind, die ja selbst auch Objekt der Anhaftung sind – indem wir uns mit ihnen identifizieren. Daher hat der Buddha als Grundlage des Aufgebens des Anhaftens die (zunächst rationale) Erkenntnis von Nicht-Ich (anatta) gesetzt. Denn diese Erkenntnis hebelt auch den letzten Widerstand aus. Selbst der verzweifeltste Depressive, der da sagt: „Das bringt doch alles nichts! Ich kann nicht loslassen! Ich bin und bleibe traurig!“ wird diese Ansicht aufgeben, wenn er sieht, dass dies nichts weiter als Ansichten sind, entstanden aus „papanca“, und die wiederum aus völlig unpersönlichen Vorgängen. Es steckt niemand „hinter“ diesen Ansichten – es sind nur bedingt entstandene Gedanken, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Auf diese Weise wird er sich fragen: „WER leistet denn da Widerstand? WER ist denn da traurig? WER zweifelt denn da an der Lehre des Buddha? Es ist niemand zuhause. Ich kann Kummer, Klage, Sorge, Leid, Trübsal und Verzweiflung einfach loslassen, weil da unterm Strich niemand ist, der all das empfindet.“

Mmh, das ist mit so einem westlichen Gehirn echt nicht leicht zu verstehen! 😉 Man ist bis jetzt häufig darauf bedacht gewesen, sich vor negativen Gedanken und Emotionen zu schützen und jetzt soll man genau diese leidbringenden Objekte akzeptieren.

Noch einmal: Wir akzeptieren zunächst nicht die Erscheinungen, sondern unsere Reaktion auf sie, erkennen sie als Nicht-Ich, als reine Reaktions-Muster, die unser Leid erschaffen. Erst in der Konsequenz schließen wir Frieden mit den Erscheinungen, weil wir dann nämlich erkennen, dass es nicht die Erscheinungen sind, die uns Leid zufügen, sondern unsere Reaktion auf die Erscheinungen. Und die können wir loslassen, denn sie sind ja nicht ICH.

Ich meine langsam zu verstehen, dass sie sich genau dadurch auflösen, da der Geist irgendwann keine Lust mehr hat, wenn man nicht ständig mit ihm diskutiert und versucht zu widersprechen. 

Hahaha …. Darauf würde ich mich nicht verlassen ;). Zunächst einmal diskutieren wir ja nicht mit unserem Geist. Das hieße den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Wir beachten ihn einfach nicht mehr, wenn er „zickt“ oder böse oder eifersüchtig wird. Es ist für uns in dem hohen Stadium der Erkenntnis von Nicht-Ich, als würde sich all das, was sich in unserem Geist abspielt, auf einer Kinoleinwand abspielen – ich kann es wahrnehmen, aber es ist nur ein Film. Der Mörder, der aus der Kinoleinwand heraus auf mich schießt, kann mich nicht verletzen. Wir brauchen also nicht den Filmprojektor zu zerstören; es reicht völlig aus, den Film als das zu würdigen, was er ist: Ein Film. Ebenso verfahren wir mit unserem Geist. Lass den Film einfach laufen … macht doch nichts. Im Gegenteil: Auf diese Weise kann sogar ein Krimi oder Drama oder Ähnliches erheiternd sein. Und das wollte der Buddha! Schau Dir mit freudvollem und heiterem Interesse an, was sich in Deinem Oberstübchen abspielt – und mach Dir nichts draus (sprich: Mach nicht mehr daraus als es ist, nämlich ein Film).

Ich hoffe, Ihr konntet ein wenig aus diesem Artikel für Euch und Eure Meditation herausziehen.

Von Herzen sendet Euch METTA & SMILES

„Phra“ Atishakaro (Michael) _/\_

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8 Kommentare

  1. Lieber Atishakaro,
    das ist eine große Arbeit, die Du da mit Deinem Schüler bewältigt hast und nun so schön nachvollziehbar den WEG zum Loslassen allen zugänglich machst! Glückliches Dhamma mög über euch beide rieseln!
    Manchmal kann ich nicht so viel Konzentriertes auf einmal lesen, vielleicht wäre es eine Möglichkeit, die Essenz und die Kernsätze formuliert voranzustellen?
    Das würde meinem Geist helfen, noch besser zu landen.
    – – – Mögest Du weiterhin umgeben sein von Metta und Smilies! Und danke für Deine schönen Beiträge, bitte nicht wieder so viel Zeit verstreichen lassen!
    In Verbundenheit
    Ananda

    Antwort
    • Ich grüße Dich herzlich, Bruder Ananda, und danke Dir für Deine lieben und wundervollen Worte! Sadhu _/\_

      Ach … ja … ich weiß ja … Du bist nicht der Erste, der mich darauf hinweist, dass ich in meinen Texten zuviel Info auf zu wenig Raum packe, und das trotz der (Über)länge meiner Texte. Ich muss mich ja sogar selbst konzentrieren, wenn ich meine Texte hinerher noch einmal lese, um sie zu verstehen 😀 Daran sollte ich wirklich mal feilen – oder vielleicht die endlich mein Buch in die Endfassung bringen; da kann man dann etwas lesen, es weglegen, dann wieder ein bisschen lesen … wenn man im Internet liest, tendiert man ja eher dazu, einen Text ganz zu lesen. Dann nehme ich mal als 9. precept hinzu: „Ich gelobe, mich darin zu üben, künftig kurze und einfach verständliche Texte zu posten.“ 😀

      Auch Du, Ananda, mögest begleitet sein vom Geist der METTA.
      Keep smiling – smiling makes your mind uplifted 🙂

      „Phra“ Atishakaro

      Antwort
  2. Schön, Michael, wirklich aufschlussreich und genau das, woran ich auch arbeiten muss. Ich muss allerdings gestehen, dass ich den Text wegen der Länge nur „überflogen“ habe. Erinnerst Du Dich noch an unser Gespräch in Münster? Nun, was die Länge der Posts angeht, schlägst Du mich – um Längen … 😉
    Liebe Grüße und schönes Wochenende!
    Stefanie

    Antwort
    • JAHAAAAAA! *LAAAACH*
      Nee im Ernst – wie ich Ananda schon schrieb, ich werde mich da mal drin üben, mich kürzer zu fassen.

      Umso mehr freue ich mich, dass Dir der Text ein wenig Erbauung geschenkt hat 🙂 Tja, Stefanie, ich kann Dich beruhigen: Damit stehst Du nicht allein, dass Du daran noch arbeiten „musst“. Ich fürchte, vor dieser Aufgabe stehen annähernd 100% der Weltbevölkerung. Aber weißt Du was? Wir gehören zu den Wenigen, die sich dieser Aufgabe stellen 😀 Das ist doch toll, oder?

      Ich hoffe, es geht Dir gut und wünsche Dir schöne und friedvolle Herbsttage.

      Mit METTA & SMILES
      „Phra“

      Antwort
      • Ja, Michael, es ist schon toll, dass wir erkannt haben, dass wir uns der Aufgabe stellen „sollten“. Manchmal aber auch ganz schön lästig … und dann wieder unendlich erfreulich und befriedigend … Ja, alles bestens, danke der Nachfrage, viieel zu tun und zu entscheiden … Hoffe, Dir geht es auch gut … Ich wünsche Dir ebenfalls friedvolle Herbsttage!
        Herzliche Grüße von Stefanie

  3. toll! vielen dank für das einstellen. genau solche texte helfen mir. meinen weg der meditation bin ich vorrangig alleine gegangen, ohne festen lehrer, ohne feste meditationsform. dabei bin ich vielen schwierigkeiten begegnet, was einen immer noch laufenden anpassungsprozess hervorgerufen hat, mit vielen erkenntnissen und erfahrungen. einige dieser erfahrungen finde ich in deinem beitrag hier wieder. wie z.b. dass das anschauen von dem was gerade ist automatisch zu einem loslassen führt, was automatisch wieder zu einer aufmerksamkeit woanders führt usw.. das hast du schön beschrieben.
    zum verständnis eine frage. vipassana-meditation wird ohne meditationsobjekt, wie z.b. atem und so praktiziert?
    dieses anschauen was ist, hat in der vergangenheit bei mir dazu geführt, dass ich in das was ist hineingegangen bin, nur noch das war, also festgehalten habe (ich wusste es nicht besser). ich erzähl das sehr gebündelt. das hat dazu geführt, dass ich teilweise nicht mehr in meinem körper war und in meiner persönlichkeit einen verlust von mir selbst erlebte. keinen boden mehr. keine identität mehr. die welt wurde mir fremd. mich hat da gott sei dank jemand mit den richtigen informationen versorgt und nun hilft es mir, in der meditation immer wieder zu einem ich-gefühl, ich-im-körper-gefühl zurückzukehren. das alles ist wahrscheinlich nicht im sinne von vipassana? nach meinem gefühl, benötige ich erstmal diesen festen standpunkt, die verankerung, um mich dann von dort aus wieder mehr dem fluss übergeben zu können, ohne das er mich fortreißt.

    Antwort
    • Ich grüße Dich, liebe Sophie, und freue mich, dass Dir der Artikel etwas Erbauung und Klarheit in den manchmal etwas undurchsichtigen „meditativen Dschungel“ gebracht hat 🙂
      Zu Deinen Fragen:
      * „Vipâssana“ bedeutet ja zunächst einmal nur Einsicht; vipâssana ist mithin keine Meditationsmethode, sondern eher eine Bezeichnung dafür, worum es in der so praktizierten Meditation geht, nämlich um die Erkenntnis der drei „universellen Daseinsmerkmale“, die da sind:
      1) Anicca: Alles, was durch eine Ursache zum Entstehen gelangt ist, ist vergänglich
      2) Anatta: Alles, was für für unser Selbst, unsere dauerhafte Substanz, unser „Ich“ halten, besteht aus vergänglichen Einzelteilen (5 Aggregaten): Körper, Gefühle (Freud und Leid), Wahrnehmung/Erinnerung, Denken und Bewusstsein. Da all diese Aggregate nicht einmal eine Sekunde lang Bestand haben, können sie nicht meine dauerhafte Substanz, mein substanzielles „Ich“ sein. Ergo: Alles ist „Nicht-Selbst“
      3) Dukkha: Alles, was vergänglich ist, ruft (wenn wir es festhalten wollen) in letzter Konsequnz Leid hervor (auch Freude, denn wir wissen, dass sie nicht bleibt, und wenn sie geht, finden wir es Schade)

      Dies zu sehen und zu verstehen – und zwar am ‚eigenen Leibe‘ und nicht vom Hören und Sagen (oder irgendwelchen philosophischen Schriften) – ist Aufgabe der Vipâssana-Meditation. Wie man da methodisch vorgeht, ist erst einmal Wurscht 🙂 Es gibt die „choiceless awareness“-Meditation, die tatsächlich kein Meditationsobjekt hat; oder aber man wählt den Atem oder – wie ich es ans Herz lege – das Gefühl von Liebender-Güte (Metta). Im Prinzip kann man auch das bewusste Betrachten einer Flamme wählen oder sogar das bewusste Rezitieren eines Mantras. Nur rate ich davon (wie auch – jedenfalls für Anfänger – von der der „choiceless awareness“) ab, weil man entweder vieeeel zu leicht mit den Gedanken abschweift, oder aber sich vieeeeel zu sehr in das Meditationsobjekt absorbiert (was zu ganz hübschen und angenehmen Zuständen führt, aber keinesfalls zu den oben genannten Erkenntnissen).

      * Deine zweite Frage ist nicht leicht zu beantworten. Zunächst: Das, was Du da erfahren hast, erfährt man in der Regel in tiefen Absorptions-Konzentrationszuständen (Absorptions-Jhânas). Sie können aber auch in der Vipâssana-Praxis auftreten, wenn man in sehr tiefe Versenkungszustände gerät (was allerdings seeehr viel Praxis braucht). Zunächst einmal sind diese „Ich-Auflösungserfahrungen“ also nicht sooo ungewöhnlich (um einen kleinen Einblick in sie zu erhalten, kannst Du mal hier klicken). Was mich irritiert ist, dass diese Zustände bei Dir im Alltag zu einem Entfremdungserleben geführt zu haben scheinen. Wenn ich sowas höre, klingeln bei mir die Alarmglocken, spätestens seit ich damals als Mönch im Kloster einen Mitmönch kennenlernte, der aus einer sehr harten Vipâssana-Schule kam, die die Ich-Auflösung zum Ziel nimmt. Er wurde dadurch psychotisch (!!). Das kann nicht Sinn von Vipâssana sein und Dein Erleben bestärkt mich darin, dass man Meditation (je nachdem, wie intensiv man praktiziert) unter Anleitung eines Lehrers praktizieren sollte, der einem sagen kann, worum es in der Meditation geht.
      Mit der Ich-Auflösung ist es ein bisschen wie … hm … mit dem Erlebnis von Schwerelosigkeit. Hast Du sie einmal (vllt im Parabelflug) erlebt, weißt Du, wie sie sich anfühlt; bist Du wieder auf der Erde, weißt Du: Hier herrscht Schwerkraft! Pathologisch hingegen wäre es, dann vom Dach zu springen in der Annahme, es herrsche Schwerelosigkeit. Ebenso verhält es sich mit dem Ich/Selbst: Wenn man die Dinge in ihrer Letztendlichkeit betrachtet, gibt es kein Ich, kein Selbst, keinen Baum und keinen Strauch, keinen Hund und auch kein Pinselohrschwein. Dies in der Meditation zu erfahren erleichtert es ungemein, im Alltag loszulassen, denn letztendlich hat das alles nix mit mir zu tun, letztendlich ist es Illusion. ABER: In dieser Welt der Konzepte und der Dualität müssen wir esen, trinken, atmen, urinieren, defäkieren, schlafen u.s.w. Nicht-Selbst bedeutet nicht Nicht-Existenz! Wenn man das nicht hintereinander kriegt (und man eine entsprechende Prädisposition hat) kann Meditation ein schneller Weg in die Psychose sein.
      Nochmal in einem Satz: Dein Erleben war an sich nicht verkehrt (eher im Gegenteil), aber es ist von entscheidender Bedeutung, diese Erfahrung richtig zu verstehen!! Und dafür braucht man ein gewisses Hintergrundwissen.

      Puh … meine Antworten werden bald NOCH LÄNGER als die Artikel HAHAHA Aber ich fand Deine Fragen sehr, sehr wichtig, deshalb hab ich mir die Zeit gern genommen, etwas intensiver auf sie einzugehen. Wenn Du ganz konkrete Fragen zu Deinen Erlebnissen hast, kannst Du gern auch mal privat schreiben – ich versuche, schnell zu antworten.

      Einstweilen sende ich
      METTA & SMILES
      „Phra“ Atishakaro

      Antwort

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