Silvester-Zeremonie

Für alle, die noch nicht wissen, wie sie den Übergang ins neue Jahr begehen

Tempelglocke

Tempelglocke

wollen, hier eine schöne buddhistische Zeremonie. Es ist die Zeremonie der 108 Glockenschläge.

Mit den 108 Glockenschlägen verhält es sich so:

Buddha lehrte,

Es gibt 6 Sinnentüren: Auge, Ohr, Nase, Zunge, Körper, Geist.

An jeder dieser 6 Sinnentüren können –  wenn sie auf die entsprechenden Sinnenobjekte (Form, Geräusch etc) treffen (wenn also Sinnenbewusstsein entsteht) – jeweils 3 Arten von Gefühl zum Entstehen gelangen: Behaglich, unbehaglich, weder behaglich noch unbehaglich (neutral). Damit hat man 3 x 6 = 18 „Leidenschaften“.

Diese lösen jeweils „Begehren“ aus, und zwar als „Habenwollen“, „Nichthabenwollen“ oder „weder Habenwollen noch Nichthabenwollen“; für jede Sinnentür macht das wieder 3 x 6 = 18.

Wir haben also 18 mögliche Gefühle PLUS 18 mögliche Begehren, das macht zusammen 36. Diese entstehen im ewigen Jetzt zusammengefasst aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Also 36 x 3 = 108.

Diese 108 Leid verursachenden Manifestationen werden zum neuen Jahr losgelassen, indem 107 Glockenschläge VOR dem Jahreswechsel und 1 Glockenschlag in der ersten Sekunde nach dem Jahreswechsel (0h00’01“) erfolgt.

Euch von ganzem Herzen ein gesundes, glückliches, liebvolles und  freudvolles Jahr 2014.

MAHA-METTA sendet

Kopie 2 von Bild 235

„Phra“ Michael

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Übers Loslassen, Liebevolle Annahme und den „Kontrollfreak“

Ich möchte nach einer langen Blog-Pause heute einmal einen Artikel aus dem wirklichen Leben posten, nämlich eine Korrespondenz mit einem meiner Schüler, der eine Mail mit  sehr wichtigen Fragen stellte, die die buddhistische Vipâssana-Meditation angehen. Insbesondere geht es um das Thema „Loslassen“ und „Liebevolle Annahme“, Nicht-Ich (anatta) und den „Kontrollfreak“ in uns. Da diese Themen ganz fundamental für Meditation und Alltag sind, möchte ich sie mit der Öffentlichkeit teilen (schwarz sind die Fragen, lila meine Antworten).

Damit Ihr folgen könnt und wisst, worum es geht, hier noch einmal der BLESSED-Kreis, den es gilt, sowohl in der Meditation als auch im Alltag unablässig zu durchlaufen, sobald man merkt, dass man nicht „im Hier und Jetzt ist“. (Näheres zu diesem Kreis findet Ihr hier auf diesem Blog)

 BLESSED

 

Es begann mit einer Schilderung, wie F. (für Fragender) mit einigen schwierigen Alltagssituationen umgeht, indem er den BLESSED-Kreis durchläuft. Meine Antwort hierzu war:

 Es ist Klasse, wenn es Dir gelingt, den BLESSED-Kreis in solchen Momenten zu durchlaufen; denke nur auch immer daran, dass BLESSED keine „Schmerztablette“ ist. Betrachte, was in Dir geschieht, und was immer es ist, VERSUCHE NICHT ES LOSZUWERDEN. Versuche, es zu verstehen. Lass es da sein und betrachte ganz genau, wie (aus alter Gewohnheit heraus) Du dazu tendierst, Dich mit den Emotionen zu identifizieren. Schau, welche Gedanken durch sie ausgelöst werden, und welche Gedanken sie umgekehrt  auslösen – papanca! Schau, wie es sich körperlich anfühlt. Betrachte Deinen inneren „Kontrolleur“, der Dir sagen will, dass die Dinge anders zu sein haben, als sie sind, nämlich so, wie „er“ es will und für richtig hält. Und betrachte einmal dieses „er“ … und gehe dem auf den Grund, was „er“ ist. Nicht intellektuell, sondern durch Beobachtung. Und versuche ebenfalls nicht, diesem „er“ den Mund zu verbieten. Hör Dir LIEBEVOLL an, was er zu sagen hat … diskutiere nicht mit ihm, lass ihm seine Meinung – er kann nicht anders als so zu denken, wie er denkt. Aber wie er denkt, fügt Dir mentalen Schmerz zu – verzeih ihm dafür. Verzeih ihm aus dem Verständnis und der Einsicht heraus, WAS „er“ ist. Nimm ihn in den Arm und nimm ihn liebevoll an.
„Er“ wird sich fast zwangsläufig dagegen wehren, weil „er“ das Gefühl hat, nicht ernst genommen zu werden. Gestehe es ihm zu, hab Mitgefühl mit ihm. „Er“ wird Dich bombadieren mit Zweifeln – über Deine ganze Praxis. Lass ihn! Es ist ok! Vergib ihm, nimm ihn liebevoll in den Arm, schließe ihn in Dein Herz – mitfühlend und verständnisvoll.

Im Folgenden nun die Antwortmail von „F.“ und meine unmittelbaren Antworten:

Ich verstehe, dass der BLESSED-Kreislauf nicht als Schmerztablette einzusetzen ist, mit dem man die leidvollen Gedanken bzw. Emotionen eliminiert. Es geht darum, diese leiderzeugenden Vorgänge als solche zu erkennen und zu verstehen, nach welchen alten Mustern der eigene Geist arbeitet.

Hmmmm … Ja. Und Nein *smile*

Es geht darum klar zu sehen, dass da zunächst überhaupt erst einmal nur Vorgänge, Abläufe und Prozesse (erst im „Außen“ [Geräusch trifft auf Ohr], dann  in der Folge in uns [das Geräusch „kommt uns zu Bewusstsein“]) stattfinden.

 Wir befinden uns also im Bedingten Entstehen: Sinnesreiz + Sinnenbewusstsein sind Grundlage für das Entstehen von behaglichem oder unbehaglichem (oder neutralem) Gefühl; behagliches oder unbehagliches (und eigentlich auch neutrales) Gefühl ist die Voraussetzung für das Entstehen für Begehren; Begehren  ist die Voraussetzung für das Entstehen von Anhaftung.

Bis zum Begehren inklusive handelt es sich nicht um Muster im psychologischen Sinne, sondern um reine neurologische Vorgänge gemäß dem Reiz-Reaktions-Schema, also Reizübertragungen.

Dann erst – ab dem Anhaften – erkennen wir, wie aus einem unpersönlichen neurologischen Reiz plötzlich das entsteht, was wir Leid nennen. Leid ist das, was entsteht, wenn wir aus einem unpersönlich entstandenen Gefühl eine persönliche Story machen, indem wir

1 . über das entstandene Gefühl und über das, was es ausgelöst hat (und einiges mehr) nachdenken und

2 . diesem entstandenen Gefühl einen Namen geben, nämlich „Wut“, „Trauer“ u.s.w.; auf diese Weise wird aus einem real entstandenen Gefühl ein Konzept, also etwas Nicht-existentes!!! Dieses Konzept können wir in unser Selbst-Konzept integrieren. Da es dann als zu uns gehörig interpretiert wird, denken wir wiederum darüber nach.

Zudem sehen wir, wie in der Anhaftung aufgrund der gedanklich-emotionalen Beschäftigung  mit dem Gefühl Feedbacks entstehen, also zB neue Gedanken, die dann neue Gefühle auslösen und wieder Begehren, welches selbst als Spannung (= unangenehme Körperempfindung) wahrgenommen wird und darüber wieder zu Gefühlen führt und so weiter und so fort. Diese gesamten Feedbacks nennt der Buddhismus „papanca“.

Und wir sehen, dass wir auf all diese Vorgänge in ihrem ersten Entstehen keinen Einfluss haben. Der Versuch, Einfluss zu nehmen (nämlich in erster Linie auf das Gefühl), kommt erst im Rahmen der Anhaftung zum Tragen. Die Anhaftung ist also – wenn man so will – unser „Problemlösemodus“. Wir versuchen, über unsere Gedanken das Gefühl zu beseitigen, verstärken es aber nur, indem wir ihm Aufmerksamkeit schenken. Und da sitzen auch die alten (psychologischen) Muster: Wir glauben, durch Nachdenken und Analyse die Kontrolle über die Ursache des unangenehmen Gefühls gewinnen zu können. Das ist der „Kontrollfreak“ in uns. In der Realität aber können wir nur einen Bruchteil dessen, was uns unangenehmes Gefühl beschert (oder angenehmes Gefühl „wegnimmt“) kontrollieren. In der vipâssana-Meditation lassen wir diesen Kontrollfreak so zu sagen ins Lehre laufen – wir reagieren nicht auf ihn, sondern lassen die Dinge, gegen die er sich auflehnt, auf sich beruhen.

Während die „papanca“ im Rahmen des Bedingten Entstehens vom Anhaften aus gesehen „rückwärts gewandt“ sind, erkennt man im weiteren Verlauf des Bedingten Entstehens nach dem Anhaften (also „vorwärts gewandt“), wie unser Selbstkonzept entsteht und dieses Konzept unterhalten und gestärkt wird. Hier (erst) kommen die alten Muster zum tragen, gemäß welcher wir auf bestimmte Situationen immer nach dem gleichen Prinzip re-agieren. Re-agieren, weil unser Handeln aufgrund der alten Muster automatisch abläuft, in Abgrenzung zu einem Agieren, welches wissensklar (vgl. das Satipatthâna-Sutta) einzig dem gegenwärtigen Moment Rechnung trägt. Dies stets gleiche Handeln erweckt in uns den Eindruck einer Stabilität, von etwas Statischem, eines unveränderlichen „ICH“. Nach welchen alten Mustern genau der Geist arbeitet spielt eine nur untergeordnete Rolle; entscheidend ist, DASS es nur Muster sind und wie sich das auf uns auswirkt, nämlich in der Illusion eines substanziellen „ICH“ (welches zusätzlich genährt wird durch die Identifikation mit dem Körper, den Gefühlen … kurz: den 5 Aggregaten).

Mir scheint es, als hätte AKZEPTANZ eine Schlüsselfunktion. Es geht darum, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie nunmal jetzt sind und nicht zu versuchen sie loszuwerden.

Ja, in der Tat. Indem wir versuchen, sie los zu werden, schenken wir ihnen Aufmerksamkeit und Energie – dadurch verstärken sie sich. Im Japanischen gibt es den etwas martialischen Ausdruck „Töten durch Nichtbeachten“ (weiß leider nicht mehr, wie es auf Japanisch heißt *smile*); das ist in etwa, was hier geschieht. Mit einer Besonderheit (und dies ist wirklich ganz fundamental für die gesamte buddhistische Lehre): Was lassen wir los? Nur die Gedanken an das Ereignis, nicht das Ereignis selbst. Warum? Weil wir ein Ereignis nicht loslassen KÖNNEN. Ein Schmerz, Geräusch, Duft … ist da. Das resultierende Gefühl … ist da. Das resultierende Begehren … ist da (erst in den höchsten meditativen Zuständen kann die Kette des Bedingten Entstehens bereits an einer dieser Stellen durchschnitten werden)

Ich denke, dass dem „Er“, von dem du sprichst, dadurch der Wind aus den Segeln genommen wird, da man auch das ganze Negative im jetzigen Moment annimmt und akzeptiert. 

Das Negative im jetzigen Moment Annehmen entspricht genau diesem oben beschriebenen Vorgang. Loslassen (und den Kontrollfreak „vor die Wand laufen lassen“ *smile*) IST gewissermaßen Liebevolle Annahme.

Ich habe das „Loslassen“ im BLESSED-Kreislauf in einigen Situationen falsch interpretiert im Sinne von „Nun lass es endlich los!“

Das ist in der Tat falsch interpretiert *smile*

Vielmehr ist damit wohl das Akzeptieren aber gleichzeitig NICHT Anhaften gemeint. 

Ok, also: Loslassen ist das diametrale Gegenstück zum Anhaften. Das bedeutet: Wenn Anhaften das gedanklich-emotionale Sich-verwickeln-lassen in ein Ereignis ist, dann ist Loslassen eben das Nichtweiterdenken jenes Ereignisses. Mehr steckt nicht hinter dem vielgerühmten Loslassen. Die einfache Formel:

Loslassen ≙ Liebevolle Annahme ≙ Infriedenheit / Anhaften ≙ Widerstand ≙ Leid

Ich habe in letzter Zeit im Alltag häufig BLESSED angewendet. Habe im Anschluss immer noch einen Metta-Wunsch in mir zum entstehen gebracht. Gerade „Möge mein Geist ruhig und friedvoll sein“ erzeugt in mir gleich eine leichte Entspannung.

Das ist auf jeden Fall gut und richtig 🙂

Aber wenn ich das Gefühl von innerem Frieden und Lächeln in mir erzeuge lasse ich beispielsweise dem Gefühl „Angst“ oder „Wut“ weniger Platz in mir. Ist es nicht so, dass ich diese Gefühle dann im gewissen Maße verdränge und ihnen nicht ausreichend Platz einräume? Das widerspricht in meinen Augen dem Denkansatz „Wut ist da. Hey, es ist o.k.!! Wut darf das sein.“ Andererseits kann es ja auch nur gut sein, wenn ich über den Metta-Wunsch mehr Gelassenheit in mir verspüre…..!?

Nein, Du verdrängst gar nichts. Weil Du das Gefühl der Wut selbst ja gar nicht anlangst. Verdrängung bedeutet „Ins Unbewusste verschieben und verhindern, dass es wieder hervortritt“. Das geschieht, wenn man unmittelbar nach dem Feststellen eines negativen Gedanken zum Meditationsobjekt zurückkehrt und sich auf das Meditationsobjekt fokussiert und absorbiert. Wir hingegen machen uns im BLESSED einen Mechanismus des Gehirns zunutze: Beobachte einmal, was geschieht, wenn Du von einem Gedanken fortgetragen worden bist und Dir dessen bewusst wirst. Was geschieht in der Sekunde, da Du diesem Gedanken Auge in Auge gegenüberstehst? Der Gedanke kommt  für einen Augenblick zum Stoppen und die Aufmerksamkeit sucht sich etwas anderes, womit sie sich beschäftigen kann. Dies ist immer das Naheliegendste, was eben da ist, und zwar irgendetwas, was sich „bewegt“ im Sinne von verändert. In diesem Atemzuge kommt die Aufmerksamkeit ganz leicht und fast von allein wieder in den gegenwärtigen Moment und zieht sich von dem Gedanken zurück. Das geschieht – noch einmal – NICHT durch eine Aktion des Praktizierenden, sondern durch das alleinige Sichbewusstwerden des „Nicht auf dem Meditationsobjekt Seins“.

Das Entspannen und Lächeln hilft dabei (in der Art einer reziproken Hemmung), dass die negativen Gedanken erst einmal nicht wieder auftreten. Sitzen sie aber tief, werden sie trotzdem wiederkommen … und irgendwann sich auflösen. DANN sind sie verarbeitet.

Zudem motiviert das Entspannen und Lächeln dazu, dem alten Muster des „dem Gedanken Nachgebens und Weiterdenkens“ (= Anhaftens) nicht zu folgen, da der Organismus merkt: „Aha, es fühlt sich viel besser an, NICHT anzuhaften“ – das ist positive Konditionierung durch Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn.

In der vipâssana-Meditation lernen wir also systematisch, nicht anzuhaften. Das Aufgeben des Anhaftens ist aber eine enorm schwierige Übung, eben weil unsere alten Muster alte und eingefahrene Muster sind, die ja selbst auch Objekt der Anhaftung sind – indem wir uns mit ihnen identifizieren. Daher hat der Buddha als Grundlage des Aufgebens des Anhaftens die (zunächst rationale) Erkenntnis von Nicht-Ich (anatta) gesetzt. Denn diese Erkenntnis hebelt auch den letzten Widerstand aus. Selbst der verzweifeltste Depressive, der da sagt: „Das bringt doch alles nichts! Ich kann nicht loslassen! Ich bin und bleibe traurig!“ wird diese Ansicht aufgeben, wenn er sieht, dass dies nichts weiter als Ansichten sind, entstanden aus „papanca“, und die wiederum aus völlig unpersönlichen Vorgängen. Es steckt niemand „hinter“ diesen Ansichten – es sind nur bedingt entstandene Gedanken, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Auf diese Weise wird er sich fragen: „WER leistet denn da Widerstand? WER ist denn da traurig? WER zweifelt denn da an der Lehre des Buddha? Es ist niemand zuhause. Ich kann Kummer, Klage, Sorge, Leid, Trübsal und Verzweiflung einfach loslassen, weil da unterm Strich niemand ist, der all das empfindet.“

Mmh, das ist mit so einem westlichen Gehirn echt nicht leicht zu verstehen! 😉 Man ist bis jetzt häufig darauf bedacht gewesen, sich vor negativen Gedanken und Emotionen zu schützen und jetzt soll man genau diese leidbringenden Objekte akzeptieren.

Noch einmal: Wir akzeptieren zunächst nicht die Erscheinungen, sondern unsere Reaktion auf sie, erkennen sie als Nicht-Ich, als reine Reaktions-Muster, die unser Leid erschaffen. Erst in der Konsequenz schließen wir Frieden mit den Erscheinungen, weil wir dann nämlich erkennen, dass es nicht die Erscheinungen sind, die uns Leid zufügen, sondern unsere Reaktion auf die Erscheinungen. Und die können wir loslassen, denn sie sind ja nicht ICH.

Ich meine langsam zu verstehen, dass sie sich genau dadurch auflösen, da der Geist irgendwann keine Lust mehr hat, wenn man nicht ständig mit ihm diskutiert und versucht zu widersprechen. 

Hahaha …. Darauf würde ich mich nicht verlassen ;). Zunächst einmal diskutieren wir ja nicht mit unserem Geist. Das hieße den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Wir beachten ihn einfach nicht mehr, wenn er „zickt“ oder böse oder eifersüchtig wird. Es ist für uns in dem hohen Stadium der Erkenntnis von Nicht-Ich, als würde sich all das, was sich in unserem Geist abspielt, auf einer Kinoleinwand abspielen – ich kann es wahrnehmen, aber es ist nur ein Film. Der Mörder, der aus der Kinoleinwand heraus auf mich schießt, kann mich nicht verletzen. Wir brauchen also nicht den Filmprojektor zu zerstören; es reicht völlig aus, den Film als das zu würdigen, was er ist: Ein Film. Ebenso verfahren wir mit unserem Geist. Lass den Film einfach laufen … macht doch nichts. Im Gegenteil: Auf diese Weise kann sogar ein Krimi oder Drama oder Ähnliches erheiternd sein. Und das wollte der Buddha! Schau Dir mit freudvollem und heiterem Interesse an, was sich in Deinem Oberstübchen abspielt – und mach Dir nichts draus (sprich: Mach nicht mehr daraus als es ist, nämlich ein Film).

Ich hoffe, Ihr konntet ein wenig aus diesem Artikel für Euch und Eure Meditation herausziehen.

Von Herzen sendet Euch METTA & SMILES

„Phra“ Atishakaro (Michael) _/\_

Hindernisse in der Meditation

Zen-Mudra

Zen-Mudra

Das Problem ist jedem Meditierenden wohlbekannt: Man sitzt auf seinem Meditationskissen, und die Gedanken wollen und wollen einfach nicht zur Ruhe kommen. Oder aber: Kaum hat man sich niedergesetzt, schon döst man weg. Von Meditation keine Spur! „Was kann man da machen?“, diese Frage bekomme ich oft zu hören, und sie ist nicht leicht zu beantworten.

Eines sollte man sich wirklich vor Augen halten: Unser Geist ist keine Maschine, die man an- und abschalten kann – unsere Gedanken machen erst einmal, was sie wollen, und das den lieben langen Tag. Wir haben keine dauerhafte Kontrolle über sie – nie wird das deutlicher als in solchen Meditationen. Das erste also ist: Nutze diese Erfahrung als Erkenntnis. Du bist nicht Deine Gedanken, und Deine Gedanken sind nicht Dein Selbst. Ein „Ich“ oder „Selbst“ ist ja immer „selbstbestimmt“, und so könnten Deine Gedanken dann quasi zu sich selbst sagen: „Die Gedanken sollen so sein oder die die Gedanken sollen so sein.“ Geht aber nicht. Also hast Du hier schon einmal einen Einblick in die buddhistische Lehre von „Nicht-Selbst“ ;).

Aber nun zur Praxis: Ich erarbeite gerade einen stufenweisen, methodischen Aufbau von vipâssana-Meditation; mit jeder Phase oder Stufe geht es etwas tiefer in die Meditation hinein. Und beim Erarbeiten dieser Meditationen fiel mir auf, dass man die Stufen nicht einfach nacheinander „abarbeiten“ kann; es gibt auch „Rückschritte“, die es dann natürlich liebevoll anzunehmen gilt! Hieran kann man ein weiteres Mal sehen, dass die Dinge laufen, wie sie wollen, nicht wie wir wollen. Eine wunderschöne Übung in liebevoller Annahme. Und zudem verhindert es das Entstehen „spiritueller Arroganz“ („Ich bin ja so ein toller Meditierender!“)

Und auf diesem Grundsatz beruht auch die „Erste Stufe“: Es gibt immer Phasen, in denen wir nicht meditieren wollen oder können; das kann die unterschiedlichsten Gründe haben, von beruflichem oder familiärem Stress bishin zum einfachen „Ich hab keinen Bock zurzeit“. Kommt dann wieder die Zeit, da man sich aufs Kissen setzen möchte oder kann, kommt die Quittung: Müdigkeit, Fahrigkeit, Benebeltheit, Unruhe, Rast- und Ruhelosigkeit, und damit einher gehend Ärger und Unzufriedenheit. Letzteres überwindet man in der weisen Betrachtung, 1. dass es nur Ärger ist, mehr nicht. Kein Grund ihn persönlich zu nehmen ;), 2. dass alles im Leben kommt und geht – auch Ärger und 3., dass Ärger im Rahmen der Anhaftungen entsteht, und darunter versteht man das Grübeln und Nachdenken darüber, warum die Dinge sind, wie sie sind – also hört man auf über den Ärger nachzudenken … und nimmt ihn liebevoll an, bis er von allein verschwindet.

Was aber bleibt ist die Rast- und Ruhelosigkeit oder die Müdigkeit und Schlappheit. An dieser Stelle kann ich nur dazu raten, diese Zustände als eine Art „zweites Meditationsobjekt“ zu wählen.

Du kannst versuchen, Deinen Atem als Mittelpunkt der Betrachtung zu wählen, aber nur, um Dich überhaupt ein wenig zu zentrieren. Beobachte vor allem mit freudvollem Interesse und in heiterem Gewahrsein, wie Deine Gedanken zunächst sehr weite Kreise ziehen, bevor es Dir zu Bewusstsein kommt und Du wieder zum Atem zurück gelangst. Und kaum dort angelangt, bist Du schon wieder weg. Das mag eine ganze Meditationssitzung über so gehen, aber: Es ist nicht schlimm! Das ist das Entscheidende. Mein Tipp: Auch wenn Du gewohnt bist, vielleicht eine Stunde in Meditation zu sitzen – an dieser Stelle ist es besser, vielleicht nur eine halbe Stunde zu sitzen, dann steh auf, koch Dir einen Kaffee, und nach 10 Minuten oder so setzt Du Dich ein weiteres Mal eine halbe Stunde. Dann machst Du wieder 10 Minuten Pause, und dann setzt Du Dich noch einmal eine halbe Stunde. In der Regel wirst Du in dieser dritten Sitzung feststellen, dass Deine Gedanken nicht mehr wie ein dichter Nebel sind, sondern immer häufiger konkrete Gedanken zu einem Thema auftauchen. Die tragen Dich dann zwar immer noch weg, aber es ist ein Fortschritt, denn es ist ein Zeichen dafür, dass Du langsam in die Ruhe kommst, da Dein Geist nun wieder klare Gedanken fassen kann. Und klare Gedanken kann man leichter loslassen, somit werden die „Schleifen, die Du fliegst“ immer kleiner, und Dir wird vor allem klar, was Dich zurzeit besonders beschäftigt! Das ist wichtig und ein Sinn von Meditation.

Wichtig ist auch … das Lächeln! Wenn Du auf dem Atem bist, dann lächle in Deine Atemzüge hinein. Gut, das ist ohnehin im Sinne des Buddha, wenn er sagt „Freude empfindend will ich einatmen, Freude empfindend will ich ausatmen“ (Satipatthana-Sutta); aber es ist sehr nützlich, in alles, was Dir zu Bewusstsein gelangt, hinein zu lächeln. Wenn Du feststellst, dass Du mit Deinen Gedanken meilenweit weg warst, dann lächle in diese Tatsache hinein. Sag Dir: „Hey, das ist ja interessant, wo mein Geist mich wieder hingebracht hat … und es ist auch völlig in Ordnung … interessantes Thema auch … aber nicht jetzt, denn jetzt ist Meditation … :D“ und dann lächelst Du liebevoll und kehrst zurück zu Deinem Atem.

Wenn ich hier dauernd vom Atem spreche und nicht von Metta – der Praxis, die ich ja eigentlich lehre, dann deshalb, weil wir uns hier noch nicht in der „eigentlichen“ Meditation, sondern in einer Phase befinden, die von manchen Lehrern als „Zugangskonzentration“ beschrieben wird. Aber ich mag den Begriff nicht, denn wir konzentrieren und fokussieren unseren Geist nicht, zwingen ihn nicht, sondern lassen ihn sich von selbst beruhigen! Aber er tut das in seinem eigenen Tempo, und das ist das Wichtige. Worum geht es denn? So schnell wie möglich in die tiefsten Sphären der Meditation zu gelangen? Oder vielleicht doch eher um einen liebevollen und sanften Umgang mit uns und unseren grauen Zellen? Sie arbeiten hart, also lass sie runterkommen – es ist etwa, als würdest Du einem Leistungssportler dabei zuschauen, wie er nach einem Langstreckenlauf noch einige Runden um den Platz ausläuft, bis er endgültig zur Ruhe kommt. Was auf den Körper anwendbar ist, ist immer auch auf den Geist anwendbar, es ist wichtig das zu sehen.

Also: Keine Meditation ist schlecht, und sei sie noch so schlecht 😀 Es kommt nur darauf an, was Du aus der Situation machst – je mehr Freiheit Du Deinem Geist lässt, sich ganz natürlich zu verhalten, desto eher gelangst Du in die Ruhe und dann in tiefe Meditationen, und zwar ohne Kopfschmerzen!

So, das war mal wieder was zum Thema Meditation. Ich hoffe, diejenigen von Euch, die Meditation praktizieren, können etwas damit anfangen.

Ich sende Euch METTA & SMILES

„Phra“ Michael

Esoterik und Spiritualität

Vorbemerkung:

Ich möchte diesem Artikel vorausschicken, dass ich nicht beabsichtige, die Esoterik als solche herabzuwürdigen oder ihre Daseinsberechtigung anzuzweifeln. Mir ist einzig daran gelegen, das Verhältnis zwischen Esoterik und Spiritualität darzustellen, um zu verdeutlichen, dass man beides nicht durcheinander werfen sollte, wie es heute im Zeitalter der Verwässerungen allzu oft der Fall ist. Esoterik ist Esoterik, Spiritualität ist Spiritualität – und wenngleich es thematisch einige Berührungspunkte gibt, so ist die Herangehensweise eine gänzlich andere. Merkmale der Esoterik – wie beispielsweise das der „Beweisführung“ – finden sich nicht im Bereich Spiritualität, und wenn jemand von zB „beweisbarer Spiritualität“ spricht, handelt es sich um eine contradictio in se. Also: Keine von beiden ist besser oder schlechter, sie sind nur anders. Aber die Unterscheidung muss klar sein, ansonsten enden wir im Brackwasser spiritueller Beliebigkeit!

Es gibt Menschen, die beschäftigen sich ausschließlich mit den Belangen des alltäglichen Lebens; sie gehen zur Arbeit, kaufen ein, gehen ins Fußball-Stadion oder in die Techno-Disco und beschränken sich auch sonst auf das Weltliche, also auf all das, was wir mit unseren  fünf externen Sinnesorganen (Augen, Ohren, Nase, Geschmacks- und Tastsinn) erleben können. Das sinnlich Erfahrbare reicht ihnen völlig aus, und für sie besteht auch keine Veranlassung, nach Sinn oder Zweck des Daseins zu fragen. Unser Geist (Denken / Bewusstsein) als sechstes Sinnenorgan wird meist erst zum Objekt des Interesses, wenn (hirn)organische oder psychogene Störungen im psychischen Bereich auftreten (Demenzen, Schizophrenien, Ängste, Depressionen u.s.w.).

Dann gibt es Menschen, die befassen sich (überdies) mit Dingen, die mit dem Alltag erst einmal nichts zu tun haben. Es handelt sich dabei um Phänomene, die sich den sechs Sinnestüren zwar nicht oder nicht ganz verschließen, aber um Erscheinungen, die gern als paranormal, übernatürlich oder ähnliches bezeichnet werden; sie erschließen sich nicht so ohne weiteres für den ‚Normalbürger’, sind aber teilweise durchaus sichtbar vorhanden (wie zum Beispiel Kreise und Muster in Kornfeldern), beruhen auf Theorien (Stichwort Astrologie) oder aber haben die Existenz Außerirdischer zum Inhalt. Diese Menschen verbreiten gern ihre Ansichten und jene im Verborgenen liegenden Inhalte, machen sie den Menschen intellektuell zugänglich, die an diese Dinge nicht glauben, indem sie sie mit Hilfe von wie auch immer gearteten Belegen oder Beweisen zu überzeugen versuchen. Diese Menschen werden gemeinhin als Esoteriker bezeichnet.

Und schließlich gibt es die Menschen, die (über die Belange des Alltags hinaus) das Wahre-Wesen der Existenz ergründen wollen, jedoch nicht über Beweise oder Theorien oder Erklärungen, sondern durch Innehalten und Schauen – absichtslos, urteilslos, interpretationslos. Ein solcher gelangt dorthin durch Introspektion, d.h., er bemüht sich darum, jegliche  Phänomene / Erscheinungen nur als Prozesse unserer Wahrnehmung zu betrachten, indem er schaut, wie wir als „Rezeptoren unserer Umwelt“ (inklusiver unserer selbst) funktionieren. Durch das „reine Beobachten“ entledigt er sich des konditionierten diskursiven Denkens und schaut auf die Dinge wie ein weißes Blatt. Diese Menschen schließlich werden gemeinhin als Spirituelle bezeichnet.

Nun, bereits beim ersten Hinsehen fallen zwei Unterschiede zwischen dem Esoteriker und dem Spirituellen auf: Um es in einer Metapher auszudrücken, nimmt der Esoteriker ein Teleskop zur Hand und holt sich die entfernten Phänomene und Erscheinungen aus dem Außen heran, um sie dann zu erklären; der Spirituelle dreht das Teleskop gewissermaßen um und betrachtet sich selbst – er ist Betrachter und gleichzeitig Betrachteter, Beobachter und gleichzeitig Beobachteter.

Nun sind wir Menschen nun einmal so gestrickt, dass wir alles mit dem Verstand begreifen, alles analysieren und dem Intellekt zugänglich machen müssen. Wir sind süchtig nach Beweisen und Informationen, denn dies ist das Einzige, womit unser Gehirn etwas anfangen und umgehen kann. Wir sind süchtig danach, uns immer mehr anzureichern mit Wissen und danach, alles zu verstehen. (Es fällt mir in diesem Zusammenhang ein, dass „Sucht“ nicht von „suchen“ stammt, sondern von „siechen“ (!) – wir haben das Gefühl daran zu darben, wenn wir Dinge nicht erklären können). Hierfür gibt es viele interessante Gründe, aber auf sie möchte ich hier gar nicht eingehen.

Es gilt an dieser Stelle zunächst festzuhalten, dass alles, und seien es noch so paranormale Erscheinungen, noch so phantastische Theorien oder noch so heilige Ideen oder Gottesvorstellungen, ja sogar Erscheinungen von Engeln oder anderen Himmelswesen, samt und sonders der relativen Welt zuzuordnen sind, als einer Welt, die wir in irgendeiner Form denken können, und wenn es dafür noch so viel Phantasie bedarf. Alles aber, was wir denken, entstammt aus einem intellektuellen Kontext, jede Begrifflichkeit, jede Benennung ist lediglich die Ausgeburt intellektueller Parameter eines in Vorstellungen (Konzepten) denkenden und vor allem äußerst begrenzten Verstandes – wir erfassen nicht die (absolute) Wirklichkeit sondern immer nur das, was unserem Gehirn zugänglich ist; was wir also für die Wirklichkeit halten ist reine Illusion. Das gilt für ausnahmslos alles, was unseren Verstand durchlaufen hat, ob es die Vorstellung von Außerirdischen ist, die von Gott, die von Nirwana, die von der Kraft der Sterne … sobald irgendetwas durch unseren Verstand und unsere Interpretation gefiltert worden ist, erscheint es nicht mehr als das, was es wirklich (also auf der absoluten Ebene) ist[1]. Das jedoch bedeutet: Auch die Esoterik beschränkt sich darauf, Illusionen zu deuten und zu erklären. Das tut die anerkannte Wissenschaft im Übrigen auch, mit dem Unterschied allerdings, dass sie keinen spirituellen Anspruch hat. Das Ansinnen des Wissenschaftlers ist, Dinge zu erklären, wie wir sie in dieser relativen Welt erkennen können, mehr will er nicht und (wie ich es schon gelegentlich in Interviews mit Quantenphysikern und Schwingungstheoretikern mitbekommen habe) hält sich aus allem anderen dann auch heraus.

Würde nun der Esoteriker sagen: „Wir sind ebenfalls Wissenschaftler, lediglich in einem anderen Bereich als die herkömmliche Wissenschaft, und wir bemühen uns nicht um spirituelle sondern um beweisbare Inhalte“, dann hätte alles seinen Platz. Leider tut sie das nicht. Sie greift ein in Bereiche der Religion, der Moral, der Ethik, der Spiritualität, sieht sich im Zweifel gar als „neue Spiritualität“, stellt Dogmen auf und überschreitet damit nach meinem Empfinden weit ihre Kompetenzen. Ich möchte im Folgenden kurz darstellen, warum ich dies für bedenklich halte:

1) Das Problem der Beweise:

Alles, was durch unseren Verstand und unser konditioniertes Bewusstsein läuft, lässt nur ein schemenhaftes Abbild in uns von dem entstehen, was da wirklich ist, so wurde gesagt. Damit kann aber auch jeder Beweis nur in der relativen Welt Gültigkeit haben. Spirituell betrachtet – und damit meine ich immer „aus der Sicht des Absoluten“ – ist jeder Beweis, parawissenschafltich-esoterisch oder anerkannt-wissenschaftlich, nicht mehr und nicht weniger als eine gedankliche Spielerei. Selbst Thomas von Aquin besaß nicht die Arroganz einer ‚Beweisführung‘;  seine „Gottesbeweise“ nannte er nicht Gottesbeweise, sondern „Wege zur Gotteserkenntnis“.

Wie steht es nun mit der Esoterik? Nun, in dem Moment, da jemand eine Überzeugung vertritt und dieses mit Beweisen und rhetorischen Stilmitteln zu untermauern versucht und andere davon zu überzeugen versucht, greift er aktiv in ihr Leben ein, baut eine Trennmauer und überlässt es dem anderen, die Mauer von seiner Seite aus einzureißen, indem jener die Überzeugung übernimmt. Das war gängige Praxis in den meisten Religionen, und die Esoterik macht es nicht anders. Es handelt sich dabei um eine Form von Gewalt. Und da wirkt es bei genauem Hinsehen nicht mehr allzu glaubwürdig, wenn sich die Esoterik Toleranz gegenüber allen Religionen und Auffassungen auf die Fahne schreibt, aber im nächsten Atemzug von den „unbelehrbaren Skeptikern“ oder von „Ungläubigen“ spricht. Wäre Esoterik eine spirituelle Geisteshaltung, würde sie auf Beweise und Missionierungen verzichten. Nicht zuletzt, weil Beweise nicht nur nicht zur Befreiung von Leid führen, sondern sie sind auch geneigt, Leid zu verursachen, denn wenn der „Beweisende“ den Anderen nicht überzeugen kann, führt das vielfach zu Wut und Ärger beim „Beweisführenden“; und diesen Ärger trägt er (durch das Residuum an negativen Energien) nolens – volens hinaus ins Leben und verursacht damit auch Leid bei Dritten.

2) Das Problem der Freiheit:

Soviel zum Prinzip des Beweises. Aber wie sieht es aus mit Inhalten von „Beweisen“? Nun, mir selbst ist der Inhalt des „bewiesenen“ esoterischen Sachverhaltes in der Regel völlig gleichgültig, da sie mich als Spirituellen nicht anlangen. Wie würde Buddha sagen: „Ich sage nicht, dass es so ist, noch sage ich, dass es nicht so ist, noch sage ich, dass es weder so ist noch dass nicht so ist.“ Aber gilt das für jeden? Auch das, was bewiesen wird, sehe ich als nicht unproblematisch, sobald es nämlich in die autonome Lebensführung eines Menschen eingreift.

Nehmen wir als Beispiel die Reinkarnation. In dem Moment, da mir bewiesen (oder sagen wir besser „glaubhaft versichert“) wird, dass es beispielsweise eine Seele gibt, die nach meinem physischen Tod reinkarniert wird, dann werde ich mein Leben entsprechend ausrichten, damit mir im nächsten Leben nichts Schlimmes widerfährt. Dahinter verbirgt sich jene verfehlte Vorstellung von „Karma“, wie sie in vielen asiatischen Ländern verbreitet ist (und auch gern von den Religionen aufrechterhalten wird, sonst könnten die ihre Tempel nämlich dicht machen). Dadurch machen sich die Menschen selber der Religion hörig, sind unfrei in ihren Handlungen (da sie nur darauf abstellen, „nichts falsch zu machen“ und „gutes Karma zu erschaffen“) und leben in Angst (eben davor, dass ihnen das nicht gelingt). Da der einmal erbrachte Beweis ja über allem erhaben ist, muss ich mich dem auch fügen! An dieser Stelle unterscheidet sich der vermeintlich Wissende nicht vom überzeugt Gläubigen. Durch seine angebliche Beweisführung greift der Esoteriker also gewollt oder ungewollt in das Denken und Handeln der Menschen ein, umso mehr, wenn es um Aspekte der Moral und der Ethik geht; und das nicht unbedingt zu seinem Besten.

Wie sieht das eigentlich der Buddhismus (den ich hier mal stellvertretend für die spirituelle Geisteshaltung wähle) mit dem Reinkarnationsbeweis? Der Buddhismus lehrt, dass ein Arahant, einer, der Erleuchtung erlangt hat, seine vorherigen Leben sieht. Ok! Ich bin aber kein Arahant, und solange ich keiner bin, muss ich mir über frühere Leben auch keine Gedanken machen! Wenn „der Kosmos“ meint, dass ich so weit bin, dann werde ich schon früh genug zur Erleuchtung kommen. Vorher gibt es dann wohl andere Baustellen, und wer diese liegen lässt, der mag sich auf seinen Lorbeeren intellektuellen Verständnis in Sachen Reinkarnation (oder auch Wiedergeburt, was übrigens etwas vollkommen anderes ist!!) und seiner vermeintlichen Weisheit ausruhen. Die Frage ist, was es ihm bringt, wohin es ihn führt.

Jeder erfährt die Dinge, wenn und sobald er sie für seine Höherentwicklung benötigt! Ich gehöre zB zu jenen Buddhisten, die sich mit der Reinkarnation schwer tun. Wenn es sie gibt, dann werde ich aus mir selber heraus erfahren, dass es sie gibt und wie sie sich gestaltet. Solange ich nur glaube, dass es sie gibt, weil mir vielleicht irgendjemand einen schlüssigen Beweis dafür vorzulegen meint, dann – und da mag er zufällig noch so richtig liegen mit seinem „Beweis“ – degradiere ich mich selbst zum „Menschen aus zweiter Hand“ (Formulierung nach Krishnamurti). Wir Menschen haben diese Krankheit, immer alles und sofort haben zu wollen. Das, was wir (noch) nicht über unsere eigene Erkenntnis (zB in der Meditation) erfahren und erleben, müssen wir uns halt anlesen oder uns erklären lassen, denn wir haben ja keine Zeit und keine Geduld darauf zu warten, bis wir selbst am Punkt der Erkenntnis stehen. Wer so unterwegs ist, läuft Gefahr, sich selbst die Sicht zu versperren für das, was gerade wirklich für ihn anliegt, wie Auflösung alter Strukturen, „Schattenarbeit“, „Innere Kind Arbeit“, Übung und Praxis der Meditation, Großzügigkeit in Sachen „Liebende Güte“ sich selbst und anderen gegenüber. Ich fange doch nicht an, Logarithmen zu lernen bevor ich den Dreisatz verstanden habe.

In der Spiritualität geht es um etwas ganz anderes: Es geht um Befreiung von Leid, um ein Leben in einer gefühlten Harmonie mit dem Kosmos, deren Wegbereiter hierzu nicht intellektuelle Analyse, sondern Geistesruhe und Klarschau waren; daher kann auch einzig Spiritualität die nachhaltige gefühlte Harmonie mit dem Kosmos / dem All-Einen / dem Göttlich … zum Entstehen gelangen lassen; wer sich mit Beweisen für die Existenz von Aliens herumschlägt, wird kaum hierzu gelangen und verschwendet insofern seine Zeit. Das führt mich zum nächsten Punkt:

3) Das Problem der Selbsterkenntnis:

Unglücklicher Weise ist der spirituelle Weg ein oft sehr mühseliger, manchmal auch schmerzhafter Weg. Denn man kommt nicht umhin, sich schonungslos mit sich selber auseinander zu setzen, mit seinen „Schatten“, seinen „Unzulänglichkeiten“, sich selbst aufs Genaueste zu untersuchen um all das zu überwinden und sich dann schließlich und endlich selbst loszulassen, nachdem man erkannt hat, dass alles das, wofür wir uns selber halten, nur ein Konzept ist, eine Interpretation, dass wir uns selbst erfinden – das ist wahrlich nicht immer angenehm und schon gar nicht einfach; zu sehr sind wir gefesselt an die Vorstellungen der materiellen Welt. In der Beschäftigung mit esoterischen Belangen sehe ich die Gefahr, dass man sich von sich selber ablenkt, sich nicht selbst ergründen will, weil man vielleicht Angst davor hat … das ist meistens der Grund. Aber der Weg der Selbsterkenntnis ist der Weg der Wahrheitsergründung, da ist kein Drumherumkommen. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache, und es ist auch keineswegs verwerflich, wenn man sagt: „Nö, ich beschäftige mich lieber mit Aliens.“ Warum auch nicht? Aber das ist keine Spiritualität.

Der Weg zur Selbsterkenntnis führt über die Achtsamkeit, was soviel bedeutet wie „sich jederzeit über die Bewegungen seiner Aufmerksamkeit von einem Objekt zum nächsten und von einem Moment zum nächsten im Klaren zu sein“ – das ist die Definition für vipâssana-Achtsamkeit, also Achtsamkeit, die zur höheren Erkenntnis führt. Wann immer wir uns mit gehirnakrobatischen Themen befassen – so heilig sie sein mögen, so erhaben sie klingen mögen – sind wir nicht achtsam! Auch ich selbst bin in diesem Moment, da ich dies schreibe, nicht achtsam!

Fazit:

Mir scheint nach dem Gesagten, schlussendlich dient die Beschäftigung mit esoterischen Inhalten doch in vielen Fällen und hinsichtlich der meisten Themen der Befriedigung des Ego. Dabei sage ich nichts gegen diese Inhalte an sich – es geht um den Umgang mit ihnen, was wir aus ihnen machen, welche Bedeutung wir ihnen zukommen lassen. Esoterik bewegt sich also ausschließlich im Bereich der relativen Welt, der Konzepte! Das ist ganz hübsch, phasenweise ganz amüsant … in jedem Fall aber spirituell weitestgehend fruchtlos, es sei denn, man erlebe die Esoterik aufgrund ihrer Beschaffenheit als eben über das normal-weltliche hinausgehend als „Sprungbrett“, als „Initialzündung“ zur Beschäftigung mit „überweltlichen Dingen“ und schließlich vielleicht mit Spiritualität.

Noch einmal: Esoterik ist nicht für sich genommen schlecht; man muss nur wissen, was man von ihr zu erwarten hat. Wenn es einem Spaß macht, kann man sicherlich Dänikens Bücher über Außerirdische lesen – ein gewisser Unterhaltungswert ist diesem und anderen esoterischen Themen sicherlich nicht abzusprechen. Von spiritueller Erbauung aber kann hingegen kaum die Rede sein. Wer Esoterik im Sinne einer „Spiritualität“ versteht, geht deutlich in die Irre, verirrt sich im Wald der Konzepte und Illusionen und verbaut mindestens sich selbst den Weg zur Befreiung von Leid in diesem Leben.

Das war ein langer Artikel, und viele Freunde werde ich mir mit ihm nicht gemacht haben. Aber es bleibt die Frage: Worum geht es eigentlich? Wohin soll die Reise gehen? Geht es ums Recht haben? Um Beweise? Oder doch wieder einmal nur ums Ego? Die Antwort, die die Spiritualität hierauf gibt, ist eindeutig: Wer (durch vipâssana-Achtsamkeit) Geistesruhe und Klarheit in sich zum Entstehen gelangen lässt, gewinnt hierdurch Erkenntnis des Wahren-Wesens aller Erscheinungen; mit dieser Erkenntnis einher geht die Einsicht in die allumfassende kosmische Harmonie / der göttlichen Liebe (oder wie auch immer) jenseits der Worte; diese Einsicht wiederum führt zu innerem Frieden. Dies ist das  Fundament für das Entstehen von Liebender Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut, und Liebende Güte, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut sind gleichzeitig das Fundament zur Entstehung von Achtsamkeit. Es geht nicht um intellektuelles Begreifen, um Beweisen, um Überzeugen oder was auch immer. Es geht nur um die Stille…

Das Einzige, was zählt, ist, im Jetzt-Hier achtsam und ganz präsent zu sein und den gegenwärtigen Moment liebevoll zu umarmen, und diese tief empfundene Liebe zum Sein weiterzugeben an alle Wesen. Alles andere führt von wirklicher Spiritualität meilenweit weg. Und wenn jemand ankommt und meint, es müsse eine neue, eine „beweisbare Spiritualität“ geben, dann untergräbt er alles, was sich in den letzten dreitausend Jahren an Spiritualität entwickelt hat. Es gibt überhaupt keine intellektuelle Spiritualität – das ist ein Widerspruch in sich. Wir können uns den Spaß machen, auf spiritueller Ebene wissenschaftlich zu argumentieren (zB mit der Schwingungstheorie u.ä.), aber es führt nirgendwo hin. Ich habe für mich dafür entschieden, den ganzen intellektuellen Ballast so weit es irgend geht über Bord zu werfen. Zum Preise eines Lebens aus dem tiefsten Herzen heraus. Ohne Beweise. Ohne Dogmen (auch keine buddhistischen!). Ohne Zwänge. Ohne Gewalt. Frieden finden – Liebe schenken.

„Wenn die Ansicht besteht, ‚die Seele ist das gleiche wie der Körper‘, kann das heilige Leben nicht gelebt werden; und wenn die Ansicht besteht, ‚die Seele ist eine Sache und der Körper eine andere‘, kann das heilige Leben nicht gelebt
werden. [Gleichviel] ob nun die Ansicht besteht, ‚die Seele ist das gleiche wie der Körper‘ oder die Ansicht, ‚die Seele ist eine Sache und der Körper eine andere‘- [sicher ist:] es gibt Geburt, es gibt Altern, es gibt Tod, es gibt Kummer, Klagen, Schmerz, Trauer und Verzweiflung, deren Vernichtung ich hier und jetzt erkläre.“
(Buddha, MN 63 „
Cúlamàlunkya Sutta“)[2]

 Wer weiß, der redet nicht,

und wer redet, der weiß nicht (Laotse)

Mit Metta
„Phra“ Michael


[1] Ich erlaube mir, hier einmal auf meine Homepage www.rafananda.de hinzuweisen; dort habe ich einen seeehr langen Aufsatz dem sehr schwierigen Thema Anatta (also Nicht-Selbst) gewidmet.

[2] Übersetzung: Kai Zumwinkel; Die Lehrreden des Buddha Gautama, Majjhima Nikaya – Mittlere Sammlung, Band 2, Rede 51 – 100;  die Ergänzungen in [ ] sind von mir.

„Es ist vollbracht … “ ;)

Namasté, Ihr Lieben 🙂

Nachdem Ihr mir so liebe Wünsche für die Prüfung übermittelt habt, will ich Euch auch nicht länger auf die Folter spannen 😀 : Seit gestern 11h05 habe ich nun also meine Zulassung zur Ausübung des Berufes des Heilpraktikers auf dem Gebiet der Psychotherapie“. Und auch, wenn ich es noch nicht so ganz realisiert habe, macht sich schon eine gewisse Erleichterung in mir bemerkbar.

Nun habe ich eigentlich nur noch einen Wunsch: Dass ich das Wissen, das ich im Laufe der Ausbildung erlangt habe, und dasjenige, das mir im Laufe der Zeit noch zuteil wird, zum Wohle vieler Menschen und meinem eigenen Wohle beitragen 🙂

SADHU …  SADHU …  SADHU

MAHA-METTA 2 U

„Phra“ Michael

„Per aspera ad astra“

„Über entbehrungsreiche Wege gelangt man zu den Sternen“

Namasté, Ihr Lieben 🙂

Der Eine oder die Andere mag sich möglicherweise bereits gefragt haben, warum auf diesem Blog nichts mehr erscheint. Also: Es liegt nicht daran, dass ich keine Lust mehr hätte zu schreiben, auch nicht daran, dass mir nichts mehr einfallen würde (im Gegenteil – ich habe an die zwanzig Artikel, die noch „auf Halde“ liegen). Auch bin ich weder Alogie noch Mutismus noch Demenz zum Opfer gefallen 😉 Ich bereite mich lediglich im Moment auf eine sehr, sehr wichtige Prüfung vor, deren Ausgang über den Gang meines weiteren Lebens entscheiden wird. Und somit fordert die Vorbereitung auf diese zurzeit meine ganze Kraft und Aufmerksamkeit.

Es fehlt mir, hier zu schreiben, und ich freue mich zudem darauf, endlich wieder ein paar Vorträge auf youtube stellen zu können. Vor allem aber werde ich nach der Prüfung endlich wieder Kurse geben und auch meinem Buch den letzten Schliff geben und verlegen können – darauf freue ich mich ganz besonders 🙂

Bis dahin heißt es aber nun einmal „per aspera ad astra“. Euch wünsche ich einstweilen eine wunderschöne Zeit im nun doch nahenden Frühling.

Bis bald und MAHA-METTA sendet von Herzen

„Phra“ Michael

„Abwun“ – Das ‚Vater Unser‘ auf aramäisch

Aramäisch ist die Sprache, die Jesus seinerzeit sprach. Mich berühren die beiden gesungenen Versionen, die ich gern mit Euch teilen möchte, ebenso, wie die (von dem uns bekannten Text des Vater Unser abweichenden) Übersetzung. Ich bin tief bewegt – vielleicht geht es Euch ja ähnlich.

Abwun d’bwashmaya
Nethqadash shmakh
Teytey malkuthakh
Nehwey tzevyanach aykanna d’bwashmaya aph b’arha.

Hawvlan lachma d’sunqanan yaomana
Washboqlan khaubayan (wakhtahayan)
aykana daph khnan shbwoqan l’khayyabayn
Abwoon D’Bashmaya

Wela tahlan l’nesyuna
Ela patzan min bisha
Metol dilakhie malkutha wahayla wateshbukhta
l’ahlam almin.
Ameyn.

O cosmic Birther,

from whom the breath of life comes

who fills all realms of sound, light and vibration

May Your light be experienced in my utmost holiest

Your heavenly Domain approaches

Let Your will come true in the universe (all that vibrates)

as on earth (that is material and dense)

Give us wisdom (understanding assistance) for our daily need

Detach the fetters and faults that bind us

Like we let go the guilt of others

Let us not be lost in superficial things (materialism, common temptations)

But let us be freed from what keeps us off from our true purpose.

From You comes the all-working will, the lively strength to act

The song that beautifies all and renews itself from age to age

Sealed in trust, faith and truth (I confirm with my entire being)

Zum 1. November

Peter Bichsel: November

 

Er fürchtete sich und wenn er zu jemandem sagte: „Es ist kälter geworden“, erwartete er Trost.

„Ja, November“, sagte dann der andere.

„Bald ist Weihnachten“, sagte er.

Er hatte Heizöl gekauft, er besaß einen Wintermantel, er war versorgt für den Winter, aber er fürchtete sich. Im Winter ist man verloren. Im Winter ist alles Schreckliche möglich. Krieg zum Beispiel. Im Winter kann die Stelle gekündigt werden, im Winter erkältet man sich. Man kann sich schützen gegen die Kälte, Halstuch, Mantelkragen, Handschuhe. Aber es könnte noch kälter werden.

Es nützt nichts, jetzt „Frühling“ zu sagen.

Die Schaufenster sind beleuchtet, sie täuschen Wärme vor. Aber die Kirchenglocken klirren. In den Wirtschaften ist es heiß, zu Hause öffnen die Kinder die Fenster und lassen die Wohnungstür offen, im Geschäft vergisst man seinen Hut.

Man bemerkt nicht, wie die Bäume Blätter fallen lassen. Plötzlich haben sie keine mehr. Im Aprilhaben sie wieder Blätter, im März vielleicht schon. Man wird sehen, wie sie Blätter bekommen.

Bevor er das Haus verlässt, zählt er sein Geld nach.

Schnee wird es keinen geben, Schnee gibt es nicht mehr.

Frierende Frauen sind schön, Frauen sind schön.

„Man muss sich an die Kälte gewöhnen“, sagte er, „man muss tiefer atmen

und schneller gehen“.-

„Was soll ich den Kindern zu Weihnachten kaufen?“ fragte er sich.

„Man wird sich an die Kälte gewöhnen“, sagte er zu dem anderen.

„Ja, es ist kälter geworden, November“, sagte der andere.

Kurzvortrag: Achtsamkeit

Mit diesem Kurzvortrag über die Achtsamkeit beginne ich eine ganze Reihe von kürzeren oder längeren Vorträgen zu Themen aus der buddhistischen Lehre, die man sich auf youtube in Ruhe anhören oder auch hier nachlesen kann. Viel Freude und Erbauung wünscht und sendet Metta

„Phra“ Michael

Transkript: Über die Achtsamkeit

Ich möchte mich heute einmal beschäftigen mit dem Thema „Achtsamkeit“. Was ist Achtsamkeit? Ich glaube, es gibt wohl kaum einen Begriff, der so häufig gebraucht ….. also natürlich vor allem im … Bereich Spiritualität gebraucht, und doch so missverstanden wird. Was ist Achtsamkeit?

Hm … vielleicht sollte wir damit beginnen zu schauen, was Achtsamkeit NICHT ist. Vielleicht einfach einmal zur Abgrenzung: Hm … Achtsamkeit wird sehr häufig verwechselt mit „Aufmerksamkeit“. Was ist Aufmerksamkeit? …. Wir sagen: „Ich widme einer Sache ganz meine Aufmerksamkeit“, oder: „Ich höre Dir aufmerksam zu“ – vielleicht tut Ihr das ja jetzt auch … ich weiß es natürlich nicht genau … ;o)

Nun, wie dem auch sei, …….. wenn wir einer Sache unsere Aufmerksamkeit widmen, dann bedeutet das, dass wir uns …. bewusst mit dem beschäftigen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit – ebenfalls bewusst – gerichtet haben. Also beispielsweise … hm … das Schreiben des Einkaufszettels … oder … wenn wir irgendetwas dekorieren – vielleicht den Altar hinter mir oder so. Das ist eine Form der bewussten Aufmerksamkeit. Wir sehen also, dass der Begriff Aufmerksamkeit und der Begriff Bewusstsein eng miteinander verknüpft sind. Was ist Bewusstsein? ……….. Bewusstsein ist das, was weiß, könnte man sagen. Das WAS weiß? Das weiß, was jetzt eben geschieht. In dem Moment, da ich mir darüber klar bin, dass ich etwas Bestimmtes tue, handele ich bewusst.

Im so genannten „Bedingten Entstehen“, das Buddha lehrt, heißt es: Wenn zum Beispiel ein Geräusch da ist, und dieses Geräusch trifft auf mein gesundes Ohr, dann entsteht „Hörbewusstsein“. Etwas präziser müsste man eigentlich sagen: Wenn ein Geräusch an mein Ohr dringt und meine Aufmerksamkeit richtet sich hin zu dem Aufeinandertreffen von Geräusch und Ohr, dann entsteht Hörbewusstsein. Diese Präzisierung ist nicht ganz unwichtig, denn die meisten Sinneseindrücke, die wir erfahren, führen nicht zu einem Sinnenbewusstsein. Das liegt daran, dass das Gehirn selektiert – selektive Wahrnehmung nennt man das. Würden wir …. So jedenfalls sagt es die Neurowissenschaft … alles wahrnehmen, .. also bewusst wahrnehmen, was an Sinneneindrücken unmittelbar auf uns einprasselt, würden wir auf der Stelle verrückt ….. Reizüberflutung. ….. Also trifft das Gehirn eine … Vor-Auswahl dessen, was für uns wichtig ist oder zu sein scheint, und davon ist abhängig, ob wir etwas bewusst wahrnehmen. Auf … auf Buddhistisch … übersetzt heißt das: Von dieser Vorselektion ist abhängig, ob …. nachdem ein Sinnenobjekt … Geräusch, Duft, Geschmack … was auch immer …. Auf unsere Sinnentür … Ohr, Nase, Zunge … ähm …. getroffen ist, ob dann auch Sinnesbewusstsein entsteht; diese drei zusammen werden als Kontakt bezeichnet …… und zwar Kontakt … oder Kontaktaufnahme könnte man vielleicht auch sagen, zu unserer Umwelt. … Ok, das war ein kurzer Exkurs ins Bedingte Entstehen, aber kommen wir zurück zur Aufmerksamkeit.

Hm … nachdem, was ich eben dargestellt habe wird deutlich, dass nur in einem sehr begrenzten Maße wirklich …. also dass wir wirklich bewusst … handeln … oder auch denken. Die meiste Zeit des Tages denken wir …. hören wir, sehen wir, haben ….. Sinneseindrücke … also … ähm …. Empfindungen zB auf der Haut, oder wir schmecken oder riechen …. Aber es ist uns nicht bewusst. Und wie wir gesehen haben, ist das gut so, denn wir wollen ja nicht verrückt werden … also ich jedenfalls nicht …. ;o) …

Also: Aufmerksamkeit kann bewusst irgendwo hin gerichtet werden. Ist das nicht der Fall, so reden wir gemeinhin landläufig nicht von Aufmerksamkeit … wenn wir etwas nicht mitbekommen, obwohl wir es mitbekommen könnten, wenn wir die Aufmerksamkeit bewusst darauf richten würden, heißt es, wir sind unaufmerksam. Das ikennen wir alle aus der Schule. In der Meditation aber sehen wir, dass unsere Aufmerksamkeit sich durchaus ständig bewegt … wir sind uns dessen nur nicht bewusst.

Hm …. Beispiel: Du sitzt in der Meditation und hast Deine Aufmerksamkeit bewusst auf Deinen Atmen gerichtet. Aber nicht konzentriert … also nicht …. In einem Fokus, der alles andere auschließt und unterdrückt …. Das ist Konzentration-Absorption … in der Konzentrations-Absorbtionsmeditation – wie sie heute leider … muss ich sagen … meist gelehrt und wie Meditation meist verstanden wird, wird jede … hm … jede Geistesregung unterdrückt und man … presst gleichermaßen seine Aufmerkamkeit auf den Atem. Das führt sicherlich zu schönen Ruhezuständen, aber erstens erlngt man dadurch keine Einsicht oder Erkenntnis … und das ist das Ziel der vipâssana-Meditation … und zweitens führt es sehr subtil zu Spannung. … Hm … ok .. ich will darauf jetzt nicht näher eingehen. Viel wichtiger ist: Wenn wir während der Betrachtung unseres Atems die …. Aufmerksamkeit …. sozusagen … an der langen Leine lassen, also sie sozusagen … hm … ihr erlauben, sich ganz natürlich zu bewegen, dann sehen wir, dass zwei Dinge passieren können: Das erste ist: Während wir den Atem betrachten (oder irgendein anderes Meditationsobjekt, das ist egal, aber bleiben wir mal beim Atem ..), also während wir den Atem betrachten, bewegt sich unsere Aufmerksamkeit blitzartig vom Atem weg und wieder zu ihm zurück. ………. Also nehmen wir an, es entsteht irgendwo ein Geräusch …. Ein Auto fährt unter Deinem Fenster vorbei …… dann neigt sich Deine Aufmerksamkeit für den Bruchteil einer Sekunde dorthin ……. Man kann nicht sagen, wie schnell oder wie lange, aber es ist nur der Bruchteil einer Sekunde. Genau das mitzubekommen, genau diesen Augenblick zu sehen, da die Aufmerksamkeit sich vom Atem wegbewegt und sich dem Geräusch entgegen neigt, das ist … der … oder ein entscheidender Punkt in der vipâssana-Meditation. Was passiert nämlich, wenn, uns diese Bewegung der Aufmerksamkeit bewusst ist, wir es wirklich mitbekommen haben? Die Aufmerkamkeit kommt unmittelbar wieder zurück zum Atem. So, und das ist Achtsamkeit! Achtsamkeit bedeutet, sich jederzeit darüber bewusst zu sein, wohin unsere Aufmerksamkeit sich neigt. Das ist die Definition von Achtsamkeit, oder besser, von „vipâssana-Achtsamkeit“, also einer Achtsamkeit, die zu Erkenntnis führt, einer Erkenntnis, wie wir ticken … wie wir funktionieren.

Ok, das war, also was ich jetzt beschrieben habe, ist der Idealfall – wir sehen, die Aufmerksamkeit neigt sich zum Geräusch, und Nanosekunden später ist sie schon wieder beim Atem …. dem Meditationsobjekt. Meist aber …. Also das Problem, das Einsteiger bei der Meditation oft haben … oder auch erfahrene Meditierende immer gern zu Beginn der Meditation, ist, dass wir wegdriften mit den Gedanken. Und das ist die zweite Alternative, die in der Meditation passieren kann. Und das bedeutet, wir sind für einen Moment unachtsam. Das kann viele Gründe haben – in der Regel ist das … oder liegt das daran, dass wir zu wenig Energie aufwenden … hmmmm  … um achtsam zu bleiben. Das ist die Herausforderung in der Meditation, immer das richtige Maß an Energie zu halten, sich darauf einzupendeln. Aber das ist ein anderes Thema. Mir geht es nun darum, dass wir … irgendwann merken, dass wir … gaaaanz weit weg sind mit den Gedanken …. Und wenn wir das merken, sind wir wieder bewusst …. Und in dem Moemnt, da wir bewusst sind, können wir auch bewusst die Aufmerksamkeit …. Gaaanz sanft wieder zum Atem führen. Und dann … sind wir wieder achtsam … :o) …. So einfach ist das.

Also: Achtsamkeit ist die Fähigkeit, sich die Dinge, die geschehen, bewusst zu halten. Ok? Das bezieht sich ebenso auf die Dinge im Außen … im so genannten Außen, wir im Innen … also der …. Hm …. unserer Gedanken. Die Aufgabe der vipâssana-Meditation besteht darin, uns darauf zu trainieren unsere Achtsamkeit aufrecht zu erhalten um jederzeit zu sehen, wenn ein Gedanke entsteht und dann frei entscheiden zu können ob wir diesen Gedanken denken wollen oder nicht – das ist Willensfreiheit auf buddhistisch :o)

Wir haben noch einen Moment Zeit, daher kurz noch ein Ausflug ins Anapanasati-Sutta respektive Satipatthana-Sutta[1] – da steht diesbezüglich das gleiche drin. Jedenfalls geht es um Atemachtsamkeit und der Buddha sagt hier: „So weilt der Mönch wissensklar und achtsam“. Das bedeutet … also „wissensklar“ bedeutet: Wissen, was man im gegenwärtigen Moment tut …. Duschen, Zwiebeln schneiden, gehen, sitzen, liegen, greifen nach etwas … was auch immer. Und „achtsam“ bedeutet: Immer beobachtend … stets beobachtend, wie und wohin sich die Aufmerksamkeit neigt.

Wenn wir also in der Meditation unsere Achtsamkeit trainieren … kultivieren, dann lernen wir, selbst die kleinsten Impulse, die in uns entstehen, sofort wahrzunehmen, sie uns bewusst zu machen …. Und das ist für den Alltag von größter Bedeutung, denn wir sehen sofort: Aha, Ärger ist da, Wut ist da, Eifersucht ist da … was auch immer. Und bevor es größeren Schaden anrichten kann, lassen wir es los. Achtsamkeit geht also immer dem anderen Modewort „Loslassen“ voraus. Ohne Achtsamkeit kein Loslassen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch liebevolle Achtsamkeit.

[End of tape]


[1] Lehrrede über die Atemachtsamkeit (MN 118) und Lehrrede über die Grundlagen der Achtsamkeit (MN 10)

„Wayseer“ oder „Waygoer“? – Ein alternatives Manifest

Namasté!

Ich las vor einigen Tagen das so genannte „Wayseer-Manifest“ von Garret John LoPorto. Es handelt sich um ein Manifest, das (in erster Linie wohl) spirituelle Menschen und Menschen mit politischem und Engagement für eine bessere Welt anspricht. Es hat seinerzeit weltweit in höchstem Maße Zuspruch gefunden, und das hat mich sehr nachdenklich gemacht. In meinen Augen sind Inhalt und Sprache (Aufruf zu Revolution und Staatsstreich / die faschistische Diktatur unseres Gehirns) höchst bedenklich und scheinen mir einzig darauf abzuzielen, Menschen in instabilen (psychischen) Lebenslagen für sich selbst (LoPorto) und LoPortos Sache zu gewinnen. Zahlen und neuropsychologische Ausführungen sind nicht belegt und Letztere inhaltlich verzerrt. Im Kern mag das, worum es ihm geht, ganz nachvollziehbar sein. Aber ich bin im Zweifel, ob es sich nicht doch um ein werbewirksames Mittel handelt, sich in der Welt bekannt zu machen und – guru-gleich – Anhänger zu werben, unter Ausnutzung ihrer vielleicht psychisch oder gesellschafltich misslichen Lage. Unter dem Deckmantel von Spiritualität und Nächstenliebe wird polarisiert und subtil zum Kampf gegen die Herrschenden aufgerufen. Aber das ist nur meine Ansicht; macht Euch hier selbst ein Bild, und wenn Ihr mögt, lest mal parallel die unten stehende Alternativ-Version, die ich bewusst nicht „Wegbereiter-Manifest“ sondern „WayGoer (Weg-Geher) – Manifest“) genannt habe.

The „WayGOer Manifest“

 An alle, die Ihr mühselig und beladen seid – die Ihr Altern und Tod, Schmerz und Klagen, Leid, Betrübnis und Verzweiflung erfahrt; Ihr, die Ihr verstanden habt, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, aber Euer Vertrauen und Eure Erkenntnis noch nicht stark genug sind, ganz im gefühlten Einklang mit dem Tao zu leben, ohne zu polarisieren oder gewaltsam Veränderung herbei führen zu wollen.

Du siehst Dinge, die andere nicht sehen; das ist eine Gnade, die es Dir ermöglicht, im Göttlichen Frieden zu finden und so Liebe unter die Menschen zu bringen: Auf diese Weise kannst Du die Welt verändern!

Anders als die meisten Menschen hast Du die Chance, durchlässig zu werden für die Inakzeptanz und den Druck und die Normen, die die Gesellschaft Dir aufzuzwängen versucht. Du wurdest geboren, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, in Gleichmut und innerem Frieden, und hierdurch sanft und gewaltlos Veränderung durch Liebe herbeizuführen. Denn jedes Aufzwängen der eigenen Geisteshaltung ist Gewalt, egal welchem Ziel sie dient.

Bilde Dir nicht ein, es gäbe ein Establishment, das Dich bedroht – lass Dir so etwas nicht einreden! Glaube weder der einen, noch der anderen Autorität, keinem Guru, keinem politischen Führer, nicht einmal der eigenen, der inneren Autorität. Dein Geist ist der Schöpfer dieser Welt, und aus Deinem Geist entsteht Dein Leid – nur ihn kannst Du zähmen. Die Menschen kannst Du nicht verändern, sondern nur Dich selbst – hin zu einer Geisteshaltung der Liebenden-Güte. Dieser Verzicht auf inneren Widerstand mag Dir als Schwäche ausgelegt werden, doch niemand ist stärker als der, der sich nicht von seinen wütenden oder traurigen Emotionen mitreißen lässt. Aus der tiefen Liebe inneren Friedens heraus bist Du in der Lage, Dinge zu bewegen – denn keinen Widerstand zu leisten bedeutet nicht, nichts zu verändern!! Es bedeutet nur, den gegenwärtigen Moment in Liebe anzunehmen und hieraus Kraft zu schöpfen. Doch mit jedem Engagement für Natur oder Politik, in welchem Dein EGO auch nur im Geringsten eine Rolle spielt, sitzt Du in der Falle und erfährst Leid … und hieraus entsteht Gewalt und Leid!

Es mag sein, dass Du eine psychische Unregelmäßigkeit aufweist. Die unerleuchtete Gesellschaft bezeichnet es als Krankheit, aber nicht, weil sie Dir etwas Böses will, sondern nur, weil sie nicht weiß, wie sie mit etwas umgehen soll, was sie nicht kennt – das macht ihr Angst. Dein Anderssein (sofern es keine hirnorganische Erkrankung ist) ist ein Portal, da Du weitaus sensibler bist für Dein Leid und das Leid Deiner Mitwesen – aber es macht Dich auch angreifbar und sehr verletzlich für Menschen, die Dich stigmatisieren. Bist Du abhängig von irgendwelchen Substanzen, Drogen, Alkohol oder was auch immer, zeitigt dies, dass Du lediglich die unverschuldete Unwissenheit und Torheit der Gesellschaft noch zu persönlich nimmst; werde durchlässig dafür; verurteile sie nicht, sondern hab Mitgefühl mit denen, die Dich abstempeln, denn die psychische Gewalt, die sie gegen Dich ausüben, richtet sich in Wirklichkeit nicht gegen Dich persönlich, sondern ist ein Zeichen von Angst, Unverständnis und Hilflosigkeit. Ein Phänomen, das jedem Rassismus zugrunde liegt. Nimm es nicht persönlich, sondern vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Das ist besonnenes Handeln. Mit dem Finger auf die Gesellschaft zu zeigen, nur weil sie auf Dich zeigt, ist unbesonnen!

Lass Dich nicht von irgendwelchen Gurus hinreißen zu heldenhaftem Verhalten; wir brauchen keine Helden! Sei einfach nur Du selbst. Du magst viele Gemeinsamkeiten haben mit Menschen, die vor Dir schon Großes in Sachen Liebe und liebevoller Veränderung geleistet haben. Aber vergleiche Dich nicht mit den großen Pionieren und Visionären, Innovatoren und schon gar nicht mit Revolutionären (!), denn es gibt kaum einen Revolutionär, durch dessen Hand nicht das Blut des Feindes geflossen wäre! Und auch nicht mit Heiligen, Buddhas oder Religionsgründern! Vorbilder sind auch nur Bilder … Konzepte. Bleib einfach ganz bei Dir, sei Dir selbst treu in liebevoller Selbstannahme.

Dem Wesen nach sind wir alle gleich! Alle Menschen! Glaube nicht und lass Dir nicht einreden, Du seiest irgendetwas Besseres als die, die den WEG noch nicht gefunden haben oder die Augen vor ihm verschließen. Tief in uns wissen wir alle, nicht nur wir Menschen, sondern alle Wesen (da es kein intellektuelles Wissen ist):

Alles, was im Kosmos seit jeher geschieht, jedes noch so kleinste Ereignis, die Bewegung jedes Sonnenstäubchens und jeder Schwingung ist entstanden, weil die Voraussetzungen für ihr Entstehen gegeben war! Somit ist  alles, was entsteht, in sich stimmig. Diese vollendete Insichstimmigkeit ist  vollendete Harmonie. Und vollendete Harmonie ist reine und absichtslose Liebe, die nichts bezweckt und auf nichts abzielt außer auf ihr Sein selbst. In diesem Bewusstsein zu leben führt zu Frieden. Dieses Bewusstsein selbst IST Friede! DAS IST DER WEG. Und diesem Weg kann sich niemand entziehen – wir alle sind in der kosmischen / göttlichen … Liebe, ob wir es wollen oder nicht!

Wenn aber alles seine Insichstimmigkeit hat, alles in Liebe ist, dann gehören unsere „Unzulänglichkeiten“ und „Fehler“ mit dazu! Denn nichts kann sein, was nicht Gottes / des Kosmos … „Wille“ ist. Lass Dir nicht von irgendwelchen Propheten einreden, es gäbe eine „Gestapo des Gehirns“, eine „faschistische Diktatur des präfrontalen Kortex“. Dieser Teil des Gehirns hat wie alles, was existiert, seinen Sinn; hätte er ihn nicht, hätte er sich in der Evolution nicht durchgesetzt. Gegen seine Funktion Widerstand zu leisten kommt einer Kritik an der Schöpfung selbst gleich! Dann ist der Schöpfer ein faschistischer Diktator!

Funktioniert diese Hirnregion nicht, so kann es zum Zerfall des Kurzzeitgedächtnisses oder der Langzeitplanung, zu emotionaler Verflachung [= Gleichgültigkeit], Anhedonie [Freudlosigkeit], Störung des sexuellen Antriebs und sozialwidrigem [also: den Interessen der Mitmenschen entgegenstehendem] Verhalten kommen.[1] Alles Dinge, die uns als Menschen ausmachen! Unser Gehirn ist weder böse noch funktioniert es falsch! Auch wenn Laien im Bereich Psychologie etwas anderes postulieren.

Eine Hand kann schlagen und eine Hand kann streicheln; ein Mund kann sagen „Ich hasse Dich“ und ein Mund kann sagen „Ich liebe Dich“; ein Körper kann Wohlgefühl in Dir erzeugen und auch Schmerz. Dieses Prinzip von Yin und Yang gilt für alles, inklusive dem präfrontalen Kortex – er macht uns manchmal das Leben schwer, aber er macht uns ebenso als Menschen aus. Lass Dir nicht einreden, dass irgendetwas an oder in uns „falsch“ wäre. Gehe nur besonnen mit dem um, was IST! Wir alle sind konditioniert und programmiert, aber einzig durch das „persönlich Nehmen“ dieser Strukturen, jener Vermutung „Mein Denken BIN ich“ und wenn wir sie deshalb festhalten, können sie uns gefährlich werden. Wenn wir sie einfach nur betrachten, brauchen wir sie nicht zu verurteilen und schon gar nicht verdrängen. Wir entscheiden in jeder Sekunde, ob wir ihnen nachgeben wollen oder nicht. Das ist Willensfreiheit, die zu einem liebevollen Umgang mit uns selbst führt!

Waygoer (Menschen, die den WEG gehen) sind diejenigen, die ihre eigenen Strukturen und Denkmuster erkennen, verstehen,  liebevoll annehmen und hierdurch Erkenntnis des All-Einen erlangen – denn sie sehen deutlich das kosmische Prinzip von „Nicht-Selbst“ [nichts, was geschieht, hat mit mir ‚persönlich zu tun], Vergänglichkeit [jedes Entstehen ist abhängig von dem, was vorher war] und Leid [nur, wenn ich „Nicht-Selbst“ und  „Vergänglichkeit“ nicht als kosmische Wahrheit annehme, leide ich unter ihnen]. Waygoer sind Erkennende, die in der Erkenntnis Frieden finden, und aus dem Frieden die Kraft, Dinge gewaltfrei zu verändern – ohne Revolution, ohne Rebellion!

Waygoer sind keine „alte Linie“ von besonders begnadeten Menschen, Priestern oder Ähnlichem! Wer so etwas behauptet, polarisiert und versucht, indem er das Selbstwertgefühl eines Verzweifelten aufwertet, ihn für seine Sache zu gewinnen … aber das ist bloße Marktschreierei und erinnert an den Rattenfänger von Hameln. Ein solcher polarisiert, erschafft künstlich Dualität durch Bewertung und das erzeugt Mauern! Und jede Mauer ist Gewalt! Niemand ist etwas Besseres! Spiel das Spiel von „good guy – bad guy“ nicht mit … und wenn es Dir noch so plausibel erscheint und noch so sehr Dein Herz anrührt. Alle großen Führer, die die Menschen schlussendlich ins Verderben geführt haben, versuchten geschickt, die Herzen der Verzweifelten anzusprechen – sie waren immer und sind noch immer leichte Beute. Nur die Besonnenen liefen nicht mit der Herde und heulten nicht mit den Wölfen!

Lenin sagte: „Die Philosophen haben die Welt nur unterschiedlich interpretiert; es geht aber darum, sie zu verändern.“ Doch er irrte! Es geht zu allererst darum, uns selbst zu verändern, und zwar hin zur Liebe! Die Veränderung der Welt folgt dann automatisch, weil die Welt sich der Liebe nicht entziehen kann. Licht ist immer stärker als Dunkelheit. Man kann Dunkelheit definieren durch Abwesenheit von Licht. Wer aber käme auf die Idee, Licht als die Abwesenheit von Dunkelheit zu definieren? Das liegt daran, dass Licht das Ursprüngliche ist. Erst wenn man es wegnimmt, entsteht Dunkelheit. Waygoer führen keine Revolutionen oder Staatsstreiche durch, weil sie wissen, dass hierdurch nur wieder Köpfe rollen, wie in Frankreich zwischen 1792–1794, als zum Wohle der Demokratie 16.594 Menschen auf der Guillotine den Tod fanden[2]. Solange wir uns nicht im Innersten verändern, kann niemand garantieren, dass sich die Geschichte nicht wiederholt! Zu Revolution und Staatsstreich aufzurufen ist aus dieser Sicht grob fahrlässig; wir sind noch nicht so weit!

Und nun: Glaube nichts von dem, was Du soeben gelesen hast! So sehr es Dich auch anrühren mag, so plausibel es Dir auch erscheinen mag! Fühle in Dich hinein und prüfe, ob es anklingt, ob es so sein könnte. Prüfe kritisch und glaube mir kein Wort!

„Ehi-passiko“ – KOMM UND SIEH SELBST!

Liebende-Güte wünscht und sendet Euch von Herzen

 

„Phra“ Michael


[1] zur (dringend angeratenen) Vertiefung, einfach einmal hier klicken

[2] Opferzahl der franz. Revolution nach wikipedia unter Berufung auf Donald Greer