Metta-Dhammayana-Vortrag

Seid gegrüßt!

Seit September diesen Jahres leite ich ja die Metta-Dhammayana Dharma-Gruppe in Münster, und am Ende jeder Sitzung halte ich einen kleinen einstündigen Vortrag zu mehr oder weniger allgemeinen spirituellen Themen, die ich dann auch danach auf youtube stelle; Aufhänger ist jeweils die für Meditations-Seminare „klassische“ Lehrrede des Buddha über die 4 Grundlagen der Achtsamkeit. Heute möchte ich denjenigen vom vergangenen Sonntag einmal auch hier zur Verfügung stellen, denn sie enthält, wie ich finde, ganz interessante Aspekte, die mir während des Vortrags eingefallen sind. Viel Freude und Erbauung damit 🙂

Mit Metta

„Phra“ Michael

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Selbst-Reflexion

„Die Seele nährt sich nämlich von dem, wovon sie isst,

entweder von dieser Welt oder vom Geist Gottes“

(Makarios, christlicher Mystiker)

 Einige Tage ist es nun bereits her, dass ich schließlich jene wichtige Prüfung absolviert habe, die mich so lange Monate in Atem gehalten hatte. Es war eine Zeit, in der mein gesamter Fokus sich darauf ausrichtete, psychiatrische Erkrankungen zu erkennen, zu benennen, woran man sie erkennt, ob ihre Ursache hirnorganisch oder „reaktiv“ ist, wie man sie behandelt – psychotherapeutisch (und wenn, mit welcher Methode) oder pharmakologisch oder beides, welche Wirkung Psychopharmaka haben, welche Gefahren sie bergen und … und … und …

Und nun? Noch immer spüre ich die Nachwirkungen dieser vielen Monate, noch immer erwische ich mich dabei, wie ich beim Kaffeekochen in Gedanken das Neurosenmodell von Freud durchgehe oder woran man ein Alkoholentzugssyndrom erkennt. Noch immer bin ich getrieben und fühle mich gehetzt vom viel zu schnellen Zeitablauf, der es nie erlaubt, alles zu erledigen, was man sich zu erledigen vorgenommen hat. Von Freude oder Entspanntheit nach einer bestandenen Prüfung keine Spur. Vielmehr kommt mir in den Erinnerung – und der Sinn ist mir selten so offensichtlich geworden wie jetzt – was Goethe seinen Faust hat sagen lassen:

 Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor

 Amüsanter Weise trifft alles hiervon auf mich zu. Und nun? Ich habe meinen Geist mit viel, viel Wissen ange“reich“ert, aber wo ist meine Geistesruhe hin? Wo das tiefe Empfinden für das All-Eine, die allumfassende Liebe, das Wesen der Dreifaltigkeit, das Spüren der wortlosen Wurzel des Tao in mir, des Wahren-Wesens der zehntausend Erscheinungen? Wo ist all das hin, was ich in meinen Blogeinträgen ebenso aus tiefstem Herzen wie in meinen Kursen zu Meditation und meinen Broschüren und meinem Buch den Menschen zugänglich zu machen versuche?

Zwei Tage habe ich diese Fragen mit mir herumgetragen, und auch dieses Gefühl von Zerrissenheit, fast Traurigkeit – ich hatte gewissermaßen meine Seele an den Teufel, den Diabolos, den „Durcheinanderbringer“ (das ist ja die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Teufel) verkauft. Vielleicht ist das der Grund, warum keine rechte Freude aufkommen will in mir. Ich habe über Jahre hinweg erlebt, wie es ist, weitgehend losgelöst von Luxus, Geld, Prestige und Ehre zu leben, mich zu bescheiden, habe meinen Schülern immer wieder gesagt: „Sammelt nicht zu viel Wissen an – es führt zu nichts“. Damit war ich in eine wundervolle gleichmütige Grundhaltung gelangt. Doch die Beschäftigung mit den Ausbildungsinhalten hat mich dort völlig herausgerissen. Mein Ego jauchst und jubiliert und tanzt in meinem Bauch und meinem Kopf und stampft dabei wie Rumpelstilzchen all das Glück und den Frieden und die Freude, die ich in der Formlosigkeit gefunden hatte, in den Boden. Ja, sogar jetzt, in diesem Augenblick, da ich dieses hier schreibe, schreibt mein Ego und lässt mich glauben, es wäre der Michael, der tief erkannt hat und wieder einmal seinem Ego auf die Schliche gekommen ist. So perfide funktioniert unser Ego, dass es um des Selbsterhaltes Willen sogar vortäuscht, besiegt zu sein und stellt sich tot. „Der „Phra“  Michael, der ehemalige buddhistische Mönch Michael, der Lehrer für Meditation und Buddhismus hat mich überwunden – ich strecke die Waffen“. Solange aber noch ein Hauch von „Phra“ oder Meditationslehrer oder Lehrer für Buddhismus in mir ist, hält das Ego das Zepter in der Hand!! Und des Ego Fahne hat einen neuen Stern erhalten, mit dem Namen „psychotherapeutischer Heilpraktiker“…

Es ist eine enorm wichtige Erkenntnis zu sehen, wie sehr unser Geist wieder zurückfällt in die alten Strukturen und Muster des „Formweltlichen“. Und wie geht man damit um? Nun, ich nehme alsbald die Arbeit an meiner Broschüre über die Vergebungsmeditation wieder auf, die ich jahrelang praktiziert habe. Und genau an dieser Stelle sollte ich anknüpfen: Die Art, wie mein Geist auf die Ereignisse der letzten 12 oder 15 Monate nun reagiert, ist normal. Er reagiert, wie er es gelernt hat, er frisst, was man ihm zu fressen gibt – gibt man ihm Weltliches, nährt er sich von Weltlichem, gibt man ihm Geistiges, so nährt er sich von Geistigem. Es ist unser Überlebenstrieb, der Drang, uns zu behaupten in der Gesellschaft, der uns immer und immer wieder dahin treibt, uns selbst vor Augen zu halten, wie toll, wertvoll, wichtig, gelehrt, gebildet, gut aussehend, erfolgreich etc wir sind. Sollen wir unser Ego für diesen Überlebenstrieb verurteilen? Oder wollen wir ihm verzeihen?

Ich habe mich für Letzteres entschieden – ich werde loslassen den Stolz auf und die Freude über die bestandene Prüfung, werde nicht wieder anbeten das goldene Kalb, sondern mich einfach wieder auf mein Meditationskissen niedersetzen, mit verschränkten Beinen, den Köper gerade aufgerichtet, die Achtsamkeit mir gegenwärtig haltend, und achtsam eben einatmen und ausatmen. Lang einatmend, wissen: «Ich atme lang ein»; lang ausatmend, wissen: «Ich atme lang aus». Kurz einatmend, wissen: «Ich atme kurz ein»; kurz ausatmend, wissen: «Ich atme kurz aus». «Den ganzen (Atem-)Körper empfindend, mag ich einatmen», (…) ; «Den ganzen (Atem-)Körper empfindend, mag ich ausatmen», (…). «Die (Atem-)Körper-Funktion beruhigend, mag ich einatmen», (…);«Die (Atem-)Körper-Funktion beruhigend, mag ich ausatmen», (…) Ebenso wie (…) ein geschickter Drechsler oder Drechslergeselle, wenn er lang anzieht, weiß: «Ich ziehe lang an»; wenn er kurz anzieht, weiß: «Ich ziehe kurz an», – ebenso, (…), weiß da der Mönch, wenn er lang einatmet: «Ich atme lang ein»; lang ausatmend wissen: «Ich atme lang aus». (…) Die zehntausend Dinge betrachtend in ihrem Werden, die zehntausend Dinge betrachten in ihrem Vergehen. Unabhängig, und ohne an irgendetwas anzuhaften“ (frei nach der Lehrrede des Buddha über die Atemachtsamkeit in der Übersetzung vom ehrw. Nyanaponika)

Und ich sehe mit Freude meiner Wiedergeburt ins Formlose entgegen – inshallah

Mit Metta

„Phra“ Michael

Harmonische Kommunikation – gewaltfreie Kommunikation

Warum müssen die Menschen immer so viel reden? Sie labern und labern und labern. Können sie nicht einfach einmal still sein?

(frei zitiert nach dem Film Ben X, Belgien 2007)

Der neueste Artikel von Meike (dieser hier) hat mich dankenswerter Weise daran erinnert, dass ich schon seit Längerem einen Artikel in der Schublade liegen habe, den ich nun einmal posten werde. Es geht um Harmonische Kommunikation. Harmonische Kommunikation ist sowohl das Dritte Glied des Edlen Achtfachen Pfades (dem Pfad zum Erwachen, wie Buddha ihn lehrte), als auch die vierte von Buddha gelehrte Tugendregel (musāvādā veramani sikkhāpadaṃ samādiyāmi: Ich gelobe, mich darin zu üben, nicht zu lügen und wohlwollend zu sprechen.) Hieran sieht man, dass Buddha großen Wert auf eine inhaltlich und auch sprachlich liebevolle Rede gelegt hat.

26. „Und was, Freunde, ist harmonische Rede? Enthaltung von unwahrer Rede, Enthaltung von böswilliger Rede, Enthaltung von groben Worten, und Enthaltung von sinnlosem Geschwätz – dies wird harmonische Rede genannt.“[1]

Zwei Dinge ziehen sich durch die gesamte buddhistischen Lehre: 1. liebevoll zu sich selbst zu sein, indem man innere Spannung durch innere Konflikte entspannt, und 2. liebevoll zu seinen Mitwesen zu sein. Letzteres zielt aber wiederum darauf ab, nicht in einen inneren Spannungszustand zu geraten, sondern weich, sanft und ruhig zu sein. Und natürlich ist das auch das Ziel der Harmonischen Kommunikation. Ich habe, nachdem ich über längere Zeit einmal die buddhistischen Grundsätze zur Harmonischen Kommunikation studiert habe, die entscheidenden Punkte zusammengefasst; wenn man diese einhält, vermeidet man Spannung im Innen und in Außen und praktiziert „gewaltfreie Kommunikation“:

Buddha lehrte die folgenden vier Punkte[2]:

Enthaltung von unwahrer Rede:

„Da, Cunda, ist einer ein Lügner: Befindet er sich in einer Gemeindeversammlung, in einer (anderen) Zusammenkunft, unter Verwandten, in der Gilde, oder wird er vor Gericht geladen und als Zeuge befragt: ‚Komm, lieber Mann, sage aus, was du weißt!‘, so sagt er, obwohl er nichts weiß: ‚Ich weiß es‘, oder wenn er etwas weiß: ‚Ich weiß es nicht‘. Obwohl er nichts gesehen hat, sagt er ‚Ich habe es gesehen‘, oder wenn er etwas gesehen hat: ‚Ich habe es nicht gesehen‘. So spricht er um seinetwillen oder um eines anderen willen oder um irgendeines weltlichen Vorteils willen eine bewußte Lüge.“

Enthaltung von böswilliger Rede:

„Er ist ein Zwischenträger: Was er hier gehört hat, erzählt er dort wieder, um diese zu entzweien; und was er dort gehört hat, erzählt er hier wieder, um jene zu entzweien. So entzweit er die Einträchtigen, hetzt die Entzweiten auf, findet Freude, Lust und Gefallen an Zwietracht, und Zwietracht fördernde Worte spricht er.“

Enthaltung von groben Worten:

„Er bedient sich roher Worte: Worte, die scharf sind, hart und andere verbittern, die von Verwünschungen und Gehässigkeiten erfüllt sind und nicht zur Sammlung des Geistes führen: solcher Worte bedient er sich“,   und

Enthaltung von sinnlosem Geschwätz:

„Er ist ein Schwätzer: Er redet zur Unzeit, unsachlich, zwecklos, nicht im Sinne der Lehre und Zucht; er führt Reden, die wertlos sind, unangebracht, ungebildet, unangemessen und sinnlos.“

Hier geht es insgesamt aber nicht nur um eine liebenswerte Art, mit anderen zu kommunizieren, sondern auch mit uns selber, unseren „inneren Dialog“. Eine liebevolle Ansprache an uns selbst ist besonders dann hilfreich, wenn es darum geht, uns selbst zu vergeben.

Jede Art von Selbstkritik oder Ärger, Widerwillen, Sorge, Angst, Unlust, Ablehnung und jede Spielart von „Ich will die Dinge anders als sie jetzt-hier sind“, die wir in Bezug auf uns selber äußern, bedeutet: Herausfallen aus der inneren Harmonie des gegenwärtigen Momentes. Dies wiederum unterstützt uns in dem Glauben an daran, dass wir unser Ego, das Konzept, das wir von uns haben, sind und führt zu exzessivem Anhaften und Grübeln. Dadurch verhärtet sich unser Geist uns selbst gegenüber und auch gegenüber unserer Umwelt.

Meditation, d.h. die Praxis mentaler Höherentwicklung, ist das Erlernen, die Ereignisse des gegenwärtigen Momentes liebevoll anzunehmen, und diese liebevolle Annahme uns und jedweder Person, mit der wir grade zusammen sind, mitzuteilen. Und wer ist die Person, mit der wir am meisten Zeit verbringen? Wir selber! Also sollten wir wirklich beginnen, liebevoll und gütig zu uns selbst zu sein, unser „inneres Kind“ zu pflegen und lieb zu haben.

 „Niemand, der sich selbst wahrhaft liebt, wird je einem anderen Wesen Leid zufügen“ (Buddha)

 „Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst“ (Jesus)

Hier setzt auch wieder das von mir stets angepriesene Lächeln an: Dieses hilft, liebevolle und gütige Gedanken zu kultivieren.

Unter Harmonischer Kommunikation ist schließlich auch zu verstehen, achtsam darauf zu sein, den Anderen nicht mit dummem und sinnlosem Geschwätz zu belästigen oder von seiner eigenen Achtsamkeit abzulenken; zudem zu vermeiden, durch Erlebnisberichte wie den morgendlichen Stau, die eigene Ehekrise oder andere unangenehme Situationen andere Menschen an unserem Leid Teil haben zu lassen, ohne dass sie uns dazu eingeladen haben. Die moderne Psychologie weiß: Alles was uns zugetragen wird fasst unser Geist zunächst als eigenes Erleben auf! Das ist das Grundprinzip des Entstehens von Mitleid. So wenig jedoch, wie ich unter dem Leid eines anderen leiden möchte, möge der andere unter meinem Leid leiden. Wir alle wollen gar nicht leiden. Daher ist Harmonische Kommunikation so wichtig.

„Ich aber sage Euch, die Menschen müssen Rechenschaft ablegen am Jüngsten Tag über jedes unnütze Wort, das sie gesprochen haben. Aus Deinen Worten wirst Du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst Du verdammt werden“ (Matth. 12, 36)

  „… denn Sankt Augustinus spricht: ‚Alle Gedanken und Worte, die ich rede, die weder mir noch meinem Nächsten zur ewigen Seligkeit nütze sind, weisen mich auf den Weg zur Hölle’.“ (Meister Eckhart)

 „Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte,denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen,denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal“. (Talmud)

In einer Übersicht könnte man die Harmonische Kommunikation wie folgt zusammenfassen:

Die folgenden Leitlinien beziehen sich immer auch auf die Kommunikation mit uns selbst (innerer Dialog)!

0] GRUNDSATZ: Halte Dich an das Gebot des Schweigens! Das bedeutet, schweige eigentlich erst einmal immer – und zwar nach Innen (in Gedanken) und nach Außen.

1] Erste Ausnahme zum Gebot des Schweigens:
Aber natürlich können wir nicht immerzu schweigen; darum ging es auch Buddha nicht! Deswegen mag man den Grundsatz erweitern auf: Sprich nur dann, wenn Du darum gebeten wirst; achte in diesem Fall auf eine liebevolle und Deinen Fähigkeiten gemäß niveauvolle Sprache, sprich in gemäßigtem und unaufdringlichem Tonfall.

Rückausnahme:
Es ist also in Ordnung, beizeiten zu reden, aber vermeide dabei persönliche Werturteile und Meinungskundgebungen! Sie können zu Streit führen und zu emotionaler Verwicklung. Halte Dich stattdessen an Fakten.

Rückausnahme von der Rückausnahme:
Aber auch Meinungsäußerungen können in Ordnung sein, wenn sie Deiner Liebe zum Dharma / dem Tao / dem Göttlichen (…) Ausdruck verleihen.

2] Zweite Ausnahme zum Gebot des Schweigens:
Es ist manchmal geboten, nicht nur zu sprechen, wenn wir selber angesprochen werden; es gilt auch manchmal, das Wort selbst zu ergreifen. Das ist jedenfalls der Fall, wenn

eine Aussage für den Adressaten von Belang oder Wichtigkeit ist; halte also keine wichtigen Informationen zurück (z.B. wenn Du weißt, auf der a§ ist Stau, und Dein Kollege fährt über sie nach Hause.)
Du selber eine Information dringend benötigst
Wenn für einen liebevollen Umgang mit den Mitmenschen Kommunikation angezeigt ist (Wenn Du zB jemanden siehst, der traurig ist, kannst Du ihn natürlich ansprechen)

3] Dritte Ausnahme zum Gebot des Schweigens:
Wenn Du mit Deiner Aussage zur allgemeinen Erheiterung beitragen kannst; Lachen und Freude ist immer gut, sie enthärtet unseren Geist.
 
Rückausnahme:
Der Spaß hat aber ein Ende, wenn die Erheiterung zynisch, bissig, gehässig oder sonst negativ ist oder auf Kosten anderer Menschen geht.

4] Vierte Ausnahme zum Gebot des Schweigens: Small-Talk in lockerer Runde.
Entspannte Kommunikation mit den Mitmenschen ist äußerst wichtig. Jedoch: Sei hier in besonderem Maße achtsam auf die Einhaltung der Grundsätze über die „Harmonische Kommunikation“, insbesondere darauf, dass Du

– Dich nicht selber in den Vordergrund spielst
– mit Deiner Aussage niemanden in Misskredit bringst
– nicht grob redest, insbesondere keine Fäkalsprache benutzt
– nach Möglichkeit nicht über negative Erlebnisse und Empfindungen sprichst

Bedenke auch die Grundsätze über nonverbale Kommunikation (Gestik, Sprechakte etc); der „Effenberg-Finger“ oder die herausgestreckte Zunge sollten ebenso vermieden werden wie boshafte Rede.

Sich an diese Grundsätze zu halten (und somit gewaltfreie Kommunikation zu üben) ist gleichzeitig wieder (wie alle Tugendregeln im Buddhismus) eine hervorragende Achtsamkeitsübung 🙂 – wir bleiben die ganze Zeit über in der Bebachtung unseres Geistes und lernen viel über seine Funktionsweise, vor allem, wie unheilsame Gedanken entstehen und wie es dann zu Ärger und bösen Worten kommt.

Versuche es einmal, es ist wirklich spannend und der Mühe wert.

METTA & SMILES 2 U

„Phra“ Michael

 


[1] MN 141

[2] AN (= Anguttara Nikaya = angereihte Lehrredensammlung) 10, 176

Kurzvortrag: Achtsamkeit

Mit diesem Kurzvortrag über die Achtsamkeit beginne ich eine ganze Reihe von kürzeren oder längeren Vorträgen zu Themen aus der buddhistischen Lehre, die man sich auf youtube in Ruhe anhören oder auch hier nachlesen kann. Viel Freude und Erbauung wünscht und sendet Metta

„Phra“ Michael

Transkript: Über die Achtsamkeit

Ich möchte mich heute einmal beschäftigen mit dem Thema „Achtsamkeit“. Was ist Achtsamkeit? Ich glaube, es gibt wohl kaum einen Begriff, der so häufig gebraucht ….. also natürlich vor allem im … Bereich Spiritualität gebraucht, und doch so missverstanden wird. Was ist Achtsamkeit?

Hm … vielleicht sollte wir damit beginnen zu schauen, was Achtsamkeit NICHT ist. Vielleicht einfach einmal zur Abgrenzung: Hm … Achtsamkeit wird sehr häufig verwechselt mit „Aufmerksamkeit“. Was ist Aufmerksamkeit? …. Wir sagen: „Ich widme einer Sache ganz meine Aufmerksamkeit“, oder: „Ich höre Dir aufmerksam zu“ – vielleicht tut Ihr das ja jetzt auch … ich weiß es natürlich nicht genau … ;o)

Nun, wie dem auch sei, …….. wenn wir einer Sache unsere Aufmerksamkeit widmen, dann bedeutet das, dass wir uns …. bewusst mit dem beschäftigen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit – ebenfalls bewusst – gerichtet haben. Also beispielsweise … hm … das Schreiben des Einkaufszettels … oder … wenn wir irgendetwas dekorieren – vielleicht den Altar hinter mir oder so. Das ist eine Form der bewussten Aufmerksamkeit. Wir sehen also, dass der Begriff Aufmerksamkeit und der Begriff Bewusstsein eng miteinander verknüpft sind. Was ist Bewusstsein? ……….. Bewusstsein ist das, was weiß, könnte man sagen. Das WAS weiß? Das weiß, was jetzt eben geschieht. In dem Moment, da ich mir darüber klar bin, dass ich etwas Bestimmtes tue, handele ich bewusst.

Im so genannten „Bedingten Entstehen“, das Buddha lehrt, heißt es: Wenn zum Beispiel ein Geräusch da ist, und dieses Geräusch trifft auf mein gesundes Ohr, dann entsteht „Hörbewusstsein“. Etwas präziser müsste man eigentlich sagen: Wenn ein Geräusch an mein Ohr dringt und meine Aufmerksamkeit richtet sich hin zu dem Aufeinandertreffen von Geräusch und Ohr, dann entsteht Hörbewusstsein. Diese Präzisierung ist nicht ganz unwichtig, denn die meisten Sinneseindrücke, die wir erfahren, führen nicht zu einem Sinnenbewusstsein. Das liegt daran, dass das Gehirn selektiert – selektive Wahrnehmung nennt man das. Würden wir …. So jedenfalls sagt es die Neurowissenschaft … alles wahrnehmen, .. also bewusst wahrnehmen, was an Sinneneindrücken unmittelbar auf uns einprasselt, würden wir auf der Stelle verrückt ….. Reizüberflutung. ….. Also trifft das Gehirn eine … Vor-Auswahl dessen, was für uns wichtig ist oder zu sein scheint, und davon ist abhängig, ob wir etwas bewusst wahrnehmen. Auf … auf Buddhistisch … übersetzt heißt das: Von dieser Vorselektion ist abhängig, ob …. nachdem ein Sinnenobjekt … Geräusch, Duft, Geschmack … was auch immer …. Auf unsere Sinnentür … Ohr, Nase, Zunge … ähm …. getroffen ist, ob dann auch Sinnesbewusstsein entsteht; diese drei zusammen werden als Kontakt bezeichnet …… und zwar Kontakt … oder Kontaktaufnahme könnte man vielleicht auch sagen, zu unserer Umwelt. … Ok, das war ein kurzer Exkurs ins Bedingte Entstehen, aber kommen wir zurück zur Aufmerksamkeit.

Hm … nachdem, was ich eben dargestellt habe wird deutlich, dass nur in einem sehr begrenzten Maße wirklich …. also dass wir wirklich bewusst … handeln … oder auch denken. Die meiste Zeit des Tages denken wir …. hören wir, sehen wir, haben ….. Sinneseindrücke … also … ähm …. Empfindungen zB auf der Haut, oder wir schmecken oder riechen …. Aber es ist uns nicht bewusst. Und wie wir gesehen haben, ist das gut so, denn wir wollen ja nicht verrückt werden … also ich jedenfalls nicht …. ;o) …

Also: Aufmerksamkeit kann bewusst irgendwo hin gerichtet werden. Ist das nicht der Fall, so reden wir gemeinhin landläufig nicht von Aufmerksamkeit … wenn wir etwas nicht mitbekommen, obwohl wir es mitbekommen könnten, wenn wir die Aufmerksamkeit bewusst darauf richten würden, heißt es, wir sind unaufmerksam. Das ikennen wir alle aus der Schule. In der Meditation aber sehen wir, dass unsere Aufmerksamkeit sich durchaus ständig bewegt … wir sind uns dessen nur nicht bewusst.

Hm …. Beispiel: Du sitzt in der Meditation und hast Deine Aufmerksamkeit bewusst auf Deinen Atmen gerichtet. Aber nicht konzentriert … also nicht …. In einem Fokus, der alles andere auschließt und unterdrückt …. Das ist Konzentration-Absorption … in der Konzentrations-Absorbtionsmeditation – wie sie heute leider … muss ich sagen … meist gelehrt und wie Meditation meist verstanden wird, wird jede … hm … jede Geistesregung unterdrückt und man … presst gleichermaßen seine Aufmerkamkeit auf den Atem. Das führt sicherlich zu schönen Ruhezuständen, aber erstens erlngt man dadurch keine Einsicht oder Erkenntnis … und das ist das Ziel der vipâssana-Meditation … und zweitens führt es sehr subtil zu Spannung. … Hm … ok .. ich will darauf jetzt nicht näher eingehen. Viel wichtiger ist: Wenn wir während der Betrachtung unseres Atems die …. Aufmerksamkeit …. sozusagen … an der langen Leine lassen, also sie sozusagen … hm … ihr erlauben, sich ganz natürlich zu bewegen, dann sehen wir, dass zwei Dinge passieren können: Das erste ist: Während wir den Atem betrachten (oder irgendein anderes Meditationsobjekt, das ist egal, aber bleiben wir mal beim Atem ..), also während wir den Atem betrachten, bewegt sich unsere Aufmerksamkeit blitzartig vom Atem weg und wieder zu ihm zurück. ………. Also nehmen wir an, es entsteht irgendwo ein Geräusch …. Ein Auto fährt unter Deinem Fenster vorbei …… dann neigt sich Deine Aufmerksamkeit für den Bruchteil einer Sekunde dorthin ……. Man kann nicht sagen, wie schnell oder wie lange, aber es ist nur der Bruchteil einer Sekunde. Genau das mitzubekommen, genau diesen Augenblick zu sehen, da die Aufmerksamkeit sich vom Atem wegbewegt und sich dem Geräusch entgegen neigt, das ist … der … oder ein entscheidender Punkt in der vipâssana-Meditation. Was passiert nämlich, wenn, uns diese Bewegung der Aufmerksamkeit bewusst ist, wir es wirklich mitbekommen haben? Die Aufmerkamkeit kommt unmittelbar wieder zurück zum Atem. So, und das ist Achtsamkeit! Achtsamkeit bedeutet, sich jederzeit darüber bewusst zu sein, wohin unsere Aufmerksamkeit sich neigt. Das ist die Definition von Achtsamkeit, oder besser, von „vipâssana-Achtsamkeit“, also einer Achtsamkeit, die zu Erkenntnis führt, einer Erkenntnis, wie wir ticken … wie wir funktionieren.

Ok, das war, also was ich jetzt beschrieben habe, ist der Idealfall – wir sehen, die Aufmerksamkeit neigt sich zum Geräusch, und Nanosekunden später ist sie schon wieder beim Atem …. dem Meditationsobjekt. Meist aber …. Also das Problem, das Einsteiger bei der Meditation oft haben … oder auch erfahrene Meditierende immer gern zu Beginn der Meditation, ist, dass wir wegdriften mit den Gedanken. Und das ist die zweite Alternative, die in der Meditation passieren kann. Und das bedeutet, wir sind für einen Moment unachtsam. Das kann viele Gründe haben – in der Regel ist das … oder liegt das daran, dass wir zu wenig Energie aufwenden … hmmmm  … um achtsam zu bleiben. Das ist die Herausforderung in der Meditation, immer das richtige Maß an Energie zu halten, sich darauf einzupendeln. Aber das ist ein anderes Thema. Mir geht es nun darum, dass wir … irgendwann merken, dass wir … gaaaanz weit weg sind mit den Gedanken …. Und wenn wir das merken, sind wir wieder bewusst …. Und in dem Moemnt, da wir bewusst sind, können wir auch bewusst die Aufmerksamkeit …. Gaaanz sanft wieder zum Atem führen. Und dann … sind wir wieder achtsam … :o) …. So einfach ist das.

Also: Achtsamkeit ist die Fähigkeit, sich die Dinge, die geschehen, bewusst zu halten. Ok? Das bezieht sich ebenso auf die Dinge im Außen … im so genannten Außen, wir im Innen … also der …. Hm …. unserer Gedanken. Die Aufgabe der vipâssana-Meditation besteht darin, uns darauf zu trainieren unsere Achtsamkeit aufrecht zu erhalten um jederzeit zu sehen, wenn ein Gedanke entsteht und dann frei entscheiden zu können ob wir diesen Gedanken denken wollen oder nicht – das ist Willensfreiheit auf buddhistisch :o)

Wir haben noch einen Moment Zeit, daher kurz noch ein Ausflug ins Anapanasati-Sutta respektive Satipatthana-Sutta[1] – da steht diesbezüglich das gleiche drin. Jedenfalls geht es um Atemachtsamkeit und der Buddha sagt hier: „So weilt der Mönch wissensklar und achtsam“. Das bedeutet … also „wissensklar“ bedeutet: Wissen, was man im gegenwärtigen Moment tut …. Duschen, Zwiebeln schneiden, gehen, sitzen, liegen, greifen nach etwas … was auch immer. Und „achtsam“ bedeutet: Immer beobachtend … stets beobachtend, wie und wohin sich die Aufmerksamkeit neigt.

Wenn wir also in der Meditation unsere Achtsamkeit trainieren … kultivieren, dann lernen wir, selbst die kleinsten Impulse, die in uns entstehen, sofort wahrzunehmen, sie uns bewusst zu machen …. Und das ist für den Alltag von größter Bedeutung, denn wir sehen sofort: Aha, Ärger ist da, Wut ist da, Eifersucht ist da … was auch immer. Und bevor es größeren Schaden anrichten kann, lassen wir es los. Achtsamkeit geht also immer dem anderen Modewort „Loslassen“ voraus. Ohne Achtsamkeit kein Loslassen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch liebevolle Achtsamkeit.

[End of tape]


[1] Lehrrede über die Atemachtsamkeit (MN 118) und Lehrrede über die Grundlagen der Achtsamkeit (MN 10)

Frieden, Frieden … einfach nur Frieden

Es geht nicht darum,

das Handeln in der Welt abzulehnen und die Stille zu suchen.

Sei weit und offen wie der Himmel

und bring Dich in Übereinstimmung mit dem Äußeren.

Dann wirst Du auch in der Hektik dieser Welt in Frieden sein.

(Zen-Meister Yüan-wu)

Rast- und Ruhelosigkeit – wer von uns kennt sie nicht? Wer kennte nicht diesen Hetzhund, der uns immer weiter vorantreibt, immer auf der Suche. Suche wonach? Wenn ich mich umschaue, denke ich oft: Wer weiß schon, was er sucht – was er eigentlich sucht? Vielleicht ahnen Einige, dass es eine verzweifelte Suche nach Ruhe ist. Sie sagen: „Wenn ich das erst erreicht hab, hab ich meine Ruhe, dann kann ich mich zurücklehnen, dann ist alles gut.“ Doch es funktioniert nicht … weder Prestige noch Reichtum, noch Anerkennung, noch Macht, noch Einfluss setzen der Suche final ein Ende. Wir können heiraten und Kinder zeugen, die Welt umsegeln oder was auch immer – schlussendlich führt es zu gar nichts. Die Gefahr liegt dabei – fast amüsanter Weise – lediglich in unseren Glückshormonen, die immer dann produziert werden, wenn wir etwas erlangt haben, was wir angestrebt haben; aber alles ist vergänglich, und auch Glückshormone werden irgendwann vom Körper abgebaut. Was bleibt? Die Sucht nach einer neuen Befriedigung – „Sucht“ kommt nicht von Suchen, sondern von Siechen! Und in diesem Siechtum des ewigen Dranges nach Befriedigung und Produktion von Glückshormonen leben die meisten von uns.

Frieden, ein für alle Mal Frieden ist nur zu erlangen, wenn wir die Suche nach all diesen weltlichen Dingen endgültig drangeben. Dabei ist nicht einmal das „Haben“ selbst das Problem, sondern die Gedanken, die stets nur kreisen um das Habenwollen und um das Behaltenwollen. „Und wehe, es will mir jemand etwas streitig machen“ – so entsteht Hass.

„Wenn sich die Gedanken erheben, erheben sich alle Dinge. Schweigen die Gedanken, so schweigen alle Dinge“. All unsere Motivationen, Antriebe, ja auch die Emotionen, die Ideen, Vorstellungen, all das entsteht aus den Gedanken. Und wir nehmen sie mit, wo immer wir uns hin bewegen. „You always take the weather with you“, ob im Kloster in Thailand, auf einer einsamen Insel, oder im tiefsten Wald.

Frieden aber ist im Innen. Er muss weder hergestellt werden, noch muss man ihn groß suchen. Er ist da – er ist unser Wesenskern. Er kann nur unser Wesenskern sein, weil er Eins ist mit dem Alles, in welchem alles seine „Insichstimmigkeit“ besitzt – jenseits unseres Verstehens. Im Alles gibt es keine Dualität, keine Religion, keine Kasten, kein Spiel von „guter Gott – böser Gott“, da ist nur der letztendliche Urgrund des Einen. Und jeder von uns kann jederzeit dorthin gelangen. Nur, durch das Schweigen der Gedanken. Durch das ruhige, selbst-lose Beobachten der Vorgänge, wie sie um uns herum und in uns geschehen. Die Dinge nicht zu beurteilen, sondern sie in ihrer Existenz zu würdigen, wie sie sich eben zutragen, das ist Liebe zu allen Dingen. In diesem Moment der Liebe nähert man sich der Ewigkeit, wird selbst zur Ewigkeit in jenem jetzigen Moment, in dem Vergangenes, Gegenwärtiges und Künftiges miteinander verschmelzen und das Göttliche sich offenbart. Wenn wir selbst dem hasserfülltesten Gedanken erlauben, zu erscheinen ohne irgendeinen Widerwillen, ohne irgendetwas verändern oder kontrollieren zu wollen, wissend: NICHTS KANN SEIN, WENN ES NICHT GOTTES WILLE IST“, dann gehen wir nach und nach ein in Gott – das ist „unio mystica“, wie es die Christen nennen. oder „wudschud“, wie es der Islam nennt.

Alle, was es für uns dabei zu tun gilt, ist zu beobachten, wie sich unsere Aufmerksamkeit zu den Erscheinungen hin bewegt, versucht an ihnen anzudocken; daraus entsteht Gefühl, aus Gefühl wird Habenwollen, aus Habenwollen wird Ich-Identifikation, und nur, wo ein Ich ist, da ist wiederum ein Habenwollen. Diese Kette ohne Unterbrechung zu beobachten, ist wohl verstandene Achtsamkeit. Und sie führt uns hin zum Frieden und zur Liebe.

Friede ist Liebe – Liebe ist Friede … in der Einheit des Einen Geistes.

Ich wünsche uns allen, dass wir irgendwann einfließen in die unendliche Liebe des Tao, des Kosmos, des … es ist nicht wichtig, wie man es nennt – am Besten gar nicht 😉

Eine gute Woche wünscht Euch

Mit Metta

„Phra“ Michael

Ein magischer Kreis

Sag, wie kann ich ein glückliches und zufriedenes Leben führen?

Indem Du einen liebevoll lächelnden Geist kultivierst.

Wie kann ich einen liebevoll lächelnden Geist kultivieren?

Indem Du damit aufhörst, die Dinge anders haben zu wollen, als sie jetzt-hier sind.

Wie kann ich damit aufhören, die Dinge anders haben zu wollen, als sie jetzt-hier sind?

Indem Du aufhörst, in der Vergangenheit, der Zukunft oder im Konjunktiv der Gegenwart zu leben.

Wie kann ich damit aufhören, in der Vergangenheit, der Zukunft oder im Konjunktiv der Gegenwart zu leben?

Indem Du Dich ganz dem gegenwärtigen Moment öffnest, mit all seinen Erscheinungen.

Und wie öffne ich mich dem gegenwärtigen Moment, mit all seinen Erscheinungen?

Indem Du alles um Dich herum und Dich selbst jederzeit bewusst wahrnimmst – weile nach Innen, und weile nach Außen, schärfe Deine Bewusstheit.

Wie weile nach ich nach Innen und nach Außen? Wie schärfe ich meine Bewusstheit?

Indem Du stets weißt, wohin Deine Aufmerksamkeit sich wendet – das nennt man Achtsamkeit.

Und wie entwickele ich Achtsamkeit?

Indem Du damit aufhörst,  darüber nachzudenken und so viele Fragen zu stellen.

 

Aber wie soll ich denn damit aufhören, darüber nachzudenken und so viele Fragen zu stelln?

Indem Du Achtsamkeit entwickelst.

Und wie entwickele ich Achtsamkeit?

Indem Du stets weißt, wohin Deine Aufmerksamkeit sich wendet.

Und wie lerne ich, stets zu wissen, wohin meine Aufmerksamkeit sich wendet?

Indem Du alles um Dich herum und Dich selbst jederzeit bewusst wahrnimmst – weile nach Innen, und weile nach Außen, schärfe Deine Bewusstheit.

Und wie lerne ich, alles um mich herum und mich selbst jederzeit bewusst wahrzunehmen – zu weilen nach Innen, und nach Außen, meine Bewusstheit zu schärfen?

Indem Du Dich ganz dem gegenwärtigen Moment öffnest, mit all seinen Erscheinungen.

Aber wie gelingt es mir, mich ganz dem gegenwärtigen Moment zu öffnen, mit all seinen Erscheinungen?

Indem Du aufhörst, in der Vergangenheit, der Zukunft oder im Konjunktiv der Gegenwart zu leben.

Wie kann ich damit aufhören, in der Vergangenheit, der Zukunft oder im Konjunktiv der Gegenwart zu leben?

Indem Du damit aufhörst, die Dinge anders haben zu wollen, als sie jetzt-hier sind

Aber wie kann ich damit aufhören, die Dinge anders haben zu wollen, als sie jetzt-hier sind?

Indem Du einen liebevoll lächelnden Geist kultivierst.

 

Aber merkst Du nicht? Wir drehen uns im Kreis! Wo soll ich anfangen?

Wo beginnt ein Kreis?

Es ist nicht wichtig, wo Du anfängst. Wichtig ist nur, dass Du anfängst. Und zwar

jetzt

Harmonische Achtsamkeit

30. „Und was, Freunde, ist harmonische Achtsamkeit? Da verweilt ein Bhikkhu, indem er den Körper als einen Körper betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Er verweilt, indem er Gefühle als Gefühle betrachtet, eifrig, völlig achtsam und  wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Er verweilt, indem er Geist als Geist betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Er verweilt, indem er Geistesobjekte als Geistesobjekte betrachtet, eifrig, völlig achtsam und wissensklar, und überwindet so Habgier und Trauer gegenüber der Welt. Dies wird Richtige Achtsamkeit genannt.“[1]

„Achtsamkeit“ ist DAS Schlagwort sämtlicher spiritueller Richtungen. Kaum jemand aber ist dazu in der Lage, eine klare und eindeutige Definition von Achtsamkeit zu geben. Einige reden von Wachsamkeit, andere von Aufmerksamkeit, dritte von Wachheit … und alles stimmt irgendwie. Jedoch beziehen sich insbesondere die letzten drei Glieder des Achtfachen Pfades konkret auf die Praxis der Meditation. Und Buddha lehrte vipâssana-Meditation, das bedeutet „Einsichts- oder Erkenntnismeditation“. Man kann aber durchaus Wachsam oder Aufmerksam sein, ohne zu Erkenntnis zu gelangen.

Wenn ich von Achtsamkeit spreche, spreche ich immer von „vipâssana-Achtsamkeit“ (und folge damit dem ehrw. Bhante Sujiva sowie dem ehrw. Bhante Vimalaramsi), unter welcher zu verstehen ist, dass

 man daran denkt zu beobachten, wie die Aufmerksamkeit unseres Geistes sich von Moment zu Moment von einem Thema zum nächsten bewegt

ganz von allein und ohne, dass wir dies verhindern könnten. Wir wollen das auch nicht verhindern, sondern aus der Bewegung des Geistes und den Inhalten der Gedanken lernen. Und nicht zuletzt uns darin zu schulen, aufkommende Gedanken ganz bewusst sofort zu erkennen und blitzschnell zu entscheiden: „Will ich diesen Gedanken jetzt denken oder nicht?“ Wir haben in jeder Sekunde die Wahl, uns von einem Gedanken forttragen zu lassen, uns von ihm mitreißen und gefangen nehmen zu lassen, oder ihn los zu lassen; und genau diese Entscheidungsfreiheit ist wahre Freiheit. Wenn wir unsere Achtsamkeit dahin gehend schulen, kann uns im Alltag nichts mehr so schnell aus dem Gleichgewicht bringen; wir werden mit der Zeit so vertraut mit den Prozessen in unserem Kopf und unserem Körper, dass wir unmittelbar loslassen können, sobald uns etwas Leidhaftes begegnet.

Diese vipâssana-Achtsamkeit gilt es somit aufrecht zu erhalten bei allem was man im gegenwärtigen Moment tut, fühlt oder denkt. Anders ausgedrückt:

Vipâssana-Achtsamkeit bedeutet:

* Sich aller Dinge, die im gegenwärtigen Moment an unseren Sinnestüren erscheinen,

– bewusst zu sein und

– ihnen erlauben da zu sein,

* Zu beobachten, wie unsere Aufmerksamkeit sich von ganz allein zu ihnen hin bewegt und sie von allein auch wieder verlässt

* Zu beobachten, was eine jede sinnliche Wahrnehmung in uns auslöst

* Dabei ist die Beobachtung selbst frei von allen Konzepten, Urteilen und anderen Färbungen

* Die Wahre-Natur (anatta, anicca und dukkha) aller Erscheinungen zu sehen und verstehen

Kurz: Achtsamkeit gerichtet auf Wissen und Schauung des Bedingten Entstehens

Näheres auch hierzu unter der Kategorie „Meditation“


[1] MN 141