Hindernisse in der Meditation

Zen-Mudra

Zen-Mudra

Das Problem ist jedem Meditierenden wohlbekannt: Man sitzt auf seinem Meditationskissen, und die Gedanken wollen und wollen einfach nicht zur Ruhe kommen. Oder aber: Kaum hat man sich niedergesetzt, schon döst man weg. Von Meditation keine Spur! „Was kann man da machen?“, diese Frage bekomme ich oft zu hören, und sie ist nicht leicht zu beantworten.

Eines sollte man sich wirklich vor Augen halten: Unser Geist ist keine Maschine, die man an- und abschalten kann – unsere Gedanken machen erst einmal, was sie wollen, und das den lieben langen Tag. Wir haben keine dauerhafte Kontrolle über sie – nie wird das deutlicher als in solchen Meditationen. Das erste also ist: Nutze diese Erfahrung als Erkenntnis. Du bist nicht Deine Gedanken, und Deine Gedanken sind nicht Dein Selbst. Ein „Ich“ oder „Selbst“ ist ja immer „selbstbestimmt“, und so könnten Deine Gedanken dann quasi zu sich selbst sagen: „Die Gedanken sollen so sein oder die die Gedanken sollen so sein.“ Geht aber nicht. Also hast Du hier schon einmal einen Einblick in die buddhistische Lehre von „Nicht-Selbst“ ;).

Aber nun zur Praxis: Ich erarbeite gerade einen stufenweisen, methodischen Aufbau von vipâssana-Meditation; mit jeder Phase oder Stufe geht es etwas tiefer in die Meditation hinein. Und beim Erarbeiten dieser Meditationen fiel mir auf, dass man die Stufen nicht einfach nacheinander „abarbeiten“ kann; es gibt auch „Rückschritte“, die es dann natürlich liebevoll anzunehmen gilt! Hieran kann man ein weiteres Mal sehen, dass die Dinge laufen, wie sie wollen, nicht wie wir wollen. Eine wunderschöne Übung in liebevoller Annahme. Und zudem verhindert es das Entstehen „spiritueller Arroganz“ („Ich bin ja so ein toller Meditierender!“)

Und auf diesem Grundsatz beruht auch die „Erste Stufe“: Es gibt immer Phasen, in denen wir nicht meditieren wollen oder können; das kann die unterschiedlichsten Gründe haben, von beruflichem oder familiärem Stress bishin zum einfachen „Ich hab keinen Bock zurzeit“. Kommt dann wieder die Zeit, da man sich aufs Kissen setzen möchte oder kann, kommt die Quittung: Müdigkeit, Fahrigkeit, Benebeltheit, Unruhe, Rast- und Ruhelosigkeit, und damit einher gehend Ärger und Unzufriedenheit. Letzteres überwindet man in der weisen Betrachtung, 1. dass es nur Ärger ist, mehr nicht. Kein Grund ihn persönlich zu nehmen ;), 2. dass alles im Leben kommt und geht – auch Ärger und 3., dass Ärger im Rahmen der Anhaftungen entsteht, und darunter versteht man das Grübeln und Nachdenken darüber, warum die Dinge sind, wie sie sind – also hört man auf über den Ärger nachzudenken … und nimmt ihn liebevoll an, bis er von allein verschwindet.

Was aber bleibt ist die Rast- und Ruhelosigkeit oder die Müdigkeit und Schlappheit. An dieser Stelle kann ich nur dazu raten, diese Zustände als eine Art „zweites Meditationsobjekt“ zu wählen.

Du kannst versuchen, Deinen Atem als Mittelpunkt der Betrachtung zu wählen, aber nur, um Dich überhaupt ein wenig zu zentrieren. Beobachte vor allem mit freudvollem Interesse und in heiterem Gewahrsein, wie Deine Gedanken zunächst sehr weite Kreise ziehen, bevor es Dir zu Bewusstsein kommt und Du wieder zum Atem zurück gelangst. Und kaum dort angelangt, bist Du schon wieder weg. Das mag eine ganze Meditationssitzung über so gehen, aber: Es ist nicht schlimm! Das ist das Entscheidende. Mein Tipp: Auch wenn Du gewohnt bist, vielleicht eine Stunde in Meditation zu sitzen – an dieser Stelle ist es besser, vielleicht nur eine halbe Stunde zu sitzen, dann steh auf, koch Dir einen Kaffee, und nach 10 Minuten oder so setzt Du Dich ein weiteres Mal eine halbe Stunde. Dann machst Du wieder 10 Minuten Pause, und dann setzt Du Dich noch einmal eine halbe Stunde. In der Regel wirst Du in dieser dritten Sitzung feststellen, dass Deine Gedanken nicht mehr wie ein dichter Nebel sind, sondern immer häufiger konkrete Gedanken zu einem Thema auftauchen. Die tragen Dich dann zwar immer noch weg, aber es ist ein Fortschritt, denn es ist ein Zeichen dafür, dass Du langsam in die Ruhe kommst, da Dein Geist nun wieder klare Gedanken fassen kann. Und klare Gedanken kann man leichter loslassen, somit werden die „Schleifen, die Du fliegst“ immer kleiner, und Dir wird vor allem klar, was Dich zurzeit besonders beschäftigt! Das ist wichtig und ein Sinn von Meditation.

Wichtig ist auch … das Lächeln! Wenn Du auf dem Atem bist, dann lächle in Deine Atemzüge hinein. Gut, das ist ohnehin im Sinne des Buddha, wenn er sagt „Freude empfindend will ich einatmen, Freude empfindend will ich ausatmen“ (Satipatthana-Sutta); aber es ist sehr nützlich, in alles, was Dir zu Bewusstsein gelangt, hinein zu lächeln. Wenn Du feststellst, dass Du mit Deinen Gedanken meilenweit weg warst, dann lächle in diese Tatsache hinein. Sag Dir: „Hey, das ist ja interessant, wo mein Geist mich wieder hingebracht hat … und es ist auch völlig in Ordnung … interessantes Thema auch … aber nicht jetzt, denn jetzt ist Meditation … :D“ und dann lächelst Du liebevoll und kehrst zurück zu Deinem Atem.

Wenn ich hier dauernd vom Atem spreche und nicht von Metta – der Praxis, die ich ja eigentlich lehre, dann deshalb, weil wir uns hier noch nicht in der „eigentlichen“ Meditation, sondern in einer Phase befinden, die von manchen Lehrern als „Zugangskonzentration“ beschrieben wird. Aber ich mag den Begriff nicht, denn wir konzentrieren und fokussieren unseren Geist nicht, zwingen ihn nicht, sondern lassen ihn sich von selbst beruhigen! Aber er tut das in seinem eigenen Tempo, und das ist das Wichtige. Worum geht es denn? So schnell wie möglich in die tiefsten Sphären der Meditation zu gelangen? Oder vielleicht doch eher um einen liebevollen und sanften Umgang mit uns und unseren grauen Zellen? Sie arbeiten hart, also lass sie runterkommen – es ist etwa, als würdest Du einem Leistungssportler dabei zuschauen, wie er nach einem Langstreckenlauf noch einige Runden um den Platz ausläuft, bis er endgültig zur Ruhe kommt. Was auf den Körper anwendbar ist, ist immer auch auf den Geist anwendbar, es ist wichtig das zu sehen.

Also: Keine Meditation ist schlecht, und sei sie noch so schlecht 😀 Es kommt nur darauf an, was Du aus der Situation machst – je mehr Freiheit Du Deinem Geist lässt, sich ganz natürlich zu verhalten, desto eher gelangst Du in die Ruhe und dann in tiefe Meditationen, und zwar ohne Kopfschmerzen!

So, das war mal wieder was zum Thema Meditation. Ich hoffe, diejenigen von Euch, die Meditation praktizieren, können etwas damit anfangen.

Ich sende Euch METTA & SMILES

„Phra“ Michael

Metta „vs“ Atembetrachtung

Ich möchte einmal auf eine Problematik eingehen, die wesentlich seltener auftaucht, als sie es wert wäre: Es geht um die bedeutsame Frage: „Soll ich Atembetrachtung praktizieren oder Liebende-Güte?“ Der Grund dafür, dass diese Frage so selten auftaucht liegt sicher einerseits darin, dass die Metta (Liebende-Güte) – Meditation gar nicht allzu bekannt ist. Zum anderen wird sie von den meisten Praktizierenden nicht in der Form gewürdigt, wie sie gewürdigt werden sollte. Das liegt teils daran, dass die Metta-Meditation von den meisten Meditationslehrern als so genannte „Schutzmeditation“ betrachtet und als solche eher stiefmütterlich behandelt wird. zum anderen liegt es aber auch an den Anhaftungen der Praktizierenden, denen es nicht gelingt, das Konzept der Meditation als eine „Atemkonzentration“ loszulassen – leider geistert diese Vorstellung von Meditation immer noch durch alle spirituellen Sphären. Ich darf daher an dieser Stelle noch einmal kurz darstellen, was „Thema“ buddhistischer Meditation ist:

Der Buddha lehrte Einsichtsmeditation, das ist die Meditation der Erkenntnis des Wahren Wesens / der Wahren Natur der Dinge. Man spricht auch von der vipâssana-Meditation – der Begriff ist sicher dem einen oder der anderen bekannt. Vipâssana bezeichnet also einzig die Art der Meditation.

Überdies werden meist Atembetrachtungsmeditation (anapanasati) und Mettameditation scharf voneinander getrennt; diese Begriffe bezeichnen jedoch lediglich das Meditationsobjekt, also den Gegenstand der Betrachtung, den „Heimathafen“, zu dem man nach einer Ablenkung zurückkehrt. Daraus folgt: Einsichtsmeditation kann praktiziert werden als vipâssana-anapanasati oder als vipâssana-metta-bhâvana. Über den Unterschied dieser beiden möchte ich hier sprechen und welche mir warum sinnvoller zu praktizieren erscheint.

Das Meditationsobjekt der Anapanasati ist nun der Atem, also das Feststellen „Ich atme ein / Ich atme aus“ „Ich atme lang (kurz / tief / flach …) ein // Ich atme lang (kurz / tief / flach …) aus“ und so weiter, entsprechend den Anweisungen des Anapanasati-Sutta.. Es ist lediglich ein Wissen um die Beschaffenheit des Atems im gegenwärtigen Moment; gleichzeitig können wir beobachten, wie sich unsere Aufmerksamkeit von der Beobachtung weg bewegen möchte, hin zu einem Geräusch, einem Gedanken oder einer anderen Ablenkung. Bei einer leichten Ablenkung bemerken wir nur ein leichtes „Zucken“ unseres Geistes, eine Stärkere führt uns bisweilen weit weg und es gilt dann zum Meditaitonsobjekt zurück zu kommen.

In der Metta-Meditation ist das nicht anders; hier jedoch beobachten wir nicht den Atem, sondern das Gefühl von objektloser Liebe, Güte, Freude … (näheres dazu hier). Entscheidender Unterschied ist, dass der Atem deutlich grober ist als das (vor allem anfänglich doch recht subtile) Gefühl von Metta im Solarplexus. Das macht die Atembetrachtung für den Anfänger sicher einfacher.

Zudem ist es so, dass das gedankliche Äußern von „Metta-Wünschen“ („Möge ich in Sicherheit sein / Möge mein Geist friedvoll und ruhig sein …“) für den Anfänger etwas befremdlich ist – und das nachvollziehbarer Weise. Denn eigentlich meint man doch, in der Meditation eben „zu versuchen nicht zu denken“, und nun soll man sogar Gedanken absichtlich verbalisieren? Und in der Tat hat man es so betrachtet in der Atembetrachtung kurzfristig leichter, den Geist zu beruhigen. Wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass das Meditationsobjekt der Metta-Meditation nicht die Verbalisierung ist, sondern das Gefühl; die Verbalisierung dient so zu sagen lediglich als „Initialzündung“, als „Primer“ für das Entstehen des „Metta-Gefühls“.

Meditation ist ganztägige Praxis

Wir wollen aber Meditation einmal von einer anderen Seite betrachten: Die (methodische) Sitzmeditation dient immer lediglich als Training, als Vorbereitung für die im Alltag aufrecht zu erhaltende Achtsamkeit. Das bedeutet wir sind bemüht, im Alltag die Meditation fortzusetzen und zwar mit demselben Meditationsobjekt – nur so wird Meditation ganztätig und kontinuierlich. Nun, die Rede über die Atemachtsamkeit war von Buddha an Mönche gerichtet, die wenig geistige Beschäftigung haben und sich somit durchaus darin üben können, ganztätig ihren Atem zu beobachten. Aber versuche das mal am Arbeitsplatz vor dem Rechner; Du kannst einen Text verfassen und dabei ein freudiges, liebevolles Gefühl empfinden, nicht aber kannst Du einen Text verfassen, und dabei Deinen Atem dezidiert betrachten. In alles, was Du im Alltag tust, kannst Du Liebende-Güte einströmen lassen und dadurch einen immer friedvolleren, freudigeren und ruhigeren Geist entwickeln.

Unmittelbare Umsetzung von „Harmonischem Sichbemühen“ (rechte Energie / Anstrengung)

Buddha lehrte „harmonisches Sichbemühen“ als eines der 8 Glieder des Pfades, der zur Befreiung führt. Hierunter verstand er, wir entwickeln

(1) Eifer um das Überwinden bereits entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände (= Überwindung von Negativem)

(2) Eifer um das Entstehen noch nicht entstandener heilsamer Geisteszustände, (= Hervorbringen von Postitivem)

(3) Eifer um das Beibehalten, das Nicht-Verschwinden, die Stärkung, das Anwachsen, die Entfaltung und Vervollkommnung bereits entstandener heilsamer Geisteszustände (= Erhaltung des Positivem)

(4) Eifer um das Nichtentstehen noch nicht entstandener übler, unheilsamer Geisteszustände (Negatives gar nicht erst entstehen lassen)

Zur Verdeutlichung des Unterschieds zwischen Atem- und Mettameditation ein kurzes Beispiel: Du sitzt in der Meditation und es erscheint eine Erinnerung an einen unangenehmen Vorfall mit einer anderen Person. Du spürst den Ärger wieder aufsteigen, ein unangenehmes Gefühl entsteht. Dann praktizierst Du „harmonisches Sichbemühen“ nach Buddhas Anleitung wie folgt:

(1) Bemerken und Loslassen dessen, was uns vom Gegenstand der Betrachtung (= Meditationsobjekt) ablenkt

(2) Wir entspannen Geist und Körper und Lächeln; damit öffnen wir uns für das sanfte Zurückkehren zum Gegenstand der Betrachtung (Atem oder Gefühl Liebender Güte)

(3) Wir kommen zum Objekt der Betrachtung zurück (Atem oder Gefühl Liebender Güte), welches uns ganz im Jetzt-Hier verweilen lässt. Heiterkeit unterstützt diesen Vorgang.

     Den Punkten (2) und (3) trägt die Metta-Meditation deutlich mehr Rechnung als die Atembetrachtung.  Denn wir entwickeln hier einen heiteren, freudvollen und liebevollen Geist durch die Kultivierung von  Metta. Wenn wir die schmerzhafte Erinnerung an das Ereignis nur loslassen und dann zurück zu unserem Atem eilen, dann findet keine Verarbeitung statt, kein Aufarbeiten einer Anhaftung. Was bleibt ist ein Residuum negativer Energien (das kann man in der Meditation spüren). In der Metta-Meditation ersetzen wir dieses Unheilsame durch etwas Positives, nämlich dzrch liebevolle und gütige Gedanken.

(4)Wir verweilen in Achtsamkeit in der reinen Betrachtung der Ereignisse des gegenwärtigen Momentes und bemühen uns sanft, im Zustand der Erkenntnis zu verweilen. Tritt eine Störung auf (etwas Unheilsames), beginnen wir wider mit (1).

Atembetrachtung ist „Selbstbezogen“

Das Erblühenlassen heilsamer Zustände durch das Loslassen von ablenkenden Gedanken vollzieht sich in der Atembetrachtung vornehmlich „ich-zentriert“. Ich fühle mich damit gut, aber ob mein Nächster etwas davon hat, ist mir in diesem Moment nicht wichtig. In der Metta-Meditation kommt ehr stark der Aspekt zum Ausdruck, dass ich zwar zunächst an meiner eigenen Glückseligkeit zu arbeiten habe, dass ich dies aber zum Wohle aller Wesen tue.

Der Effekt der Metta-Meditation ist also Schulung der Achtsamkeit (erkennen von unheilsamen Gedanken und ersetzen durch heilsame), Entwicklung von Freude, die im ganzen Alltag nach und nach immer mehr Raum einnimmt, Aussenden positiver Schwingungen an Deine gesamte Umwelt, oder:

Ein freudiges Gefühl wird entzündet →  ich verschenke großzügig diese Freude → ich erfreue meine Mitmenschen → das erfreut mich → mein Geist enthärtet sich und wird ruhig und klar → meine Meditation wird tiefer → meine Freude wird größer → noch mehr Metta, die ich verschenken kann und so weiter …

Nach dem Gesagten halte ich die Meditation der Liebenden Güte für wesentlich effektiver als die Atembetrachtung. Für Anfänger ist Letztere wohl zunächst besser geeignet; doch sollten sie alsbald wechseln zur Metta-Meditation.

In diesem Sinne: METTA wünscht von Herzen

Michael

Methodische Meditation – „BLESSED“

Das Akronym „BLESSED“:

Wir haben bei Betrachtung der 4 Edlen Wahrheiten gesehen, dass Buddha das Begehren als Ursache für unser Leid erkannt hat. Meditation nun soll uns dazu verhelfen zu erkennen, wie Begehren (und somit Leid) entsteht und wie wir das Begehren loslassen können. Für Letzteres gibt es eine bestimmte Methode, die in der Meditation zur Anwendung kommt, und diese Methode fasse ich mit dem Akronym „BLESSED“[1] zusammen. Sie stellt das zentrale Gerüst der buddhistischen Meditation dar:

Merksatz:                          Buddhistische Meditation hat das Ziel,

 Unheilsames (in uns) loszulassen und Heilsames (in uns) zum Entstehen zu bringen.

Zum Verständnis dieser Methode dient eine leicht nachvollziehbare Beobachtung:

Wenn wir einen körperlichen oder mentalen Schmerz empfinden, kommt es in unserem Körper zu einem Ausstoß von Stresshormonen. Dies ist stets die erste Reaktion unseres Körpers und ein natürlicher Vorgang: Der Körper bereitet sich vor auf Angriff oder Flucht. Allerdings entsteht hierdurch auch ein recht unangenehmes Gefühl insbesondere im Solarplexus. Gegen dieses unangenehme Gefühl leisten wir inneren Widerstand – das ist Begehren: „Ich will das nicht haben, ich will, dass das weg geht!!“ Dieser Widerstand manifestiert sich physisch in unserem Kopf und unserem Körper als eine Anspannung, eine Verengung und Verkrampfung[2]. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: Wenn wir eben diese Verkrampfung und Verspannung loslassen, dann lassen wir damit auch das Begehren los!

Begehren manifestiert physisch sich als Verkrampfung und Verengung.

Indem wir die Verkrampfung und Verengung lösen, als entspannen,

lassen wir das Begehren los.

 Dem trägt „BLESSED“ Rechnung; es handelt sich um einen Kreis, der immer und immer wieder durchlaufen wird, sobald eine Ablenkung die Aufmerksamkeit vom Meditationsobjekt (zB dem Atmen) fortzieht. (Einige Erläuterungen hierzu findest Du auch hier: http://rafananda.de/ -> über Meditation -> FAQs zur Meditation). In einer Übersicht sieht der Kreis so aus:

Zur Erläuterung:

Bemerken

Erkenne unmittelbar die Ablenkung Deines Geistes von Deiner

momentanen Tätigkeit, also, dass Du nicht „bei der Sache“ bist

Dies kann am Anfang begleitet sein von einem kleinen „Ach … schau her – ein Gedanke ist da :)“ Im Satipatthana-Sutta sagt Buddha: „So übt der Mönch: «Ein Körper ist da», «ein Gefühl ist da», ««Denken ist da», «ein Gedanke ist da» – und auch nur, soweit es der Erkenntnis dient.“ Das bedeutet: Lass diesen „Begleitsatz“ irgendwann los – er ist ein Kommentar aus dem Kopf und somit ebenfalls ein Gedanke. Er kann aber für Anfänger hilfreich sein.

 Loslassen

Lass den Gedanken los; er löst sich allein

durch seine Kenntnisnahme von allein auf

Lass den Gedanken da sein! Die Tatsache, dass ein Gedanke da ist, ist in dem Moment die Wahrheit, und mit der Wahrheit des gegenwärtigen Momentes zu kämpfen ist töricht und der Grund für Leid. Nimm ihn also zur Kenntnis, schenke ihm jedoch nicht mehr Beachtung als einzig: „Gedanken sind da.“ Gestehe jeder Ablenkung, jedem Gedanken, jedem Geräusch oder worin sonst die Ablenkung bestehen mag den Raum zu, da zu sein – was immer da ist, hat ein Recht da zu sein, sonst wäre es nicht da! Du kannst also die Ablenkung zur Kenntnis nehmen mit einem lapidaren „Ok …:)“ Dann löst Du Dich aus dem Gedankentunnel, öffnest Dich wieder der Wahrnehmung Deiner selbst und der Peripherie im Jetzt-Hier.

 Entspannen

Entspanne die im Kopf und Körper durch den Gedanken

entstandene Spannung / Verengung / Verkrampfung

Jeder Gedanke hinterlässt eine gewisse Spannung im Kopf, da sich der Geist sich auf ihn fokussiert, wie eine mentale Faust. Ist der Gedanke weggezogen, so kannst Du spüren, wie die Faust / Dein Geist sich wieder öffnet – wie eine Blüte im ersten morgendlichen Sonnenstrahl. Damit öffnest Du Dich bildlich aber auch tatsächlich wieder ganz dem gegenwärtigen Moment, bist wieder ganz präsent – die Spannung in Kopf und Körper löst sich. Aber bleib nicht daran hängen, etwa in Form eines „entspannen … entspannen … entspannen … entspannen ….“ Scanne ein Mal vom Scheitel abwärts Deinen Körper, und fühle, wie die Spannung sich löst. Du kannst dabei auch ein oder zwei Mal befreit aufatmen und erleichtert ausatmen, ganz so, wie Du es kennst, wenn Du zum Beispiel eben aus einer Prüfung kommst, oder etwas Schlimmes um Haaresbreite nicht eingetreten ist. Fühle einfach den Frieden und die Ruhe, die Erleichterung, die eintritt und …

 Smile!

Lege wieder ein Lächeln in den Geist,

auf die Lippen und in Dein Herz

Auf die Bedeutung des Lächelns während der Sitzmeditation, aber auch während des ganzen Tages kann nicht oft genug hingewiesen werden. An dieser Stelle der Sitzmeditation wirst Du möglicherweise feststellen, dass sich das Lächeln von ganz allein auf Deine Lippen zaubert

 „Sometimes your joy is the source of your smile, but

sometimes your smile can be the source of your joy.“
(Thich Nhat Hanh)

  Schauen & beobachten

Finde wieder zu Deiner Tätigkeit / dem Meditationsobjekt

zurück und beobachte es

Ich bezeichne BLESSED gern als eine Art ‚Reset-Schalter’, da man, mit ein bisschen Übung, nach ihrem Durchlaufen für einen ganz kurzen Moment ein wenig das Gefühl hat, als wäre alles auf Null zurück gestellt – kein Gedanke da, nur reines Gewahrsein, bereit für eine neue Runde.

 Erheitern

Der Buddha sagt in seiner Lehrrede über die Atembetrachtung (anapanasati-Sutta, MN 118): „So weilt er (der Praktizierende) in heiterem / freudvollen Interesse“. Die buddhistische Lehre kennt sieben so genannte Erleuchtungsglieder, das sind geistige Eigenschaften, die zum Erreichen von Erleuchtung unabdingbar sind. Eines davon ist Forschergeist (manchmal auch Anfängergeist genannt), und ein weiteres ist Freude oder Heiterkeit. Daran sieht man die Bedeutung, in seinem Beobachten interessiert und fröhlich zu sein.

 Dhamma sehen und verstehen

Dhamma ist ein auf viele Arten übersetzter Begriff: «Lehre des Buddha», «Wahrheit», «Erscheinungen» u.v.m. Im Wesentlichen steht dieser Begriff für die Wahre Natur der Dinge. Dahinter verbirgt sich: Das intellektuelle Verstehen sowie das durch eigenes Erleben Erfahren aller Dinge im Kosmos als reine Prozesse, unpersönlich und dem Wesen nach einfach nur seiend. Dies in Worte zu fassen ist müßig; es bedarf der eigenen Erfahrung. „Ehi-passiko: Komm und sieh selbst“.

Wenn wir diesen „BLESSED“- Kreis immer und immer wieder durchlaufen, sowohl auf dem Kissen als auch im Alltag, dann entwickeln wir das, was im Buddhismus unter „vipâssana-Achtsamkeit“ verstanden wird:

Definition:                                 

vipâssana – ACHTSAMKEIT bedeutet:

 

Nicht zu vergessen zu beobachten, wie

unsere Aufmerksamkeit

 sich von einem Objekt zum anderen bewegt.

Noch eine wichtige Anmerkung zu BLESSED:

Es geht in der buddhistischen Lehre niemals darum, irgendetwas zu kontrollieren, sondern darum, die Dinge, so wie sie sind, da sein zu lassen, ohne sich gedanklich-emotional in sie zu verstricken. Wir nutzen also BLESSED nicht als Mittel zum dem Zweck, etwas Unangenehmen, das auftritt, los zu werden! Wenn also ein Schmerz oder irgendein anderes Hindernis in der Meditation auftritt, wird es nicht „weggeblessed“, sondern lediglich die Aufmerksamkeit sanft zurückgeführt zum Meditationsobjekt.

Wenn wir etwas korrigieren wollen, geben wir unserem Begehren nach und das führt zu Ich-Verstrickungen (Anhaftung); damit sitzen wir in der Falle.

„ … (es) bedarf einer umfassenden Bewusstheit, eines unmittelbaren Gewahrseins des inneren Lebensprozesses, ohne ihn zu korrigieren, ohne vorzuschreiben, was er (der Geist) sein sollte oder nicht sein sollte. Denn in dem Augenblick, da Sie korrigieren, haben Sie eine andere Autorität, einen Zensor eingesetzt.

(Krishnamurti)

Jedes manipulierende oder korrigierende Eingreifen in den Geist führt zur geistigen Erschöpfung; auf diese Weise gelangt man nicht zur Befreiung des Geistes.

(Zen-Meister Zensho Kopp)


[1] auf Englisch heißt der Erhabene, wie Buddha auch genannt wird, „The Blessed One“

[2] Daher kommt jenes „Es ziehen sich mir die Magenwände zusammen“.

Über Meditation

Leben ist Meditation – Meditation ist Leben

 Es gibt viele Arten von Meditation, von denen die meisten darauf abzielen, den Geist, unser Denken so sehr zu beruhigen, dass eben keine Gedanken mehr erscheinen. Dies wird zum Beispiel erreicht durch einspitzige Konzentration (im Sinne einer alles andere ausschließenden Fokussierung) auf den Atem oder auf ein Mantra (man wiederholt immer dieselben Worte wie „Om“ oder „Om mani peme hum“) oder auch auf Klänge, gerne Klangschalen. Diese Stille im Kopf, die dann eintritt, hat einige sehr angenehme Effekte, so zum Beispiel, dass man in eine sehr friedvolle Stimmung gelangt, sich fast wie vom Kokon der Seidenraupe umwoben fühlt und schließlich – da sich die Grenzen der materiellen Welt aufzulösen scheinen – eine Art Erfahrung des All-Einen, der Non-Dualität macht. In den Formen dieser einspitzigen Meditation gelangt man verhältnismäßig schnell und ohne großen Arbeitsaufwand in diese Zustände – daher sind sie so beliebt. Jedoch halten sie in der Regel nicht lange vor. Sobald man wieder im Alltag ist, tauchen die alten (zum Teil sehr negativen und destruktiven) Strukturen wieder auf und man verfällt zurück in seine alten Denk- und Handlungsmuster. Praktizierende der einspitzigen Meditation sind dann oft sehr frustriert, da es ihnen nicht gelingt, diese „Erkenntnis des All-Einen und der Non-Dualität“ im Alltag umzusetzen, einen friedvollen und ruhigen Geist ganztätig aufrecht zu erhalten. Diese Meditationsform ist somit nicht nachhaltig.

 „Die Gedanken anzuhalten, den Geist zu unterdrücken und alle Dinge in die Leere zu verschmelzen, ja, gar die schwächsten gedanklichen Regungen zu unterdrücken stellt die größte Falle dar: Die Falle der toten Leere. Auf diese Weise wird man zum lebendigen Toten, abgestumpft, teilnahmslos, gefühllos und träge“

(Zen-Meister Po-Chan, zitiert nach: Zensho Kopp: „Der große Zen-Weg“)

 Ich bin Kloster in Thailand auf einen Mönch gestoßen, der auf diese falsche Art praktiziert hat, so erfuhr ich von einem meiner Brüder (jener Mönch entstammte allerdings einer anderen, der sehr strengen Mahadhammika-Tradition); dieser junge (!) Mönch war sichtlich verwirrt und kam einfach nicht mehr klar. Das kann einem blühen, wenn man falsch und mit unerbittlicher Härte versucht, seine Gedanken abzutöten.

Das hat damals auch der Buddha Gautama erkannt, und er verstand, dass über die Beruhigung des Geistes hinaus auch Erkenntnis (vipâssana) vorhanden sein muss, wenn man zur Leidbefreiung gelangen möchte. Diese Erkenntnis ist konkret das Sehen und Verstehen der Vorgänge und Funktionsweise in unseren Köpfen. Wie entsteht ein Gedanke? Wie entsteht aus ihm ein behagliches oder unbehagliches Gefühl im Solarplexus? Wie reagiert mein Geist auf dieses Gefühl ( à Begehren)? Was passiert danach? Was danach? Wovon hier die Rede ist, ist die Kette des Bedingten Entstehens.

 „Wer Bedingtes Entstehen sieht, sieht das Dharma (die letztendliche Wahrheit); wer das Dharma sieht, sieht Bedingtes Entstehen!“ (Buddha)

 Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen ist es aber unbedingt erforderlich, alles, was erscheint, zuzulassen und eben nicht, wie in der einspitzigen Meditation, wegzudrängen. Es geht darum zu beobachten, was in uns geschieht. Ich kann aber nur beobachten, was auch da ist. Daher werden auch Gedanken zugelassen und beobachtet, wie sie von allein kommen und von allein wieder gehen. Und wie unsere Aufmerksamkeit sich von ganz allein hin bewegt zu einem Gedanken, oder auch einem Geräusch oder einer körperlichen Empfindung. Auf diese Weise erkennt man langsam aber sicher die Wesensmerkmale alles erschaffenen, dinglichen (grob- oder feinstofflich) Seins:

Anatta (Nicht-Selbst): Was immer geschieht, geschieht von ganz allein und ohne mein Zutun … da ist kein handelndes „ICH“

Anicca (Vergänglichkeit): Was immer von allein kommt, geht auch von allein wieder – alles ist nur vorübergehend da und vergeht wieder.

Dukkha (Leid): Wenn Angenehmes entsteht, entsteht Leid, sobald es wieder   verschwindet; wenn Unangenehmes entsteht, so ist auch das leidhaft. Somit birgt alles in sich potentiell die Fähigkeit, Leid zu erschaffen

Aus diesen drei Wesensmerkmalen folgt, dass, was immer geschieht, lediglich völlig unpersönlicher Vorgang ist, es sind nur natürliche, auf einander aufbauende Prozesse, die sich im Außen und im Innen abspielen; und es tut keineswegs Not, diese Dinge persönlich zu nehmen. Wenn ich etwas nicht mehr persönlich nehme, dann fällt es mir viel, viel leichter, es einfach loszulassen. Der traurige, wütende oder besorgte Gedanke hat mit mir nichts zu tun … er ist einfach erschienen. Warum? Das mögen Hirnforscher beantworten. Für uns ist wichtig, dass wir uns aus all den negativen Gedanken oder auch Emotionen nichts machen, also aus ihnen nicht mehr machen, als sie sind. Und sie sind einfach nur, was sie sind: Gedanken, Emotionen, Empfindungen.

Wenn uns gelingt, das in der Meditation (und dann natürlich die gesamte Wachzeit über) zu beobachten, erkennen wir unsere freie Entscheidung, einen Gedanken zu denken – mit all seinen im Zweifel leidvollen Konsequenzen – oder ihn loszulassen. Erforderlich hierfür ist „nur“ die Entwicklung von Achtsamkeit, was bedeutet:

 Jederzeit daran zu denken zu beobachten, wie unsere Aufmerksamkeit sich von einem Moment zum nächsten von einem Thema zum nächsten bewegt.

 Wachheit und Sanftheit, das ist das Leitmotiv der Meditation, so wie Buddha Gautama sie gelehrt hat (MN 62):

13. „Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie die Erde ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie die Erde ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte[1] nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben. Gerade so wie die Leute saubere Dinge und schmutzige Dinge, Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut auf die Erde werfen, und die Erde deswegen nicht entsetzt, gedemütigt und angewidert ist, genauso, Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie die Erde ist; (…)“

 14. „Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Wasser ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Wasser ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben. Gerade so wie die Leute saubere Dinge und schmutzige Dinge, Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut im Wasser waschen, und das Wasser deswegen nicht entsetzt, gedemütigt und angewidert ist, genauso, Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Wasser ist; (…)“

 15. „Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Feuer ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Feuer ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben. Gerade so wie die Leute saubere Dinge und schmutzige Dinge, Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut im Feuer verbrennen, und das Feuer deswegen nicht entsetzt, gedemütigt und angewidert ist, genauso, Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Feuer ist; (…)“

 16. „Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Wind ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Wind ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben. Gerade so wie der Wind über saubere Dinge und schmutzige Dinge, Kot, Urin, Speichel, Eiter und Blut streicht, und der Wind deswegen nicht entsetzt, gedemütigt und angewidert ist, genauso, Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Wind ist; (…)“

 17. „Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Raum ist; denn wenn du Meditation entwickelst, die gelassen wie Raum ist, werden erschienene angenehme und unangenehme Kontakte nicht in deinen Geist eindringen und dort bleiben. Gerade so wie Raum sich nirgendwo auf etwas stützt, genauso, Ràhula, entwickle Meditation, die gelassen wie Raum ist; (…)“


[1] Zur Erinnerung: Sinnenobjekt trifft auf Sinnesorgan; es entsteht Sinnenbewusstsein; diese drei zusammen ergeben Kontakt; aus Kontakt entsteht Gefühl, hieraus Begehren, hieraus Anhaftung u.s.w.