Metta-Dhammayana-Vortrag

Seid gegrüßt!

Seit September diesen Jahres leite ich ja die Metta-Dhammayana Dharma-Gruppe in Münster, und am Ende jeder Sitzung halte ich einen kleinen einstündigen Vortrag zu mehr oder weniger allgemeinen spirituellen Themen, die ich dann auch danach auf youtube stelle; Aufhänger ist jeweils die für Meditations-Seminare „klassische“ Lehrrede des Buddha über die 4 Grundlagen der Achtsamkeit. Heute möchte ich denjenigen vom vergangenen Sonntag einmal auch hier zur Verfügung stellen, denn sie enthält, wie ich finde, ganz interessante Aspekte, die mir während des Vortrags eingefallen sind. Viel Freude und Erbauung damit 🙂

Mit Metta

„Phra“ Michael

Angeleitete Meditation

Nachdem ich ja nun recht viel zum Thema Meditation geschrieben habe – teils eher theoretisch, teils eher in der praktischen Umsetzung – möchte ich Euch eine angeleitete Meditation nicht „schuldig“ bleiben (wie man so schön (?) sagt).

Die Meditation, die Ihr Euch hier anhören und einfach mit-praktizieren könnt, ist eine Metta-Meditation, also eine Meditation der Liebenden-Güte. Es ist ein Live-Mitschnitt einer Sitzung im Rahmen der Metta-Dhammayana Dharma-Gruppe Münster vom 27-10-2013 (daher auch die in den ersten Sekunden nicht so gute Tonqualität).

Viel Spaß beim Mit-Praktizieren – es sendet Euch METTA & SMILES

„Phra“ Atishakaro _/\_

Übers Loslassen, Liebevolle Annahme und den „Kontrollfreak“

Ich möchte nach einer langen Blog-Pause heute einmal einen Artikel aus dem wirklichen Leben posten, nämlich eine Korrespondenz mit einem meiner Schüler, der eine Mail mit  sehr wichtigen Fragen stellte, die die buddhistische Vipâssana-Meditation angehen. Insbesondere geht es um das Thema „Loslassen“ und „Liebevolle Annahme“, Nicht-Ich (anatta) und den „Kontrollfreak“ in uns. Da diese Themen ganz fundamental für Meditation und Alltag sind, möchte ich sie mit der Öffentlichkeit teilen (schwarz sind die Fragen, lila meine Antworten).

Damit Ihr folgen könnt und wisst, worum es geht, hier noch einmal der BLESSED-Kreis, den es gilt, sowohl in der Meditation als auch im Alltag unablässig zu durchlaufen, sobald man merkt, dass man nicht „im Hier und Jetzt ist“. (Näheres zu diesem Kreis findet Ihr hier auf diesem Blog)

 BLESSED

 

Es begann mit einer Schilderung, wie F. (für Fragender) mit einigen schwierigen Alltagssituationen umgeht, indem er den BLESSED-Kreis durchläuft. Meine Antwort hierzu war:

 Es ist Klasse, wenn es Dir gelingt, den BLESSED-Kreis in solchen Momenten zu durchlaufen; denke nur auch immer daran, dass BLESSED keine „Schmerztablette“ ist. Betrachte, was in Dir geschieht, und was immer es ist, VERSUCHE NICHT ES LOSZUWERDEN. Versuche, es zu verstehen. Lass es da sein und betrachte ganz genau, wie (aus alter Gewohnheit heraus) Du dazu tendierst, Dich mit den Emotionen zu identifizieren. Schau, welche Gedanken durch sie ausgelöst werden, und welche Gedanken sie umgekehrt  auslösen – papanca! Schau, wie es sich körperlich anfühlt. Betrachte Deinen inneren „Kontrolleur“, der Dir sagen will, dass die Dinge anders zu sein haben, als sie sind, nämlich so, wie „er“ es will und für richtig hält. Und betrachte einmal dieses „er“ … und gehe dem auf den Grund, was „er“ ist. Nicht intellektuell, sondern durch Beobachtung. Und versuche ebenfalls nicht, diesem „er“ den Mund zu verbieten. Hör Dir LIEBEVOLL an, was er zu sagen hat … diskutiere nicht mit ihm, lass ihm seine Meinung – er kann nicht anders als so zu denken, wie er denkt. Aber wie er denkt, fügt Dir mentalen Schmerz zu – verzeih ihm dafür. Verzeih ihm aus dem Verständnis und der Einsicht heraus, WAS „er“ ist. Nimm ihn in den Arm und nimm ihn liebevoll an.
„Er“ wird sich fast zwangsläufig dagegen wehren, weil „er“ das Gefühl hat, nicht ernst genommen zu werden. Gestehe es ihm zu, hab Mitgefühl mit ihm. „Er“ wird Dich bombadieren mit Zweifeln – über Deine ganze Praxis. Lass ihn! Es ist ok! Vergib ihm, nimm ihn liebevoll in den Arm, schließe ihn in Dein Herz – mitfühlend und verständnisvoll.

Im Folgenden nun die Antwortmail von „F.“ und meine unmittelbaren Antworten:

Ich verstehe, dass der BLESSED-Kreislauf nicht als Schmerztablette einzusetzen ist, mit dem man die leidvollen Gedanken bzw. Emotionen eliminiert. Es geht darum, diese leiderzeugenden Vorgänge als solche zu erkennen und zu verstehen, nach welchen alten Mustern der eigene Geist arbeitet.

Hmmmm … Ja. Und Nein *smile*

Es geht darum klar zu sehen, dass da zunächst überhaupt erst einmal nur Vorgänge, Abläufe und Prozesse (erst im „Außen“ [Geräusch trifft auf Ohr], dann  in der Folge in uns [das Geräusch „kommt uns zu Bewusstsein“]) stattfinden.

 Wir befinden uns also im Bedingten Entstehen: Sinnesreiz + Sinnenbewusstsein sind Grundlage für das Entstehen von behaglichem oder unbehaglichem (oder neutralem) Gefühl; behagliches oder unbehagliches (und eigentlich auch neutrales) Gefühl ist die Voraussetzung für das Entstehen für Begehren; Begehren  ist die Voraussetzung für das Entstehen von Anhaftung.

Bis zum Begehren inklusive handelt es sich nicht um Muster im psychologischen Sinne, sondern um reine neurologische Vorgänge gemäß dem Reiz-Reaktions-Schema, also Reizübertragungen.

Dann erst – ab dem Anhaften – erkennen wir, wie aus einem unpersönlichen neurologischen Reiz plötzlich das entsteht, was wir Leid nennen. Leid ist das, was entsteht, wenn wir aus einem unpersönlich entstandenen Gefühl eine persönliche Story machen, indem wir

1 . über das entstandene Gefühl und über das, was es ausgelöst hat (und einiges mehr) nachdenken und

2 . diesem entstandenen Gefühl einen Namen geben, nämlich „Wut“, „Trauer“ u.s.w.; auf diese Weise wird aus einem real entstandenen Gefühl ein Konzept, also etwas Nicht-existentes!!! Dieses Konzept können wir in unser Selbst-Konzept integrieren. Da es dann als zu uns gehörig interpretiert wird, denken wir wiederum darüber nach.

Zudem sehen wir, wie in der Anhaftung aufgrund der gedanklich-emotionalen Beschäftigung  mit dem Gefühl Feedbacks entstehen, also zB neue Gedanken, die dann neue Gefühle auslösen und wieder Begehren, welches selbst als Spannung (= unangenehme Körperempfindung) wahrgenommen wird und darüber wieder zu Gefühlen führt und so weiter und so fort. Diese gesamten Feedbacks nennt der Buddhismus „papanca“.

Und wir sehen, dass wir auf all diese Vorgänge in ihrem ersten Entstehen keinen Einfluss haben. Der Versuch, Einfluss zu nehmen (nämlich in erster Linie auf das Gefühl), kommt erst im Rahmen der Anhaftung zum Tragen. Die Anhaftung ist also – wenn man so will – unser „Problemlösemodus“. Wir versuchen, über unsere Gedanken das Gefühl zu beseitigen, verstärken es aber nur, indem wir ihm Aufmerksamkeit schenken. Und da sitzen auch die alten (psychologischen) Muster: Wir glauben, durch Nachdenken und Analyse die Kontrolle über die Ursache des unangenehmen Gefühls gewinnen zu können. Das ist der „Kontrollfreak“ in uns. In der Realität aber können wir nur einen Bruchteil dessen, was uns unangenehmes Gefühl beschert (oder angenehmes Gefühl „wegnimmt“) kontrollieren. In der vipâssana-Meditation lassen wir diesen Kontrollfreak so zu sagen ins Lehre laufen – wir reagieren nicht auf ihn, sondern lassen die Dinge, gegen die er sich auflehnt, auf sich beruhen.

Während die „papanca“ im Rahmen des Bedingten Entstehens vom Anhaften aus gesehen „rückwärts gewandt“ sind, erkennt man im weiteren Verlauf des Bedingten Entstehens nach dem Anhaften (also „vorwärts gewandt“), wie unser Selbstkonzept entsteht und dieses Konzept unterhalten und gestärkt wird. Hier (erst) kommen die alten Muster zum tragen, gemäß welcher wir auf bestimmte Situationen immer nach dem gleichen Prinzip re-agieren. Re-agieren, weil unser Handeln aufgrund der alten Muster automatisch abläuft, in Abgrenzung zu einem Agieren, welches wissensklar (vgl. das Satipatthâna-Sutta) einzig dem gegenwärtigen Moment Rechnung trägt. Dies stets gleiche Handeln erweckt in uns den Eindruck einer Stabilität, von etwas Statischem, eines unveränderlichen „ICH“. Nach welchen alten Mustern genau der Geist arbeitet spielt eine nur untergeordnete Rolle; entscheidend ist, DASS es nur Muster sind und wie sich das auf uns auswirkt, nämlich in der Illusion eines substanziellen „ICH“ (welches zusätzlich genährt wird durch die Identifikation mit dem Körper, den Gefühlen … kurz: den 5 Aggregaten).

Mir scheint es, als hätte AKZEPTANZ eine Schlüsselfunktion. Es geht darum, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie nunmal jetzt sind und nicht zu versuchen sie loszuwerden.

Ja, in der Tat. Indem wir versuchen, sie los zu werden, schenken wir ihnen Aufmerksamkeit und Energie – dadurch verstärken sie sich. Im Japanischen gibt es den etwas martialischen Ausdruck „Töten durch Nichtbeachten“ (weiß leider nicht mehr, wie es auf Japanisch heißt *smile*); das ist in etwa, was hier geschieht. Mit einer Besonderheit (und dies ist wirklich ganz fundamental für die gesamte buddhistische Lehre): Was lassen wir los? Nur die Gedanken an das Ereignis, nicht das Ereignis selbst. Warum? Weil wir ein Ereignis nicht loslassen KÖNNEN. Ein Schmerz, Geräusch, Duft … ist da. Das resultierende Gefühl … ist da. Das resultierende Begehren … ist da (erst in den höchsten meditativen Zuständen kann die Kette des Bedingten Entstehens bereits an einer dieser Stellen durchschnitten werden)

Ich denke, dass dem „Er“, von dem du sprichst, dadurch der Wind aus den Segeln genommen wird, da man auch das ganze Negative im jetzigen Moment annimmt und akzeptiert. 

Das Negative im jetzigen Moment Annehmen entspricht genau diesem oben beschriebenen Vorgang. Loslassen (und den Kontrollfreak „vor die Wand laufen lassen“ *smile*) IST gewissermaßen Liebevolle Annahme.

Ich habe das „Loslassen“ im BLESSED-Kreislauf in einigen Situationen falsch interpretiert im Sinne von „Nun lass es endlich los!“

Das ist in der Tat falsch interpretiert *smile*

Vielmehr ist damit wohl das Akzeptieren aber gleichzeitig NICHT Anhaften gemeint. 

Ok, also: Loslassen ist das diametrale Gegenstück zum Anhaften. Das bedeutet: Wenn Anhaften das gedanklich-emotionale Sich-verwickeln-lassen in ein Ereignis ist, dann ist Loslassen eben das Nichtweiterdenken jenes Ereignisses. Mehr steckt nicht hinter dem vielgerühmten Loslassen. Die einfache Formel:

Loslassen ≙ Liebevolle Annahme ≙ Infriedenheit / Anhaften ≙ Widerstand ≙ Leid

Ich habe in letzter Zeit im Alltag häufig BLESSED angewendet. Habe im Anschluss immer noch einen Metta-Wunsch in mir zum entstehen gebracht. Gerade „Möge mein Geist ruhig und friedvoll sein“ erzeugt in mir gleich eine leichte Entspannung.

Das ist auf jeden Fall gut und richtig 🙂

Aber wenn ich das Gefühl von innerem Frieden und Lächeln in mir erzeuge lasse ich beispielsweise dem Gefühl „Angst“ oder „Wut“ weniger Platz in mir. Ist es nicht so, dass ich diese Gefühle dann im gewissen Maße verdränge und ihnen nicht ausreichend Platz einräume? Das widerspricht in meinen Augen dem Denkansatz „Wut ist da. Hey, es ist o.k.!! Wut darf das sein.“ Andererseits kann es ja auch nur gut sein, wenn ich über den Metta-Wunsch mehr Gelassenheit in mir verspüre…..!?

Nein, Du verdrängst gar nichts. Weil Du das Gefühl der Wut selbst ja gar nicht anlangst. Verdrängung bedeutet „Ins Unbewusste verschieben und verhindern, dass es wieder hervortritt“. Das geschieht, wenn man unmittelbar nach dem Feststellen eines negativen Gedanken zum Meditationsobjekt zurückkehrt und sich auf das Meditationsobjekt fokussiert und absorbiert. Wir hingegen machen uns im BLESSED einen Mechanismus des Gehirns zunutze: Beobachte einmal, was geschieht, wenn Du von einem Gedanken fortgetragen worden bist und Dir dessen bewusst wirst. Was geschieht in der Sekunde, da Du diesem Gedanken Auge in Auge gegenüberstehst? Der Gedanke kommt  für einen Augenblick zum Stoppen und die Aufmerksamkeit sucht sich etwas anderes, womit sie sich beschäftigen kann. Dies ist immer das Naheliegendste, was eben da ist, und zwar irgendetwas, was sich „bewegt“ im Sinne von verändert. In diesem Atemzuge kommt die Aufmerksamkeit ganz leicht und fast von allein wieder in den gegenwärtigen Moment und zieht sich von dem Gedanken zurück. Das geschieht – noch einmal – NICHT durch eine Aktion des Praktizierenden, sondern durch das alleinige Sichbewusstwerden des „Nicht auf dem Meditationsobjekt Seins“.

Das Entspannen und Lächeln hilft dabei (in der Art einer reziproken Hemmung), dass die negativen Gedanken erst einmal nicht wieder auftreten. Sitzen sie aber tief, werden sie trotzdem wiederkommen … und irgendwann sich auflösen. DANN sind sie verarbeitet.

Zudem motiviert das Entspannen und Lächeln dazu, dem alten Muster des „dem Gedanken Nachgebens und Weiterdenkens“ (= Anhaftens) nicht zu folgen, da der Organismus merkt: „Aha, es fühlt sich viel besser an, NICHT anzuhaften“ – das ist positive Konditionierung durch Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn.

In der vipâssana-Meditation lernen wir also systematisch, nicht anzuhaften. Das Aufgeben des Anhaftens ist aber eine enorm schwierige Übung, eben weil unsere alten Muster alte und eingefahrene Muster sind, die ja selbst auch Objekt der Anhaftung sind – indem wir uns mit ihnen identifizieren. Daher hat der Buddha als Grundlage des Aufgebens des Anhaftens die (zunächst rationale) Erkenntnis von Nicht-Ich (anatta) gesetzt. Denn diese Erkenntnis hebelt auch den letzten Widerstand aus. Selbst der verzweifeltste Depressive, der da sagt: „Das bringt doch alles nichts! Ich kann nicht loslassen! Ich bin und bleibe traurig!“ wird diese Ansicht aufgeben, wenn er sieht, dass dies nichts weiter als Ansichten sind, entstanden aus „papanca“, und die wiederum aus völlig unpersönlichen Vorgängen. Es steckt niemand „hinter“ diesen Ansichten – es sind nur bedingt entstandene Gedanken, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Auf diese Weise wird er sich fragen: „WER leistet denn da Widerstand? WER ist denn da traurig? WER zweifelt denn da an der Lehre des Buddha? Es ist niemand zuhause. Ich kann Kummer, Klage, Sorge, Leid, Trübsal und Verzweiflung einfach loslassen, weil da unterm Strich niemand ist, der all das empfindet.“

Mmh, das ist mit so einem westlichen Gehirn echt nicht leicht zu verstehen! 😉 Man ist bis jetzt häufig darauf bedacht gewesen, sich vor negativen Gedanken und Emotionen zu schützen und jetzt soll man genau diese leidbringenden Objekte akzeptieren.

Noch einmal: Wir akzeptieren zunächst nicht die Erscheinungen, sondern unsere Reaktion auf sie, erkennen sie als Nicht-Ich, als reine Reaktions-Muster, die unser Leid erschaffen. Erst in der Konsequenz schließen wir Frieden mit den Erscheinungen, weil wir dann nämlich erkennen, dass es nicht die Erscheinungen sind, die uns Leid zufügen, sondern unsere Reaktion auf die Erscheinungen. Und die können wir loslassen, denn sie sind ja nicht ICH.

Ich meine langsam zu verstehen, dass sie sich genau dadurch auflösen, da der Geist irgendwann keine Lust mehr hat, wenn man nicht ständig mit ihm diskutiert und versucht zu widersprechen. 

Hahaha …. Darauf würde ich mich nicht verlassen ;). Zunächst einmal diskutieren wir ja nicht mit unserem Geist. Das hieße den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Wir beachten ihn einfach nicht mehr, wenn er „zickt“ oder böse oder eifersüchtig wird. Es ist für uns in dem hohen Stadium der Erkenntnis von Nicht-Ich, als würde sich all das, was sich in unserem Geist abspielt, auf einer Kinoleinwand abspielen – ich kann es wahrnehmen, aber es ist nur ein Film. Der Mörder, der aus der Kinoleinwand heraus auf mich schießt, kann mich nicht verletzen. Wir brauchen also nicht den Filmprojektor zu zerstören; es reicht völlig aus, den Film als das zu würdigen, was er ist: Ein Film. Ebenso verfahren wir mit unserem Geist. Lass den Film einfach laufen … macht doch nichts. Im Gegenteil: Auf diese Weise kann sogar ein Krimi oder Drama oder Ähnliches erheiternd sein. Und das wollte der Buddha! Schau Dir mit freudvollem und heiterem Interesse an, was sich in Deinem Oberstübchen abspielt – und mach Dir nichts draus (sprich: Mach nicht mehr daraus als es ist, nämlich ein Film).

Ich hoffe, Ihr konntet ein wenig aus diesem Artikel für Euch und Eure Meditation herausziehen.

Von Herzen sendet Euch METTA & SMILES

„Phra“ Atishakaro (Michael) _/\_

Vergeben und vergessen -Teil 3

Namasté 🙂

Vor längerer Zeit ergab sich einem anderen Blog ein kurzer Austausch über das Thema Vergebung. Hier äußerte jemand, es bestünde keine Notwendigkeit, jemandem, der ihn etwas unsachlich angegriffen hatte, zu verzeihen. Es käme einzig darauf an, sich selbst zu vergeben, dafür vor allem, dass man darüber wütend geworden sei, sich von Ärger habe mitreißen lassen. Ich möchte an dieser Stelle einmal einige Erwägungen dazu äußern:

Einige gute und erfahrene spirituelle und Meditations-Lehrer empfehlen bestimmten Menschen die buddhistische Meditation der Vergebung als Vorbereitung zur Metta-Meditation oder zur spirituellen Praxis insgesamt. Dies gilt besonders für Menschen, die sehr „alte und tiefe Wunden“ mit sich herumtragen, die sich im Laufe vieler Jahre zu Strukturen verhärtet haben, die ihnen selbst und ihrer Umwelt Schaden und Leid zum Entstehen bringen. Oftmals gehen diese Strukturen einher mit psychischen Erkrankungen, insbesondere – aber nicht nur – mit so genannten „Persönlichkeitsstörungen“ oder Belastungsstörungen[1].

Nun, lass uns vorab einmal kurz einen Blick darauf werfen, was unter „lernen“ zu verstehen ist. Verkürzt dargestellt bedeutet lernen, dass man ein Erfahrung gemacht hat, diese Erfahrung hat man als angenehm oder unangenehm erlebt, und so merkt man sich diese Erfahrung um sich das Angenehme wieder beschaffen zu können oder das Unangenehme zu vermeiden. Die Übertragung auf vergleichbare Situationen (Transferleistungen) sind hierbei bereits intellektuelle Vorgänge, die nur Wesen zur Verfügung stehen, von denen die Wissenschaft als „intelligent“ spricht[2].

Lernen auf der reinen Erfahrungsebene ist also ausgesprochen nützlich; stellt man sich vor, man würde immer und immer wieder auf eine heiße Herdplatte fassen, wird das recht deutlich. Aber unser menschliches Gehirn neigt auf eine unvorstellbare und immense Weise zu Transferleistungen. Auch Transferleistungen sind ausgesprochen nützlich (sonst hätten sie sich evolutionär nicht durchgesetzt), aber sie bergen eine große Gefahr, nämlich die der Verallgemeinerung. Unser Gehirn erinnert Ereignisse und zieht zumindest als Möglichkeit in Betracht, dass das Ergebnis in der vorliegenden vergleichbaren Situation ein ebenso vergleichbares sein wird. Wenn man das auf einen Menschen anwendet, der einem Schmerz zugefügt hat, bedeutet das, dem anderen die Chance zu nehmen, sich zu rehabilitieren.

Dieses Prinzip der Rehabilitation (das über das System der Bewährungsstrafe sogar in unser Strafrecht Einzug gehalten hat) ist auch für uns als Individuen von größter Bedeutung. Wir haben bereits gesehen, dass Lernen immer mit Erinnerung zu tun hat. Es sind neuronale Verknüpfungen entstanden, und wenn diese aktiviert werden, werden die Energien aktiviert, die mit dem schmerzhaften Ereignis verknüpft sind. In Bezug auf eine Person, die uns Schmerz zugefügt hat bedeutet das: Sehe ich diese Person wieder oder denke an sie, werden die negativen Energien (E. Tolle würde sie wohl Schmerzkörperenergien nennen) wieder frei. Frei kann aber nur werden, was zwar verborgen aber gleichwohl noch da war! Mit anderen Worten: Es bleibt ein Residuum an negativen Energien in uns erhalten. Dieses Residuum gilt es aufzulösen! Und das tun wir, indem wir vergeben, und zwar

1) der Person, die uns den Schmerz zugefügt hat. An dieser Stelle erscheint es mir wichtig, auf etwas hinzuweisen, was ich immer und immer wieder erwähne: Die andere Person kann mir gar kein Leid zufügen, sondern nur Schmerz! Leid kann ich mir nur selber zufügen. Warum? Weil Schmerz immer das ist, was im jetzigen gegenwärtigen Augenblick spürbar ist, und zwar unmittelbar ausgehend von der Schmerzquelle. Leid hingegen ist die zeitlich-psychologische Komponente des Schmerzes, jenes „durch die Erinnerung und die Gedanken den Schmerz wieder in den gegenwärtigen Moment hinein Holen“; damit ist Leid immer mittelbar![3]

2) gegebenenfalls auch der Situation dafür, dass sie sich gestaltet hat, wie sie sich gestaltet hat. Eine Situation ist niemals gut oder schlecht, sie ist immer wie sie ist – das ist eine spirituelle Binsenweisheit. Sie kann sich nur gut oder schlecht anfühlen; das hingegen ist sehr subjektiv – des Einen Freud, des Anderen „Leid“. Indem wir der Situation vergeben, wie sie war, tragen wir dem Rechnung, was Jesus meinte, als er am Kreuz sagte: „Nicht mein sondern Dein Wille geschehe.“ Wir be- und verurteilen eine Situation immer nur nach unserem Dünkel, nach dem, was uns richtig oder falsch erscheint.

Lösen wir dieses Residuum nicht auf, tragen wir die Energien mit uns herum, wir sind „nach-tragend“. Aber man merke: Wenn wir jemandem etwas nachtragen – einen ganzen Koffer voller Vorwürfe hinterhertragen -, wer trägt dann die ganze Last? Der, der nachträgt … solange bis er ver-gibt, also den Koffer aus der Hand gibt. Damit sind wir die Last los, erst dann tritt wirkliche Erleichterung ein – der Himmel reißt auf und das Licht der Liebenden-Güte kann in uns erstrahlen und über uns hinaus in die Welt. Machen wir diesen Schritt nicht, sind wir wie der Kofferträger, der nach rechts, nach links, nach oben und unten flucht und schimpft und in alle Richtungen Negativität versprüht und damit seine Mitwesen unter seinem Leid leiden lässt. So machen es die meisten unserer Mitmenschen … aber sie wissen es nicht besser, daher können wir ihnen ihre Unwissenheit und ihr Unverständnis vergeben. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23,34)

Und damit kommen wir zu dem wichtigen Punkt, den der Kommentator in jenem Blog erwähnte: Das „sich selbst Vergeben“ ist von größter Bedeutung. Man sollte unablässig daran arbeiten, mit sich selbst ins Reine zu kommen, Mitgefühl mit sich selbst zu haben, daran arbeiten zu verstehen, dass man es selbst ist, der sich das Leid zufügt – sich selbst vergeben in verständiger Würdigung unserer alten negativen Strukturen, die wir uns ja allesamt nicht ausgesucht haben!! Tief in unseren Herzen ist nichts als Liebe! In ausnahmslos jedem Menschen! Es gibt gar keine schlechten Menschen, es gibt nur schlechte Handlungen!

Möge uns die Erkenntnis dieser Liebe dazu verhelfen, uns selbst und allen Wesen liebend zu begegnen.

METTA sendet Euch

Michael


[1] Die Vergebungsmeditation ist eine Praxis, die ich aus eben diesem Grunde erst mit Übenden durchführen werde, wenn ich selbst (im Selbstversuch) ausreichend Erfahrung mit ihr gesammelt habe und meine Ausbildung zum Psychotherapeuten (HP) abgeschlossen habe. Wer immer sie praktiziert, er/sie sollte sie NUR unter Anleitung eines erfahrenen Lehrers praktizieren)

[2] Spannendes Thema übrigens, denn neben dem Menschen wird auch zunehmend aufgrund entsprechender Transfer-Versuchsreihen auch zB Rabenvögeln seitens der Wissenschaft Intelligenz zugesprochen.

[3] Für die Vergebungsmeditation bedeutet das, ich vergebe dem anderen den Schmerz, den er mir zugefügt hat, und ich vergebe mir selbst das Leid, das ich mir selbst dadurch erschaffe, dass ich die „aufpoppenden“ Gedanken an das Ereignis und den Schmerz nicht loslasse sondern sie mit wachsender negativer Emotionalität weiterdenke.

Vergeben und Vergessen, Teil II

Vergeben und Vergessen, Teil II – „Wie kann man nur so ätzend sein …“

(Oder: praktiziertes Mitgefühl)

„Nur Liebe, nur Liebe – wie haben sonst kein Werk“

(Dschelalleddin Rumi, islam. Mystiker)

 Vor einiger Zeit berichtete eine Freundin über einen ganz alltäglich anmutenden Vorfall auf dem Wochenmarkt in Münster: Eine ziemlich mürrische Frau an einem Brotstand, die erst ihrer kleinen Tochter verbot, den süßen Hund eines anderen Kunden zu streicheln („die haben Flöhe!“) und dann die Verkäuferin anherrschte, gefälligst das Brot mit Handschuhen anzufassen, das sei doch ohnehin Hygienevorschrift. Und als sie merkte, dass man ihr Verhalten ringsum „wohl auch noch witzig“ fand, habe sie zu  ihrer Tochte gesagt: „Hier kaufen wir nicht noch mal“.

Es gibt wirklich viele Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung, die „richtig ätzend“ sind, die nur herumnörgeln, die Welt morgens schon einmal auf Verdacht verfluchen und sich und anderen mit ihrer destruktiven Art das Leben unaufhörlich schwer machen. Wie geht man mit ihnen um? Wie gehen WIR als Menschen des „WEGES“, des spirituellen Pfades mit ihnen um? Ich antwortete seinerzeit:

„Eine der wohl größten Herausforderungen, denen ein “Spiritueller” gegenübersteht, ist wohl, leidenden Wesen wie dieser Frau Mitgefühl und METTA (Liebende-Güte) entgegen zu bringen; aber wenn es uns gelingt, fühlt es sich wahrlich schön an, und dieses schöne Gefühl ist wiederum die Nahrung der Liebenden-Güte, die wir dann wieder in die Welt geben können. Ein wundervoller Kreis.“

Mir wurden daraufhin viele Fragen gestellt, wichtige Fragen, wie ich finde, und ich möchte ihnen daher ein wenig Platz widmen:

„Es ist eine Sache in den eigen vier Wänden (oder in einer Höhle im Himalaja) zu meditieren und von universalem Mitgefühl durchströmt zu werden und eine ganz andere, damit in der Welt zu sein“. –

Methodische Meditation (ich spreche hier stets von anapanasati-vipâssana-bhâvana und metta-vipâssana-bhâvana Meditation) eröffnet uns den Weg, ein tiefes Verständnis in das Wahre-Wesen der „zehntausend Dinge“ zu erlangen. Bereits auf noch nicht sehr tiefen Meditationsstufen (jhâna) empfindet man mitunter ein Gefühl großer Freude und Glückseligkeit. Das besondere an dieser Freude ist, dass sie nicht objektbezogen ist – es ist eine Freude um ihrer selbst Willen, die einfach so entsteht, ohne an etwas gebunden zu sein. Es ist diese Freude (einige nennen es das „lichte Wesen in uns“), die uns stets begleitet; sie kann nicht schwinden, denn sie ist unser ganz natürlicher Zustand, der Zustand des gefühlten Einklanges mit dem Tao. Nun können wir trainieren, das Empfinden dieses Gefühl zu … kultivieren. Da es stets da ist, können wir es jederzeit in uns wach rufen / heller scheinen lassen. Das ist das Prinzip der buddhistischen Metta-Meditation: Wir holen in uns jenes Gefühl der objektlosen Freude hervor – und zwar möglichst während unserer gesamten Wachzeit. Auf diese Weise holen wir es in den Alltag hinein. Als erstes gilt es also einmal, uns selber in einen freudvollen Zustand zu versetzen, getreu dem Motto „Liebe Deinen Nächsten WIE DICH SELBST“ – die Kraft den Nächsten zu lieben holen wir uns aus der Liebe und Freude, die wir uns selber schenken. Dann, und das ist der zweite Schritt, kann man dem Nächsten – wie z.B. dieser Frau auf dem Markt – Liebende-Güte senden.

„Was bedeutet es, Mitgefühl zu empfinden? Ist eine Art “höherer” Auftrag damit verbunden? oder ist der Wunsch, es auszudrücken, ein persönlicher, möglicherweise entstehend durch den Wunsch, sich besser/weiter/höher zu fühlen?“ –

Wenn uns jemand wie diese Frau begegnet haben wir unterschiedliche Möglichkeiten zu handeln: Wir können ihr Leid erkennen und Mitleid empfinden. Dann aber tendieren wir tatsächlich dazu, eine Art Arroganz aufkeimen zu lassen – das ist nicht heilsam (und meist ist es dann auch kein echtes Mitleid). Noch weniger heilsam ist es aber, überhaupt und wirklich mit-zu-leiden. Wie es Euch geht, weiß ich nicht, aber ich möchte nicht leiden, und schon gar nicht unter dem Leid eines Anderen. Buddha Gautama lehrte den Weg der Beendigung von Leid; wenn ich leide, habe ich keine Kraft, anderen Menschen Liebende-Güte zu schenken. Ich mache das Leid des Anderen zu meinem Leid, und das führt zu nichts, denn geteiltes Leid ist nicht halbes Leid! Und wenn ich den Ärger, die Wut, den Hass des Anderen persönlich nehme und ihn so, zu meinem Hass mache, dann werfe ich ihn der anderen Person zurück und entgegen, und beschimpfe sie vielleicht und es entwickelt sich eine Situation, in der keiner mehr dem anderen zuhört. In einem solchen Fall – leider wohl dem häufigsten Fall – herrscht Krieg, als Folge meiner Re-aktion auf eine Handlung. Ich re-agiere, ich agiere nicht. Ich kann aber auch einfach agieren, und diesem Menschen Mitgefühl entgegenbringen. Was aber ist nun Mitgefühl? Mitgefühl bedeutet

– das Leid des Anderen zu sehen und der Person ZU ERLAUBEN SEINEN SCHMERZ ODER IHR LEID ZU HABEN,

– dem Leid seinen Raum zuzugestehen, ohne dagegen Widerstand zu leisten – und

– DIESE PERSON DESSEN UNGEACHTET ZU LIEBEN

Was immer diese Frau in diesem Moment sagte oder tat, es war nicht wichtig! Es ging ihr nur darum, Recht zu haben oder Hass zu schüren oder was immer … wirklich etwas zu sagen hatte sie nicht. Statt ihr also zuzuhören, warum nicht jenes freudige Gefühl von Liebender-Güte in unserer Brust entstehen lassen und sie ihr senden. Baue einfach eine imaginäre Brücke von Deinem Herzen zu ihrem Herzen, und lasse Liebe, Wärme und Güte zu dieser Person fließen. Der Erfolg dessen ist zumindest, dass in Dir ein Gefühl von Frieden entsteht, und dieses hilft dabei, die Spannung, die in Dir entstanden ist, loszulassen und sehr im Jetzt-Hier zu sein – friedlich und voller Ruhe.

„Und darüber hinaus?  Wäre überhaupt irgendein authentischer Ausdruck von Mitgefühl bei ihr angekommen?“

Die Praxis Liebender-Güte zielt in erster Linie darauf ab, dass der Praktizierende ein Gefühl von Freude, von Harmonie, von Frieden in sich empfindet – so oft und so lang wie möglich. Das hat dem Buddhismus den Ruf einer egoistischen Religion eingebracht. Aber: „If you want to affect the world around you positively, then BE POSITIVE” (Bhante Vimalaramsi). Wir haben keine andere Möglichkeit, als unseren Mitmenschen Mitgefühl und Liebende-Güte entgegen zu bringen – man kann niemanden zu seinem Glück zwingen, indem man ihm die rechte Sichtweise aufzwängt. Betrachten wir es also nicht als ein „immerhin ist mir selbst  damit geholfen“, sondern als ein „hey, ich erschaffe mir selbst die Basis, Liebe zu schenken, indem ich das Fundament der Liebenden Güte in mir selbst frei lege“ – ist das nichts? 😉

Zum zweiten kommt es bei der anderen Person auf jeden Fall an, denn durch Deine Praxis Liebender-Güte (wie durch jede spirituelle Praxis) hebst Du das global – nein, universal das „Schwingungsniveau“. „Wenn auch nur ein Mönch in irgendeiner Höhle Zazen praktiziert“, sagte mal ein Zen-Meister, „praktiziert die ganze Welt Zazen“. Schenke Liebe und Güte, und die ganze Welt schenkt Liebe und Güte – denn wir sind nicht getrennt voneinander … Aber noch etwas: Auch wenn es etwas esoterisch klingen mag: Wenn wir einmal unterstellen, dass alles Schwingung ist, alles das Eine Sein, alles der Eine Geist, und vor diesem Hintergrund einmal betrachten, dass, wie tausendfach berichtet worden ist, Mütter den Tod ihrer Söhne an der Front sekundengenau daheim erlebt haben, dann fällt mir kein Grund ein, warum nicht, je feinstofflicher wir durch unsere spirituelle Praxis werden, wir eine Verbindung herstellen können, einen „Kanal“ zu anderen fühlenden Wesen, durch den wir Liebende Güte gleichermaßen hindurch senden können. Der Andere kann das spüren – das berichten viele Praktizierende der Metta-Meditation (ich selbst hab es im Ansatz auch erlebt). Und warum soll man durch Verwünschung Negatives jemandem senden können, aber nicht Positives durch das Aussenden von Metta? Für mich absolut stimmig.

„Mir scheint, Mitgefühl allein anhand des Ausdrucks erkennen zu wollen, ist nicht möglich…und es situationsabhängig und auf meine authentische Weise zum Ausdruck zu bringen, wenn ich das Bedürfnis habe, es zu tun, ist das, was sich für mich richtig anfühlt – gibt es eine Möglichkeit, es als gelungen oder nicht gelungen zu beurteilen? anhand welcher Kriterien? kann es universal gültige Mitgefühlausdrucksregeln geben?“ –

Spielt das nach all dem Gesagten noch eine Rolle? Was hält uns davon ab, während unserer gesamten Wachzeit (oder jedenfalls, wenn wir uns nicht grad auf unsere Arbeit konzentrieren müssen … aber vielleicht selbst dann) uns selber und anderen fühlenden Wesen Liebende-Güte zu schenken? Ich spreche von Großzügigkeit und Freigiebigkeit (dâna), im Übrigen etwas, was der Buddha Gautama immer und immer wieder lehrte! Wir haben unfassbar viel Liebe in uns – geben wir sie weg an die fühlenden Wesen, die sie grad brauchen, weil ihre eigene Freude der Liebe durch Gedanken überschattet ist. Das Geben Liebender-Güte kann uns selbst wiederum mit großer Freude erfüllen, und das hat eine erstaunliche Konsequenz: Ein freudiger Geist ist ein leichter, offener und unverkrampfter Geist, im Gegensatz zu einem Geist, der konzentriert ist oder Widerstand leistet gegen die Wahrheit des jetzigen Momentes. Widerstand ist Verkrampfung! Also lösen wir einfach unsere Verkrampfungen, dadurch lassen wir unseren Widerstand los, das „negative Begehren“ löst sich auf, und es tritt ein Gefühl großer Infriedenheit ein – kein Gedanke mehr, keine Spannung … nichts … nur Ruhe, Frieden. Und dieser weitoffene und friedvolle Geist ist der Geist, der gut meditiert! Unsere Meditationen werden tiefer und „besser“, je weicher und freudvoller unser Geist ist, und das bedeutet wiederum große Fortschritte in der spirituellen Praxis, und hieraus entsteht Freude, und diese nährt unsere Liebende-Güte, und diese weiter zu geben erfüllt uns mit Freude, und Freude macht den Geist ruhig und klar (wer Freude empfindet ist sehr im Jetzt-Hier), und ein ruhiger klarer Geist meditiert gut – das ist die Wirkung von Metta-Meditation.

Ich denke, gehirnakrobatische Verrenkungen wie „kann es universal gültige Mitgefühlausdrucksregeln geben?“ führen vergleichsweise nicht weit.

MAHA-METTA wünscht und sendet Euch

Michael

„Vergeben und Vergessen“ – Teil 1

„Vergeben und vergessen“ – die Magie des Hier und Jetzt

„Willst Du dem Pfad der Heiligen folgen,

so lerne zuerst Vergebung.“

(Sufi-Meister Hazrat Inayat Khan)

 Wohl kaum jemand von uns wird ernsthaft behaupten können, es gäbe niemanden in seiner persönlichen Geschichte, der ihm je körperlichen oder seelischen Schmerz zugefügt hätte. In aller Regel heilen kleine Wunden schnell – man verzeiht dem anderen, weil er eingesehen hat, dass er etwas getan oder gesagt hat, was er nicht hätte tun oder sagen sollen; oder man klärt die Situation in einem Gespräch.

Wie aber kommt es dazu, dass immer einmal wieder auch ein bitterer Nachgeschmack bleibt, bis hin zu einem „Das kann und werde ich Dir niemals verzeihen!“

Eine grundlegende Handlungsmotivation eines jeden Lebewesens ist der Drang nach Art- und Selbsterhaltung. Vor allem der Selbsterhaltungstrieb setzt ein Streben nach Schutz und Sicherheit frei, und eine Fähigkeit, die diesem Streben zur Seite steht, ist die Fähigkeit zu lernen. Diese ausgesprochen nützliche Fähigkeit hat jedoch, wie so vieles, auch seine Kehrseite: Die meisten Lernprozesse, durch die wir gehen, passieren unbewusst, das bedeutet, ich habe keinerlei Einfluss darauf, ob und was ich aus einer Situation lerne. Wir unterliegen alle zunächst einmal dem gleichen Prinzip wie der „Pawlow’sche Hund“. Wenn ich mit dem Finger auf die heiße Herdplatte fasse, dann tut das weh, also lasse ich das besser.

Vom Grundprinzip her ebenso funktionieren wir auf Ebene der Erfahrung, die wir mit anderen Menschen machen. Wenn eine Herdplatte rot glüht, dann klingeln bei uns die Alarmglocken, und ähnliches kann passieren, wenn wir einen bestimmten Menschen sehen – wir wittern Bedrohung und Gefahr. Das ist ein uraltes Muster der Menschheitsgeschichte und, wie so vieles, was die Evolution sich „ausgedacht“ hat, für sich genommen sehr sinnvoll, denn es vermag uns vor Schmerz oder Schlimmerem zu bewahren.

Nun ist das, was da eben (natürlich sehr knapp) beschrieben wurde, recht instinktiv und betrifft Menschen wir Tiere zunächst einmal gleichermaßen. Worin liegt nun die Besonderheit beim Menschen? Die Besonderheit liegt im Begriff „Leid“.

Leid ist die dem Prinzip von Zeit unterstellte psychologische Komponente von Schmerz.

Anders ausgedrückt: Leid ist nicht Schmerz, sondern das, was wir aus dem Schmerz machen. So ist Leid jedes Zurückholen von vergangenem Schmerz in den gegenwärtigen Moment, jedes Hineinholen von künftigem Schmerz in den gegenwärtigen Moment. Und hier liegt das Problem: Einem Menschen nicht verzeihen können bedeutet immer, im gegenwärtigen Moment unter einem Schmerz zu leiden, den der andere mir zwar angetan hat, der aber längst vorbei ist. Solange ich in dieser Erinnerung lebe und dem anderen dessen Verhalten nachtrage (man lasse den Begriff einmal auf sich wirken), leide ich weiter unter dieser Vergangenheit, unter dieser Erinnerung, unter etwas, was nicht existiert. Und: Ich verknüpfe dieses schmerzhafte Erlebnis mit diesem Menschen. Damit verweigere ich mich der Einsicht, dass alle Dinge grundsätzlich im Wandel sind, sich verändern. Jemandem verzeihen heißt also hier auch soviel wie: Darauf vertrauen, dass er mir einen Schmerz nicht noch einmal zufügt. Hier ist auch wieder die zeitliche Komponente sichtbar. Verzeihen wir nicht, dann holen wir einen (möglicherweise) eintretenden Schmerz aus der Zukunft in die Gegenwart, aus Angst vor künftigem Schmerz.

Wenn ich völlig im gegenwärtigen Moment bin, in welchem weder Schmerz noch Bedrohung noch Gefahr unmittelbar vorliegt, dann „lasse ich die Luft“ aus meinen schmerzhaften Erinnerungen. Ebenso, wie ich auf die Herdplatte nicht böse bin, weil ich mich an ihr verbrannt habe, werde ich auf den anderen Menschen nicht mehr böse sein, an dem ich mich verbrannt habe. Das bedeutet nicht, dass ich nicht vor beidem auf der Hut sein soll, aber ich nehme den emotionalen Aspekt heraus, indem ich diesen einfach loslasse, ihn nicht persönlich nehme, das Geschehene nicht zu einem Teil von mir werden lasse, sondern es betrachte als das, was es war: Schmerz. Und der ist nun vorbei.

Wenn ich mich auf diese Art dem jetzigen Moment hingebe, bleibt kein Raum für Wut und Hass. Ein solches erhabenes (= aus einer höheren Warte aus betrachtendes) Bewusstsein nimmt jede Restspannung aus jedem vergangenen Konflikt. Und der Zustand von mentaler Ent-spanntheit ist der Zustand von Frieden. „Dem Pfad der Heiligen folgen“ heißt auch FRIEDEN finden.

Zusammengefasst und mit etwas anderen Worten liegt Vergebung unmittelbar in der Hingabe an den jetzigen, den gegenwärtigen Moment. Vergebung ist notwendige Konsequenz des Verweilens im Jetzt-Hier. Und Meditation hilft uns dabei, immer wieder einmal „aufpoppende“ alte Hass- und Wutgefühle, mentale Spannungen und Verkrampfungen, loszulassen. In den Dhammapada, heiligen Schriften des Buddhismus, heißt es:

„Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet“,
Solange man so denkt, wird Hass niemals beendet.
„Beraubt bin ich, besiegt, geschlagen und geschändet“,
Wenn man so nicht mehr denkt, dann ist der Hass beendet.
Hass wird durch Hass niemals überwunden und gestillt;

Hass wird nur durch Liebe überwunden‘ – ein ewiges Gesetz, ein Satz, der immer gilt.“

 Nun, bislang ging es ja darum, wie es sich verhält, wenn jemand mir etwas angetan hat. Was aber, wenn jemand mir etwas nicht angetan hat. Die Rede ist von Enttäuschungen.

Im Grunde bedarf dieses Thema keiner gesonderten Betrachtung. Das Prinzip lautet gleichermaßen: Jemand hat mir einen (meist mentalen) Schmerz zugefügt, ich projiziere diesen Schmerz auf die Person des anderen, hasse ihn dafür und lasse den Schmerz in meiner Erinnerung fortbestehen, indem ich den Schmerz „persönlich nehme“, ihn zu einem Teil von mir werden lasse. Ich leide und rechne dem anderen dieses Leid zu.

Eine Besonderheit gibt es aber dennoch: Im Vordergrund steht hier eine Erwartungshaltung, die jemand anders nicht bedient hat. Derjenige, der die Messlatte und auch das Richtbeil in der Hand hat, bin also ICH. Das bedeutet: Wenn jemand meinen Erwartungen nicht entspricht, dann kratzt das noch weitaus mehr an meinem „Ehrgefühl“, an meiner „Persönlichkeit“. Das Persönlichnehmen steht also sehr im Vordergrund. „ICH will, dass die Dinge so laufen, wie ICH sie erwarte. Und da das nicht der Fall ist und ich auch nicht die Kontrolle über andere Menschen ausüben kann, bin ich jetzt wütend, traurig, verzweifelt, enttäuscht“.

Was aber legitimiert uns, die Messlatte anzulegen, den Stab über den anderen zu brechen und auf ewig zu stigmatisieren? Sicherlich kann der andere gar nicht aus seiner Haut, er hat vielleicht aber sogar sein Bestes gegeben, unsere Erwartung zu erfüllen, und vielleicht leidet der Andere sogar selbst darunter, dass es ihm nicht gelungen ist. Wer fragt danach? Was gibt uns das Recht zu unterstellen, dass dem nicht so ist? Es sind unsere alten Ego-Strukturen, die auf bereits erwähnte Art- und Selbsterhaltung gerichtet sind, sich aber allzu oft an einer Stelle manifestieren, wo sie nicht hingehören.

Buddha lehrt das Prinzip des nicht persönlich Nehmens. Dinge passieren. Und Dinge passieren immer, weil die Umstände vorlagen, die zu ihrem Eintreten geführt haben – als Kausalkette, die in die Anfänge des Seins zurückreicht (wo immer die auch liegen mögen). Der Stand der Kausalkette ist immer JETZT, und wenn ich mich dem Jetzt vollständig hingebe, verliert der Ich-Dünkel seine Kraft. In der Hingabe an das Jetzt-Hier liegt Friede, liegt Harmonie, die In-sich-Stimmigkeit des Kosmos; in diesem Zustand bewusst SEINS ist auch niemand mehr da, der Erwartungshaltungen aufbaut, weil jetzt-hier alles ist, wie es ist – der gegenwärtige Moment ist immer vollständig, nichts ist zuviel, nichts zu wenig. Selbstverständlich wäre es schön, wenn dieser zur Beerdigung des Verwandten kommen würde, oder jener mir sein Auto für meinen Großeinkauf leihen würde, oder noch ein anderer mir bei der Fahrradreparatur helfen würde – tut die Person es nicht, dann ist der gegenwärtige Moment, die Situation, in der ich mich jetzt-hier befinde, immer die Wahrheit des jetzigen Moments. Und im nächsten Moment ist das bereits wieder Geschichte. Damit sind wir wieder bei der Magie des Hier und Jetzt.

Ich spreche hier im Grunde von einem Perspektivwechsel, von: „Dieser Mensch ist doof, weil er mir sein Auto nicht leiht“ hin zu: „Ich habe jetzt kein Auto zur Verfügung, und das ist ok, denn es ist die Wahrheit des jetzigen Momentes!“ Nehmen wir die Handlung des Anderen persönlich, dann entsteht Enttäuschung, und zwar als ein Gefühl der Trauer und vielleicht der Wut. Nun ist nicht jeder dazu imstande, die alten Strukturen zu durchbrechen und Dinge „einfach“ nicht persönlich zu nehmen. Nun, und wenn? Auch Trauer und Wut sind dann die Wahrheit des jetzigen Momentes, also macht es auch keinen Sinn, sich gegen diese zu wehren. Nimmt man sie an, dann verschwinden sie, die Spannung und Verkrampfung löst sich in uns, und in dem Moment tritt Verzeihung ein.

Das alles bedeutet nicht, dass es keine Korrektive für „soziales Fehlverhalten“ geben soll! Wir leben nicht in einer Welt von Erleuchteten, und solange das nicht der Fall ist, ist es auch erforderlich, die Gesellschaft gewissermaßen im Zaum zu halten, um zu verhindern, dass der eine dem anderen den Schädel einschlägt. Daher steht das spirituelle Bewusstsein des Vergebens den Vorschriften des Strafgesetzbuches nicht entgegen. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist“ – Ich kann gleichzeitig den Fahrraddieb anzeigen, damit er nicht dem Schaden zufügt, der darunter leidet (also jemandem, der nicht so einfach loslassen kann); und ich kann ihm gleichzeitig verzeihen und ihm liebevolle Gedanken senden (da ich vielleicht gelernt habe, loszulassen).

Vergebung ist kein aktiver Prozess; ich kann mich nicht dazu zwingen, jemandem zu verzeihen. Aber ich kann Frieden schließen mit mir selbst und hierdurch die Spannung und Verkrampfung aufheben, die aus der Diskrepanz zwischen Ist- und Sollzustand entsteht.

 Oh Friedensstifter! Bevor du versuchst,

rings in der Welt Frieden zu stiften,

schaffe erst Frieden in Dir selbst.

(Sufi-Meister Hazrat Inayat Khan)

Meditation der „Liebenden-Güte“ – METTA

Einführung in die METTA –Meditation[1]:

Wir kommen nun zur Metta-Meditation, der Meditation der „Liebenden-Güte“. Es wurde ja bereits erwähnt, dass jene gefühlte Einheit mit dem Tao, dieses kurzzeitige „Aufgehen in Allah“ (arab.: wudschud) oder wie auch immer es beschrieben werden mag, das in der Atembetrachtungs-Meditation erfahren werden kann, zu einer großen Freude führen kann, zu einer objektlosen Freude, denn da ist nichts, woran diese Freude ‚andocken’ könnte. Sie ist einfach da. Freude über etwas ist immer vergänglich, weil das Objekt der Freude vergänglich ist. Der Nachhall der schönen Erinnerung ist Freude über etwas, das nicht existiert – Sehnsucht entsteht! Die Freude hingegen, die überweltliche Freude genannt wird, ist einfach da und sie ist unvergänglich. Auch wenn man sie nicht immer spürt, da die vielen Gedanken im Kopf sie meist verdunkeln, aber sie ist immer da.

Diese Freude kann man kultivieren. Und das tun wir in der Metta-Meditation[2]. Jede Meditation hat ein Meditationsobjekt, einen Heimathafen, wenn man so will, zu dem man immer wieder zurückkehrt, wenn man abgelenkt wurde; in der Meditation der Atembetrachtung ist es der Atem. In der Metta-Meditation ist es das Fühlen des Gefühls Liebender-Güte.

I. Die PRAXIS:

Du lässt zunächst jenes Gefühl objektloser Freude in Dir entstehen; das kann Dir gelingen, indem Du Dir das freudvolle Gefühl der Ruhe, der Stille, der Geborgenheit des jetzigen Momentes, das Du in der Atemachtsamkeits-Meditation erfahren hast, wieder präsent werden lässt – ein warmes, weiches freudvolles Gefühl in der Brust, etwa im Bereich Solarplexus. Dieses Gefühl kannst Du stärker werden lassen, indem Du Dir einfach vorstellst, es sei ein kleines Licht, welches sich und mit ihm eine Wärme immer weiter ausweitet auf Deinen ganzen Körper und auch über ihn hinaus. Es entsteht eine Art Aura Liebender-Güte (METTA), und in diese Aura lässt Du Dich zunächst einmal selbst eintreten. Visualisiere Dich selbst, wie Du da stehst und Dich selbst anlächelst.

Als nächstes formulierst Du einen Wunsch für Dich selbst; die klassischen Wünsche im Theravada lauten:

Mögest Du in Sicherheit und Geborgenheit sein

Mögest Dein Geist in Ruhe und in Frieden sein

Mögest Du körperlich gesund und wohlauf sein

Mögest Du ein achtsames und glückliches Leben führen[3]

Ich empfehle, zunächst bei diesen Wünschen zu bleiben, um zu vermeiden, während der Meditation ins Nachdenken über den nächsten Wunsch zu geraten.

Wichtig ist, dass Du den Inhalt des Wunsches wirklich in Dir fühlst; wünscht Du Geborgenheit, so fühle Geborgenheit in Deiner Brust. Lass die Worte des Wunsches los und fühle lediglich dieses Gefühl. Der Wunsch (oder besser: die Formulierung des Wunsches) ist wie ein Streichholz, welches das Feuer der Liebenden-Güte in Dir entzünden mag. Die Wärme jener Flamme strahlt nun von Dir aus und – wenn Du den Wunsch für Dich selbst formuliert hast – zu Dir hin.

Wichtig:

1] Das „Metta-Gefühl“ entsteht in Dir, oder aber (erst einmal) nicht. Versuche in keinem Fall, es zum Entstehen zu bringen!! Es wird nichts kontrolliert, es wird nichts willentlich beeinflusst!! Du kannst einfach darauf vertrauen, dass das Metta-Gefühl früher oder später in Dir entsteht, denn es  ist ja da – tief in Dir; es tritt eben erst dann wirklich zutage, wenn unser Geist ruhig wird.

2] Fokussiere weder den Wunsch (das heißt: rezitiere ihn nicht wie ein Mantra) noch das Metta-Gefühl. Das Metta-Gefühl ist unser Meditationsobjekt, aber ebenso wenig wie wir uns im anapanasati auf den Atem konzentrieren, konzentrieren wir uns hier auf das Gefühl – wir lassen es einfach von selbst entstehen und da sein, bis es wieder verschwindet. Wird es, während wir es  (wie sonst unseren Atem) einfach wahrnehmen, irgendwann schwächer, dann formulieren wir einen neuen Wunsch und zünden damit das Licht wieder an.

3] Aus der Metta-Meditation wird erst und nur dann eine Einsichtsmeditation, wenn Du, wie in 2] gesagt, Dich nicht auf das Gefühl oder den Wunsch konzentrierst, sondern die Peripherie, also alles, was passiert, im Blick behältst: Du kannst gleichzeitig Freude und Liebe empfinden und beobachten, wie sich Dein Geist    bewegt. Insofern unterscheidet sich Metta-Meditation also nicht von unserer bisherigen Atembetrachtung.

4] Erst und nur wenn Du feststellst, dass Dich etwas vom Empfinden des Metta-Gefühls weggezogen hat (eine Ablenkung, ein Hindernis) durchläufst Du BLESSED: lässt los, entspannst und lächelst. Dann formulierst Du wieder einen Wunsch und beginnst von Vorne.

In dieser Meditation steht Liebe, Freude und das Lächeln im Vordergrund. Indem wir uns selbst diese guten Wünsche und Liebende-Güte senden, beginnen wir auch nach und nach, einen liebevollen Umgang mit uns selbst zu pflegen – wir nehmen uns selbst liebevoll an, mit all unseren Fehlern und Schwächen. Gleichzeitig enthärtet sich unser Geist durch die Freude, die in uns immer mehr entsteht.

Nach etwa zehn Minuten gehen wir über zum nächsten Schritt[4]: Wir senden Liebende-Güte an eine andere Person, einen so genannten „spiritual friend“, die wir in unsere Aura der Liebenden-Güte eintreten lassen. Das sollte zunächst eine Person sein, die man sehr schätzt und liebt, eine Person, die noch lebt, die kein Familienangehöriger ist und gleichen Geschlechts ist. Nun sendest Du einfach Liebende-Güte an diese Person. Die Wünsche können zunächst einmal ruhig die „Standard-Wünsche“ sein, nach und nach kannst Du sie natürlich so verändern, wie Dein Herz es Dir grad sagt – entsprechend vielleicht der Situation des spiritual friend. Hauptsache, es kommt wirklich von Herzen. Was dann passiert ist eine Art Mischung zwischen Esoterik, Quantenphysik und dem Bereich „unerklärbare Ereignisse“: Die Person wird nach einiger Zeit (je nach Häufigkeit in Intensität Deiner Praxis) eine Veränderung in sich spüren, ohne es aber näher beschreiben zu können. Das Prinzip ist ein Ähnliches wie das, das eintritt, wenn Mütter im Krieg in der Sekunde zusammenbrechen, in welcher ihr Sohn an der Front gestorben ist – dieses Phänomen wird hundertfach berichtet[5].

Da wir auf feinstofflicher Ebene ja lediglich Schwingung sind und wir entsprechende Schwingungsfrequenzen aussenden, können wir über eine gleiche Frequenz mit anderen Menschen in weiter Entfernung in Verbindung treten[6].

Bei „normalen“ Menschen ist diese Verbundenheit eben nur mit ganz bestimmten Personen da; grundsätzlich ist sie aber mit jedem Menschen vorhanden, wenn wir uns dieser Person ganz in Liebe öffnen. Wir können jedem beliebigen Menschen Liebende-Güte senden, und diese Person wird es nach einer Weile spüren.

Schließlich gilt es natürlich, Metta ständig im Alltag zu praktizieren. Du kannst den ganzen Tag ein Gefühl Liebender-Güte in Deiner Brust haben und liebende und gütige Wünsche an wen auch immer senden. Lächle die Menschen an, strahle Liebende-Güte aus, einfach so. Sei großzügig mit Deiner Liebende-Güte und mit Deinem Lächeln – genau das entspricht dem buddhistischen Grundprinzip von Dana. Dana ist weit mehr als (Geld-)spende … wie soll der Buddha seinen Mönchen sonst Dana aufgetragen haben, die ja keinen Umgang mit Geld haben durften. Es geht um Spende von Liebe, von Freude, von Mitfreude, von Mitgefühl. Das ist das Beste, was man tun kann, um sich selber mit positiven Energien zu versorgen 🙂 . Wann immer Du im Alltag unheilsame Gedanken hast[7], ersetze sie einfach durch Gedanken Liebender-Güte. Entfaltung von Liebe und Freude ist das große Plus gegenüber der Meditation der Atembetrachtung.


[1] Ich empfehle hierzu vertiefend meine Broschüre „Metta Meditation – Die buddhistische Meditation der Liebenden-Güte – Einführung in die Theorie und Praxis“

[2] Daher der Begriff „METTA-bhâvana“ = Kultivierung Liebender-Güte

[3] Du kannst die Wünsche natürlich auch in der Ich-Form formulieren.

[4] In meinen Kursen bleiben wir jedoch eine Woche lang auf der „ersten Stufe“, dem Senden des Wunsches an uns selbst.

[5] und gab es in meiner Familie übrigens ebenfalls

[6] Für die Aborigines ist dieses Wissen Normalität und hat nichts mit Zauberei zu tun

[7] Das sind alle Gedanken und Träumereien, die Dich unbeabsichtigt aus dem gegenwärtigen Moment tragen.

Harmonische Absicht

11. „Und was, ihr Mönche, ist disharmonische  Absicht? Die Absicht der Sinnesbegierde, die Absicht des Übelwollens und die Absicht der Grausamkeit: dies ist disharmonische Absicht.“ [1]

 25. „Und was, Freunde, ist harmonische Absicht? Absicht der Entsagung, Absicht des Nicht-Übelwollens und Absicht der Nicht-Grausamkeit – dies wird harmonische Absicht genannt.“[2]

 Wer also (auf Grundlage der harmonischen Anstrengung [6. Glied] und harmonischer Achtsamkeit [7. Glied – siehe hierzu unten) harmonische Sichtweise (Ansicht) erlangt hat, wird harmonische Absicht entwickeln. Es entsteht in ihm gleichsam automatisch das Verlangen, sich der hohen Spiritualität zu öffnen und sich von weltlichen Begierden zurück zu ziehen. Wir entwickeln das Bestreben der Wahren-Natur der Dinge auf den Grund zu gehen.

1. Entsagung:

Es ging dem Buddha nicht darum, alle sinnlichen Freuden auf der Stelle dran zu geben. Fundamental aber ist, sich von (positivem oder negativem) Begehren zu befreien (also von der Geisteshaltung eines „Ich will die Dinge anders haben als sie jetzt-hier sind“), und dies gelingt umso mehr, als man sich davon befreit, seinen Sehnsüchten ausgeliefert zu sein.

In dieser Welt geht es um Sehnsüchte, und wir alle leben in dem Glauben, dass wir Erfüllung finden, wenn wir nur dem Strom unsere Sehnsüchte folgen und sie befriedigen. Buddha lehrt das Gegenteil, nämlich dem Sog der Sehnsüchte zu widerstehen und sie schließlich zu überwinden, nicht weil sie unmoralisch wären, sondern weil sie uns in die Spannungslage zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand bringen; das ist Begehren und somit der Ursprung von Leid. Die Abkehr hiervon und von unserem Drang nach Befriedigung ist der Schlüssel zur Überwindung unserer Anhaftungen.

Die Lösung liegt aber nicht in der Unterdrückung der Sehnsüchte, ihrer Verteufelung auf dem Nährboden der Angst oder des Ekels; ein solcher Ansatz kann zu neurotischen Störungen führen.[3] Buddha schlägt vor, sich die Dinge einmal genau anzuschauen, die in uns vorgehen, sie zu verstehen und die Perspektive zu ändern von „Das bin ich“ hin zu „Es ist nur dies oder das“; durch genaues Verstehen der Natur von Sehnsucht, Begierde u.s.w. fällt sie ganz automatisch von uns ab, ganz ohne Kampf.

2. Nicht-Übelwollen und Absicht der Nicht-Grausamkeit

Auch hier liegt die Lösung hinsichtlich der Abkehr von Übelwollen und Grausamkeit nicht in deren Unterdrückung; bereits vor 2500 Jahren „erfand“ der Buddha das, was die moderne Verhaltenstherapie als „Gegenkonditionierung“ kennt. So heißt es in den Heiligen Lehrdichtungen des Buddhismus (den Dhammapada):

 5] In dieser Welt wird Hass niemals durch Hass überwunden;

Hass kann nur durch Liebe überwunden werden.

Dies ist ein ewiges Gesetz.

 Es geht hier nach herrschender Meinung ganz wesentlich um die Praxis der Liebenden-Güte (Metta). Wohlgemerkt gibt der Buddhist sich nicht damit zufrieden, unheilsame Taten zu unterlassen, sondern es ist von herausragender Bedeutung, Liebende-Güte zu schenken! Metta-Meditation ist also nicht einfach irgendeine nette Wohlfühlmeditation, die man mal macht, wenn man keine Lust auf Atembetrachtung hat; wenn wir Liebende-Güte praktizieren, dann befinden wir uns unmittelbar auf dem zweiten Glied des Achtfachen Pfades!

„Ziel“ harmonischer Absicht ist also, einen reinen und liebevollen Geist zu ent-wickeln (d.h., er ist da, er ist nur in unsere Vorstellungen und Konzepte ver-wickelt), um dann alle Wesen daran Teil haben zu lassen.


[1] MN 117

[2] MN 141

[3] (vgl. Sigmund Freud)