Angeleitete Meditation

Nachdem ich ja nun recht viel zum Thema Meditation geschrieben habe – teils eher theoretisch, teils eher in der praktischen Umsetzung – möchte ich Euch eine angeleitete Meditation nicht „schuldig“ bleiben (wie man so schön (?) sagt).

Die Meditation, die Ihr Euch hier anhören und einfach mit-praktizieren könnt, ist eine Metta-Meditation, also eine Meditation der Liebenden-Güte. Es ist ein Live-Mitschnitt einer Sitzung im Rahmen der Metta-Dhammayana Dharma-Gruppe Münster vom 27-10-2013 (daher auch die in den ersten Sekunden nicht so gute Tonqualität).

Viel Spaß beim Mit-Praktizieren – es sendet Euch METTA & SMILES

„Phra“ Atishakaro _/\_

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Übers Loslassen, Liebevolle Annahme und den „Kontrollfreak“

Ich möchte nach einer langen Blog-Pause heute einmal einen Artikel aus dem wirklichen Leben posten, nämlich eine Korrespondenz mit einem meiner Schüler, der eine Mail mit  sehr wichtigen Fragen stellte, die die buddhistische Vipâssana-Meditation angehen. Insbesondere geht es um das Thema „Loslassen“ und „Liebevolle Annahme“, Nicht-Ich (anatta) und den „Kontrollfreak“ in uns. Da diese Themen ganz fundamental für Meditation und Alltag sind, möchte ich sie mit der Öffentlichkeit teilen (schwarz sind die Fragen, lila meine Antworten).

Damit Ihr folgen könnt und wisst, worum es geht, hier noch einmal der BLESSED-Kreis, den es gilt, sowohl in der Meditation als auch im Alltag unablässig zu durchlaufen, sobald man merkt, dass man nicht „im Hier und Jetzt ist“. (Näheres zu diesem Kreis findet Ihr hier auf diesem Blog)

 BLESSED

 

Es begann mit einer Schilderung, wie F. (für Fragender) mit einigen schwierigen Alltagssituationen umgeht, indem er den BLESSED-Kreis durchläuft. Meine Antwort hierzu war:

 Es ist Klasse, wenn es Dir gelingt, den BLESSED-Kreis in solchen Momenten zu durchlaufen; denke nur auch immer daran, dass BLESSED keine „Schmerztablette“ ist. Betrachte, was in Dir geschieht, und was immer es ist, VERSUCHE NICHT ES LOSZUWERDEN. Versuche, es zu verstehen. Lass es da sein und betrachte ganz genau, wie (aus alter Gewohnheit heraus) Du dazu tendierst, Dich mit den Emotionen zu identifizieren. Schau, welche Gedanken durch sie ausgelöst werden, und welche Gedanken sie umgekehrt  auslösen – papanca! Schau, wie es sich körperlich anfühlt. Betrachte Deinen inneren „Kontrolleur“, der Dir sagen will, dass die Dinge anders zu sein haben, als sie sind, nämlich so, wie „er“ es will und für richtig hält. Und betrachte einmal dieses „er“ … und gehe dem auf den Grund, was „er“ ist. Nicht intellektuell, sondern durch Beobachtung. Und versuche ebenfalls nicht, diesem „er“ den Mund zu verbieten. Hör Dir LIEBEVOLL an, was er zu sagen hat … diskutiere nicht mit ihm, lass ihm seine Meinung – er kann nicht anders als so zu denken, wie er denkt. Aber wie er denkt, fügt Dir mentalen Schmerz zu – verzeih ihm dafür. Verzeih ihm aus dem Verständnis und der Einsicht heraus, WAS „er“ ist. Nimm ihn in den Arm und nimm ihn liebevoll an.
„Er“ wird sich fast zwangsläufig dagegen wehren, weil „er“ das Gefühl hat, nicht ernst genommen zu werden. Gestehe es ihm zu, hab Mitgefühl mit ihm. „Er“ wird Dich bombadieren mit Zweifeln – über Deine ganze Praxis. Lass ihn! Es ist ok! Vergib ihm, nimm ihn liebevoll in den Arm, schließe ihn in Dein Herz – mitfühlend und verständnisvoll.

Im Folgenden nun die Antwortmail von „F.“ und meine unmittelbaren Antworten:

Ich verstehe, dass der BLESSED-Kreislauf nicht als Schmerztablette einzusetzen ist, mit dem man die leidvollen Gedanken bzw. Emotionen eliminiert. Es geht darum, diese leiderzeugenden Vorgänge als solche zu erkennen und zu verstehen, nach welchen alten Mustern der eigene Geist arbeitet.

Hmmmm … Ja. Und Nein *smile*

Es geht darum klar zu sehen, dass da zunächst überhaupt erst einmal nur Vorgänge, Abläufe und Prozesse (erst im „Außen“ [Geräusch trifft auf Ohr], dann  in der Folge in uns [das Geräusch „kommt uns zu Bewusstsein“]) stattfinden.

 Wir befinden uns also im Bedingten Entstehen: Sinnesreiz + Sinnenbewusstsein sind Grundlage für das Entstehen von behaglichem oder unbehaglichem (oder neutralem) Gefühl; behagliches oder unbehagliches (und eigentlich auch neutrales) Gefühl ist die Voraussetzung für das Entstehen für Begehren; Begehren  ist die Voraussetzung für das Entstehen von Anhaftung.

Bis zum Begehren inklusive handelt es sich nicht um Muster im psychologischen Sinne, sondern um reine neurologische Vorgänge gemäß dem Reiz-Reaktions-Schema, also Reizübertragungen.

Dann erst – ab dem Anhaften – erkennen wir, wie aus einem unpersönlichen neurologischen Reiz plötzlich das entsteht, was wir Leid nennen. Leid ist das, was entsteht, wenn wir aus einem unpersönlich entstandenen Gefühl eine persönliche Story machen, indem wir

1 . über das entstandene Gefühl und über das, was es ausgelöst hat (und einiges mehr) nachdenken und

2 . diesem entstandenen Gefühl einen Namen geben, nämlich „Wut“, „Trauer“ u.s.w.; auf diese Weise wird aus einem real entstandenen Gefühl ein Konzept, also etwas Nicht-existentes!!! Dieses Konzept können wir in unser Selbst-Konzept integrieren. Da es dann als zu uns gehörig interpretiert wird, denken wir wiederum darüber nach.

Zudem sehen wir, wie in der Anhaftung aufgrund der gedanklich-emotionalen Beschäftigung  mit dem Gefühl Feedbacks entstehen, also zB neue Gedanken, die dann neue Gefühle auslösen und wieder Begehren, welches selbst als Spannung (= unangenehme Körperempfindung) wahrgenommen wird und darüber wieder zu Gefühlen führt und so weiter und so fort. Diese gesamten Feedbacks nennt der Buddhismus „papanca“.

Und wir sehen, dass wir auf all diese Vorgänge in ihrem ersten Entstehen keinen Einfluss haben. Der Versuch, Einfluss zu nehmen (nämlich in erster Linie auf das Gefühl), kommt erst im Rahmen der Anhaftung zum Tragen. Die Anhaftung ist also – wenn man so will – unser „Problemlösemodus“. Wir versuchen, über unsere Gedanken das Gefühl zu beseitigen, verstärken es aber nur, indem wir ihm Aufmerksamkeit schenken. Und da sitzen auch die alten (psychologischen) Muster: Wir glauben, durch Nachdenken und Analyse die Kontrolle über die Ursache des unangenehmen Gefühls gewinnen zu können. Das ist der „Kontrollfreak“ in uns. In der Realität aber können wir nur einen Bruchteil dessen, was uns unangenehmes Gefühl beschert (oder angenehmes Gefühl „wegnimmt“) kontrollieren. In der vipâssana-Meditation lassen wir diesen Kontrollfreak so zu sagen ins Lehre laufen – wir reagieren nicht auf ihn, sondern lassen die Dinge, gegen die er sich auflehnt, auf sich beruhen.

Während die „papanca“ im Rahmen des Bedingten Entstehens vom Anhaften aus gesehen „rückwärts gewandt“ sind, erkennt man im weiteren Verlauf des Bedingten Entstehens nach dem Anhaften (also „vorwärts gewandt“), wie unser Selbstkonzept entsteht und dieses Konzept unterhalten und gestärkt wird. Hier (erst) kommen die alten Muster zum tragen, gemäß welcher wir auf bestimmte Situationen immer nach dem gleichen Prinzip re-agieren. Re-agieren, weil unser Handeln aufgrund der alten Muster automatisch abläuft, in Abgrenzung zu einem Agieren, welches wissensklar (vgl. das Satipatthâna-Sutta) einzig dem gegenwärtigen Moment Rechnung trägt. Dies stets gleiche Handeln erweckt in uns den Eindruck einer Stabilität, von etwas Statischem, eines unveränderlichen „ICH“. Nach welchen alten Mustern genau der Geist arbeitet spielt eine nur untergeordnete Rolle; entscheidend ist, DASS es nur Muster sind und wie sich das auf uns auswirkt, nämlich in der Illusion eines substanziellen „ICH“ (welches zusätzlich genährt wird durch die Identifikation mit dem Körper, den Gefühlen … kurz: den 5 Aggregaten).

Mir scheint es, als hätte AKZEPTANZ eine Schlüsselfunktion. Es geht darum, die Dinge so zu akzeptieren, wie sie nunmal jetzt sind und nicht zu versuchen sie loszuwerden.

Ja, in der Tat. Indem wir versuchen, sie los zu werden, schenken wir ihnen Aufmerksamkeit und Energie – dadurch verstärken sie sich. Im Japanischen gibt es den etwas martialischen Ausdruck „Töten durch Nichtbeachten“ (weiß leider nicht mehr, wie es auf Japanisch heißt *smile*); das ist in etwa, was hier geschieht. Mit einer Besonderheit (und dies ist wirklich ganz fundamental für die gesamte buddhistische Lehre): Was lassen wir los? Nur die Gedanken an das Ereignis, nicht das Ereignis selbst. Warum? Weil wir ein Ereignis nicht loslassen KÖNNEN. Ein Schmerz, Geräusch, Duft … ist da. Das resultierende Gefühl … ist da. Das resultierende Begehren … ist da (erst in den höchsten meditativen Zuständen kann die Kette des Bedingten Entstehens bereits an einer dieser Stellen durchschnitten werden)

Ich denke, dass dem „Er“, von dem du sprichst, dadurch der Wind aus den Segeln genommen wird, da man auch das ganze Negative im jetzigen Moment annimmt und akzeptiert. 

Das Negative im jetzigen Moment Annehmen entspricht genau diesem oben beschriebenen Vorgang. Loslassen (und den Kontrollfreak „vor die Wand laufen lassen“ *smile*) IST gewissermaßen Liebevolle Annahme.

Ich habe das „Loslassen“ im BLESSED-Kreislauf in einigen Situationen falsch interpretiert im Sinne von „Nun lass es endlich los!“

Das ist in der Tat falsch interpretiert *smile*

Vielmehr ist damit wohl das Akzeptieren aber gleichzeitig NICHT Anhaften gemeint. 

Ok, also: Loslassen ist das diametrale Gegenstück zum Anhaften. Das bedeutet: Wenn Anhaften das gedanklich-emotionale Sich-verwickeln-lassen in ein Ereignis ist, dann ist Loslassen eben das Nichtweiterdenken jenes Ereignisses. Mehr steckt nicht hinter dem vielgerühmten Loslassen. Die einfache Formel:

Loslassen ≙ Liebevolle Annahme ≙ Infriedenheit / Anhaften ≙ Widerstand ≙ Leid

Ich habe in letzter Zeit im Alltag häufig BLESSED angewendet. Habe im Anschluss immer noch einen Metta-Wunsch in mir zum entstehen gebracht. Gerade „Möge mein Geist ruhig und friedvoll sein“ erzeugt in mir gleich eine leichte Entspannung.

Das ist auf jeden Fall gut und richtig 🙂

Aber wenn ich das Gefühl von innerem Frieden und Lächeln in mir erzeuge lasse ich beispielsweise dem Gefühl „Angst“ oder „Wut“ weniger Platz in mir. Ist es nicht so, dass ich diese Gefühle dann im gewissen Maße verdränge und ihnen nicht ausreichend Platz einräume? Das widerspricht in meinen Augen dem Denkansatz „Wut ist da. Hey, es ist o.k.!! Wut darf das sein.“ Andererseits kann es ja auch nur gut sein, wenn ich über den Metta-Wunsch mehr Gelassenheit in mir verspüre…..!?

Nein, Du verdrängst gar nichts. Weil Du das Gefühl der Wut selbst ja gar nicht anlangst. Verdrängung bedeutet „Ins Unbewusste verschieben und verhindern, dass es wieder hervortritt“. Das geschieht, wenn man unmittelbar nach dem Feststellen eines negativen Gedanken zum Meditationsobjekt zurückkehrt und sich auf das Meditationsobjekt fokussiert und absorbiert. Wir hingegen machen uns im BLESSED einen Mechanismus des Gehirns zunutze: Beobachte einmal, was geschieht, wenn Du von einem Gedanken fortgetragen worden bist und Dir dessen bewusst wirst. Was geschieht in der Sekunde, da Du diesem Gedanken Auge in Auge gegenüberstehst? Der Gedanke kommt  für einen Augenblick zum Stoppen und die Aufmerksamkeit sucht sich etwas anderes, womit sie sich beschäftigen kann. Dies ist immer das Naheliegendste, was eben da ist, und zwar irgendetwas, was sich „bewegt“ im Sinne von verändert. In diesem Atemzuge kommt die Aufmerksamkeit ganz leicht und fast von allein wieder in den gegenwärtigen Moment und zieht sich von dem Gedanken zurück. Das geschieht – noch einmal – NICHT durch eine Aktion des Praktizierenden, sondern durch das alleinige Sichbewusstwerden des „Nicht auf dem Meditationsobjekt Seins“.

Das Entspannen und Lächeln hilft dabei (in der Art einer reziproken Hemmung), dass die negativen Gedanken erst einmal nicht wieder auftreten. Sitzen sie aber tief, werden sie trotzdem wiederkommen … und irgendwann sich auflösen. DANN sind sie verarbeitet.

Zudem motiviert das Entspannen und Lächeln dazu, dem alten Muster des „dem Gedanken Nachgebens und Weiterdenkens“ (= Anhaftens) nicht zu folgen, da der Organismus merkt: „Aha, es fühlt sich viel besser an, NICHT anzuhaften“ – das ist positive Konditionierung durch Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn.

In der vipâssana-Meditation lernen wir also systematisch, nicht anzuhaften. Das Aufgeben des Anhaftens ist aber eine enorm schwierige Übung, eben weil unsere alten Muster alte und eingefahrene Muster sind, die ja selbst auch Objekt der Anhaftung sind – indem wir uns mit ihnen identifizieren. Daher hat der Buddha als Grundlage des Aufgebens des Anhaftens die (zunächst rationale) Erkenntnis von Nicht-Ich (anatta) gesetzt. Denn diese Erkenntnis hebelt auch den letzten Widerstand aus. Selbst der verzweifeltste Depressive, der da sagt: „Das bringt doch alles nichts! Ich kann nicht loslassen! Ich bin und bleibe traurig!“ wird diese Ansicht aufgeben, wenn er sieht, dass dies nichts weiter als Ansichten sind, entstanden aus „papanca“, und die wiederum aus völlig unpersönlichen Vorgängen. Es steckt niemand „hinter“ diesen Ansichten – es sind nur bedingt entstandene Gedanken, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben. Auf diese Weise wird er sich fragen: „WER leistet denn da Widerstand? WER ist denn da traurig? WER zweifelt denn da an der Lehre des Buddha? Es ist niemand zuhause. Ich kann Kummer, Klage, Sorge, Leid, Trübsal und Verzweiflung einfach loslassen, weil da unterm Strich niemand ist, der all das empfindet.“

Mmh, das ist mit so einem westlichen Gehirn echt nicht leicht zu verstehen! 😉 Man ist bis jetzt häufig darauf bedacht gewesen, sich vor negativen Gedanken und Emotionen zu schützen und jetzt soll man genau diese leidbringenden Objekte akzeptieren.

Noch einmal: Wir akzeptieren zunächst nicht die Erscheinungen, sondern unsere Reaktion auf sie, erkennen sie als Nicht-Ich, als reine Reaktions-Muster, die unser Leid erschaffen. Erst in der Konsequenz schließen wir Frieden mit den Erscheinungen, weil wir dann nämlich erkennen, dass es nicht die Erscheinungen sind, die uns Leid zufügen, sondern unsere Reaktion auf die Erscheinungen. Und die können wir loslassen, denn sie sind ja nicht ICH.

Ich meine langsam zu verstehen, dass sie sich genau dadurch auflösen, da der Geist irgendwann keine Lust mehr hat, wenn man nicht ständig mit ihm diskutiert und versucht zu widersprechen. 

Hahaha …. Darauf würde ich mich nicht verlassen ;). Zunächst einmal diskutieren wir ja nicht mit unserem Geist. Das hieße den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Wir beachten ihn einfach nicht mehr, wenn er „zickt“ oder böse oder eifersüchtig wird. Es ist für uns in dem hohen Stadium der Erkenntnis von Nicht-Ich, als würde sich all das, was sich in unserem Geist abspielt, auf einer Kinoleinwand abspielen – ich kann es wahrnehmen, aber es ist nur ein Film. Der Mörder, der aus der Kinoleinwand heraus auf mich schießt, kann mich nicht verletzen. Wir brauchen also nicht den Filmprojektor zu zerstören; es reicht völlig aus, den Film als das zu würdigen, was er ist: Ein Film. Ebenso verfahren wir mit unserem Geist. Lass den Film einfach laufen … macht doch nichts. Im Gegenteil: Auf diese Weise kann sogar ein Krimi oder Drama oder Ähnliches erheiternd sein. Und das wollte der Buddha! Schau Dir mit freudvollem und heiterem Interesse an, was sich in Deinem Oberstübchen abspielt – und mach Dir nichts draus (sprich: Mach nicht mehr daraus als es ist, nämlich ein Film).

Ich hoffe, Ihr konntet ein wenig aus diesem Artikel für Euch und Eure Meditation herausziehen.

Von Herzen sendet Euch METTA & SMILES

„Phra“ Atishakaro (Michael) _/\_

Hindernisse in der Meditation

Zen-Mudra

Zen-Mudra

Das Problem ist jedem Meditierenden wohlbekannt: Man sitzt auf seinem Meditationskissen, und die Gedanken wollen und wollen einfach nicht zur Ruhe kommen. Oder aber: Kaum hat man sich niedergesetzt, schon döst man weg. Von Meditation keine Spur! „Was kann man da machen?“, diese Frage bekomme ich oft zu hören, und sie ist nicht leicht zu beantworten.

Eines sollte man sich wirklich vor Augen halten: Unser Geist ist keine Maschine, die man an- und abschalten kann – unsere Gedanken machen erst einmal, was sie wollen, und das den lieben langen Tag. Wir haben keine dauerhafte Kontrolle über sie – nie wird das deutlicher als in solchen Meditationen. Das erste also ist: Nutze diese Erfahrung als Erkenntnis. Du bist nicht Deine Gedanken, und Deine Gedanken sind nicht Dein Selbst. Ein „Ich“ oder „Selbst“ ist ja immer „selbstbestimmt“, und so könnten Deine Gedanken dann quasi zu sich selbst sagen: „Die Gedanken sollen so sein oder die die Gedanken sollen so sein.“ Geht aber nicht. Also hast Du hier schon einmal einen Einblick in die buddhistische Lehre von „Nicht-Selbst“ ;).

Aber nun zur Praxis: Ich erarbeite gerade einen stufenweisen, methodischen Aufbau von vipâssana-Meditation; mit jeder Phase oder Stufe geht es etwas tiefer in die Meditation hinein. Und beim Erarbeiten dieser Meditationen fiel mir auf, dass man die Stufen nicht einfach nacheinander „abarbeiten“ kann; es gibt auch „Rückschritte“, die es dann natürlich liebevoll anzunehmen gilt! Hieran kann man ein weiteres Mal sehen, dass die Dinge laufen, wie sie wollen, nicht wie wir wollen. Eine wunderschöne Übung in liebevoller Annahme. Und zudem verhindert es das Entstehen „spiritueller Arroganz“ („Ich bin ja so ein toller Meditierender!“)

Und auf diesem Grundsatz beruht auch die „Erste Stufe“: Es gibt immer Phasen, in denen wir nicht meditieren wollen oder können; das kann die unterschiedlichsten Gründe haben, von beruflichem oder familiärem Stress bishin zum einfachen „Ich hab keinen Bock zurzeit“. Kommt dann wieder die Zeit, da man sich aufs Kissen setzen möchte oder kann, kommt die Quittung: Müdigkeit, Fahrigkeit, Benebeltheit, Unruhe, Rast- und Ruhelosigkeit, und damit einher gehend Ärger und Unzufriedenheit. Letzteres überwindet man in der weisen Betrachtung, 1. dass es nur Ärger ist, mehr nicht. Kein Grund ihn persönlich zu nehmen ;), 2. dass alles im Leben kommt und geht – auch Ärger und 3., dass Ärger im Rahmen der Anhaftungen entsteht, und darunter versteht man das Grübeln und Nachdenken darüber, warum die Dinge sind, wie sie sind – also hört man auf über den Ärger nachzudenken … und nimmt ihn liebevoll an, bis er von allein verschwindet.

Was aber bleibt ist die Rast- und Ruhelosigkeit oder die Müdigkeit und Schlappheit. An dieser Stelle kann ich nur dazu raten, diese Zustände als eine Art „zweites Meditationsobjekt“ zu wählen.

Du kannst versuchen, Deinen Atem als Mittelpunkt der Betrachtung zu wählen, aber nur, um Dich überhaupt ein wenig zu zentrieren. Beobachte vor allem mit freudvollem Interesse und in heiterem Gewahrsein, wie Deine Gedanken zunächst sehr weite Kreise ziehen, bevor es Dir zu Bewusstsein kommt und Du wieder zum Atem zurück gelangst. Und kaum dort angelangt, bist Du schon wieder weg. Das mag eine ganze Meditationssitzung über so gehen, aber: Es ist nicht schlimm! Das ist das Entscheidende. Mein Tipp: Auch wenn Du gewohnt bist, vielleicht eine Stunde in Meditation zu sitzen – an dieser Stelle ist es besser, vielleicht nur eine halbe Stunde zu sitzen, dann steh auf, koch Dir einen Kaffee, und nach 10 Minuten oder so setzt Du Dich ein weiteres Mal eine halbe Stunde. Dann machst Du wieder 10 Minuten Pause, und dann setzt Du Dich noch einmal eine halbe Stunde. In der Regel wirst Du in dieser dritten Sitzung feststellen, dass Deine Gedanken nicht mehr wie ein dichter Nebel sind, sondern immer häufiger konkrete Gedanken zu einem Thema auftauchen. Die tragen Dich dann zwar immer noch weg, aber es ist ein Fortschritt, denn es ist ein Zeichen dafür, dass Du langsam in die Ruhe kommst, da Dein Geist nun wieder klare Gedanken fassen kann. Und klare Gedanken kann man leichter loslassen, somit werden die „Schleifen, die Du fliegst“ immer kleiner, und Dir wird vor allem klar, was Dich zurzeit besonders beschäftigt! Das ist wichtig und ein Sinn von Meditation.

Wichtig ist auch … das Lächeln! Wenn Du auf dem Atem bist, dann lächle in Deine Atemzüge hinein. Gut, das ist ohnehin im Sinne des Buddha, wenn er sagt „Freude empfindend will ich einatmen, Freude empfindend will ich ausatmen“ (Satipatthana-Sutta); aber es ist sehr nützlich, in alles, was Dir zu Bewusstsein gelangt, hinein zu lächeln. Wenn Du feststellst, dass Du mit Deinen Gedanken meilenweit weg warst, dann lächle in diese Tatsache hinein. Sag Dir: „Hey, das ist ja interessant, wo mein Geist mich wieder hingebracht hat … und es ist auch völlig in Ordnung … interessantes Thema auch … aber nicht jetzt, denn jetzt ist Meditation … :D“ und dann lächelst Du liebevoll und kehrst zurück zu Deinem Atem.

Wenn ich hier dauernd vom Atem spreche und nicht von Metta – der Praxis, die ich ja eigentlich lehre, dann deshalb, weil wir uns hier noch nicht in der „eigentlichen“ Meditation, sondern in einer Phase befinden, die von manchen Lehrern als „Zugangskonzentration“ beschrieben wird. Aber ich mag den Begriff nicht, denn wir konzentrieren und fokussieren unseren Geist nicht, zwingen ihn nicht, sondern lassen ihn sich von selbst beruhigen! Aber er tut das in seinem eigenen Tempo, und das ist das Wichtige. Worum geht es denn? So schnell wie möglich in die tiefsten Sphären der Meditation zu gelangen? Oder vielleicht doch eher um einen liebevollen und sanften Umgang mit uns und unseren grauen Zellen? Sie arbeiten hart, also lass sie runterkommen – es ist etwa, als würdest Du einem Leistungssportler dabei zuschauen, wie er nach einem Langstreckenlauf noch einige Runden um den Platz ausläuft, bis er endgültig zur Ruhe kommt. Was auf den Körper anwendbar ist, ist immer auch auf den Geist anwendbar, es ist wichtig das zu sehen.

Also: Keine Meditation ist schlecht, und sei sie noch so schlecht 😀 Es kommt nur darauf an, was Du aus der Situation machst – je mehr Freiheit Du Deinem Geist lässt, sich ganz natürlich zu verhalten, desto eher gelangst Du in die Ruhe und dann in tiefe Meditationen, und zwar ohne Kopfschmerzen!

So, das war mal wieder was zum Thema Meditation. Ich hoffe, diejenigen von Euch, die Meditation praktizieren, können etwas damit anfangen.

Ich sende Euch METTA & SMILES

„Phra“ Michael

Auch solche Dinge geschehen …

Eine wahre Geschichte

Ein guter Freund von mir berichtete mir vor Jahren von einem Ereignis, das ich heute hier einmal wiedergeben möchte:

Mein Freund spielte in den 70er Jahren in einer Rockband, mit der er in Deutschland sehr erfolgreich war. Er sagte, es sei eine schon „heftige“ Zeit gewesen, wenngleich er sie rückblickend wohl als die Schönste seines Lebens betrachte. Diese wundervolle Zeit wurde noch dadurch gekrönt, dass die Frontfrau und Sängerin der Band und er sich unsterblich ineinander verliebten – sie wurde ein Paar. Er habe, so sagte mein Freund, weder vorher noch nachher je so sehr geliebt, wie er diese Frau geliebt habe.

Die 70er Jahre waren eine Zeit, in der bekanntlich auch Rauschmittel in oft nicht unerheblichem Umfang konsumiert wurden – das zog natürlich auch an der Band nicht vorbei. Als einzige jedoch ging die Freundin meines Freundes irgendwann dazu über, auch zu „drücken“. Mein Freund beobachtete das mit Sorge, war aber außerstande, sie davon abzubringen. Mit dem Ergebnis, dass sie einige Monate nach Beginn der Beziehung und einigen erfolgreichen Band-Tourneen mit Anfang Zwanzig an einer Überdosis Heroin verstarb.

Flag Bunting, TIbet Mein Freund fiel in eine schwere Depression, zog sich über ein Jahr lang vollständig von allem und jedem zurück und wollte sich schon das Leben nehmen. Doch dann erinnerte er sich, dass sich zu jener Zeit viele junge Leute nach Indien und Nepal begaben, um dort bei diversen Gurus „Erleuchtung und endgültige Befreiung vom Leid“ zu erlangen. So dachte er bei sich: „Ok, umbringen kann ich mich auch immer noch. So geht es jedenfalls nicht weiter! Ich mache mich auf den Weg nach Indien.“ Und so geschah es auch.

Nach einiger Zeit ziellosen Herumirrens in Indien machte er die Bekanntschaft eines „Hippies“, dem er von seinem Schicksalsschlag erzählte und von dem unermesslichen Leid, das er seither in sich trage. „Ich glaube“, sagte der Hippie, „ich kann Dir helfen. Es heißt, in Nepal wandere ein alter tibetischer Mönch, ein Schamane, von Dorf zu Dorf, um dort den Menschen mit seinen Weissagungen und Ratschlägen ihr Leid zu nehmen und Glück zu bringen. Vielleicht versuchst Du einfach einmal, ich zu finden. Er kann Dir sicher helfen.“

Also machte mein Freund sich auf den Weg nach Nepal. Da niemand wusste, wo der alte Mönch sich jeweils eben aufhielt, reiste er ihm über Wochen hinterher, bis er ihn schließlich und endlich in einem kleinen Bergdorf fand. Erleichtert und voller Freude reihte mein Freund sich in die Warteschlange vor dem auf dem Boden in der Dorfmitte sitzenden Mönch. Als er endlich an der Reihe war, berichtete er über einen Dolmetscher dem Mönch, was ihm widerfahren sei, wie schlecht es ihm gehe und bat ihn eindringlich und verzweifelt um Hilfe.

Der Mönch hatte aufmerksam zugehört, nahm ein kleines Ledersäckchen zur old monk nepalHand, schüttelte es lange, murmelte irgendwelche Formeln und schüttete den Inhalt des Säckchens schließlich auf seiner vor ihm ausgebreiteten Robe aus. Zum Vorschein kamen Knochen, Hölzchen, Steinchen, Zähne und mehr, von denen der Mönch immer einmal ein Teil in die Hand nahm, es begutachtete und wieder zurücklegte; dabei nickte er verständnisvoll und murmelte etwas Unverständliches. Nach einiger Zeit wurde mein Freund etwas ungeduldig und bat den Dolmetscher den Mönch zu fragen, ob er noch mit einer Antwort rechnen könne. Der Mönch atmete tief durch und sprach: „Du hast mich um Rat gefragt, und so soll es sein. Ich werde Dir mitteilen, was die Götter Dir ausrichten lassen.“ Meinem Freund schlug das Herz bis zum Hals. Der Mönch schaute ihm liebevoll lächelnd in die Augen und sprach: „Auch solche Dinge geschehen.“ Dann packte er eilig seine Sachen zusammen und verschwand. Das sollte es gewesen sein? Dafür war mein Freund diesem alten Mönch wochenlang hinterher gereist? Völlig frustriert und tief traurig ging er auf sein Hotelzimmer und schlief irgendwann an.

Am nächsten Morgen erwachte er auf merkwürdige Weise frisch und erholt. Und er erinnerte sich an die Worte des Alten: „Auch solche Dinge geschehen.“ Und plötzlich verstand er. „Ja natürlich“, dachte er, „das ist es! «Auch solche Dinge geschehen» … !“ Eilig und in einem Zustand höchsten Friedens und Glücks kehrte er umgehend nach Deutschland zurück, wo er ein buddhistisches Meditations-Zentrum aufbaute, das er bis heute betreibt.

Was war geschehen? Viel unspektakulärer hätte die Aussage des alten Mönches doch gar nicht mehr ausfallen können. Das hatte auch mein Freund zunächst gedacht. Doch plötzlich verstand er, dass all die Dinge, die im Universum geschehen – der Regen, die Sonne, die Wolken, das Blühen der Blumen, das Aufgehen des Mondes, Geburt und Tod, Liebe, Freude, Hass und Verzweiflung, Erhalt und Verlust – einfach geschehen. Sie geschehen, ohne dass dort irgendetwas zu erblicken sei, das mit uns „persönlich“ zu tun hätte. Es ist nicht „mein“ Sonnenaufgang, es ist nicht „mein“ Vollmond am Nachthimmel, und ebenso wenig ist es „meins“, wenn ein Mensch in mein Leben tritt, den ich liebe, und ebenso wenig ist es „meins“, wenn dieser Mensch wieder geht. „Der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen“ – weil die Zeit dafür da war. Dies in Liebe anzuerkennen ist liebevolle Annahme. Den Dingen zu erlauben, da zu sein.

Ja, was immer geschieht: «Auch solche Dinge geschehen» 🙂

Mit Metta

„Phra“ Michael

„Wayseer“ oder „Waygoer“? – Ein alternatives Manifest

Namasté!

Ich las vor einigen Tagen das so genannte „Wayseer-Manifest“ von Garret John LoPorto. Es handelt sich um ein Manifest, das (in erster Linie wohl) spirituelle Menschen und Menschen mit politischem und Engagement für eine bessere Welt anspricht. Es hat seinerzeit weltweit in höchstem Maße Zuspruch gefunden, und das hat mich sehr nachdenklich gemacht. In meinen Augen sind Inhalt und Sprache (Aufruf zu Revolution und Staatsstreich / die faschistische Diktatur unseres Gehirns) höchst bedenklich und scheinen mir einzig darauf abzuzielen, Menschen in instabilen (psychischen) Lebenslagen für sich selbst (LoPorto) und LoPortos Sache zu gewinnen. Zahlen und neuropsychologische Ausführungen sind nicht belegt und Letztere inhaltlich verzerrt. Im Kern mag das, worum es ihm geht, ganz nachvollziehbar sein. Aber ich bin im Zweifel, ob es sich nicht doch um ein werbewirksames Mittel handelt, sich in der Welt bekannt zu machen und – guru-gleich – Anhänger zu werben, unter Ausnutzung ihrer vielleicht psychisch oder gesellschafltich misslichen Lage. Unter dem Deckmantel von Spiritualität und Nächstenliebe wird polarisiert und subtil zum Kampf gegen die Herrschenden aufgerufen. Aber das ist nur meine Ansicht; macht Euch hier selbst ein Bild, und wenn Ihr mögt, lest mal parallel die unten stehende Alternativ-Version, die ich bewusst nicht „Wegbereiter-Manifest“ sondern „WayGoer (Weg-Geher) – Manifest“) genannt habe.

The „WayGOer Manifest“

 An alle, die Ihr mühselig und beladen seid – die Ihr Altern und Tod, Schmerz und Klagen, Leid, Betrübnis und Verzweiflung erfahrt; Ihr, die Ihr verstanden habt, dass es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, aber Euer Vertrauen und Eure Erkenntnis noch nicht stark genug sind, ganz im gefühlten Einklang mit dem Tao zu leben, ohne zu polarisieren oder gewaltsam Veränderung herbei führen zu wollen.

Du siehst Dinge, die andere nicht sehen; das ist eine Gnade, die es Dir ermöglicht, im Göttlichen Frieden zu finden und so Liebe unter die Menschen zu bringen: Auf diese Weise kannst Du die Welt verändern!

Anders als die meisten Menschen hast Du die Chance, durchlässig zu werden für die Inakzeptanz und den Druck und die Normen, die die Gesellschaft Dir aufzuzwängen versucht. Du wurdest geboren, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, in Gleichmut und innerem Frieden, und hierdurch sanft und gewaltlos Veränderung durch Liebe herbeizuführen. Denn jedes Aufzwängen der eigenen Geisteshaltung ist Gewalt, egal welchem Ziel sie dient.

Bilde Dir nicht ein, es gäbe ein Establishment, das Dich bedroht – lass Dir so etwas nicht einreden! Glaube weder der einen, noch der anderen Autorität, keinem Guru, keinem politischen Führer, nicht einmal der eigenen, der inneren Autorität. Dein Geist ist der Schöpfer dieser Welt, und aus Deinem Geist entsteht Dein Leid – nur ihn kannst Du zähmen. Die Menschen kannst Du nicht verändern, sondern nur Dich selbst – hin zu einer Geisteshaltung der Liebenden-Güte. Dieser Verzicht auf inneren Widerstand mag Dir als Schwäche ausgelegt werden, doch niemand ist stärker als der, der sich nicht von seinen wütenden oder traurigen Emotionen mitreißen lässt. Aus der tiefen Liebe inneren Friedens heraus bist Du in der Lage, Dinge zu bewegen – denn keinen Widerstand zu leisten bedeutet nicht, nichts zu verändern!! Es bedeutet nur, den gegenwärtigen Moment in Liebe anzunehmen und hieraus Kraft zu schöpfen. Doch mit jedem Engagement für Natur oder Politik, in welchem Dein EGO auch nur im Geringsten eine Rolle spielt, sitzt Du in der Falle und erfährst Leid … und hieraus entsteht Gewalt und Leid!

Es mag sein, dass Du eine psychische Unregelmäßigkeit aufweist. Die unerleuchtete Gesellschaft bezeichnet es als Krankheit, aber nicht, weil sie Dir etwas Böses will, sondern nur, weil sie nicht weiß, wie sie mit etwas umgehen soll, was sie nicht kennt – das macht ihr Angst. Dein Anderssein (sofern es keine hirnorganische Erkrankung ist) ist ein Portal, da Du weitaus sensibler bist für Dein Leid und das Leid Deiner Mitwesen – aber es macht Dich auch angreifbar und sehr verletzlich für Menschen, die Dich stigmatisieren. Bist Du abhängig von irgendwelchen Substanzen, Drogen, Alkohol oder was auch immer, zeitigt dies, dass Du lediglich die unverschuldete Unwissenheit und Torheit der Gesellschaft noch zu persönlich nimmst; werde durchlässig dafür; verurteile sie nicht, sondern hab Mitgefühl mit denen, die Dich abstempeln, denn die psychische Gewalt, die sie gegen Dich ausüben, richtet sich in Wirklichkeit nicht gegen Dich persönlich, sondern ist ein Zeichen von Angst, Unverständnis und Hilflosigkeit. Ein Phänomen, das jedem Rassismus zugrunde liegt. Nimm es nicht persönlich, sondern vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! Das ist besonnenes Handeln. Mit dem Finger auf die Gesellschaft zu zeigen, nur weil sie auf Dich zeigt, ist unbesonnen!

Lass Dich nicht von irgendwelchen Gurus hinreißen zu heldenhaftem Verhalten; wir brauchen keine Helden! Sei einfach nur Du selbst. Du magst viele Gemeinsamkeiten haben mit Menschen, die vor Dir schon Großes in Sachen Liebe und liebevoller Veränderung geleistet haben. Aber vergleiche Dich nicht mit den großen Pionieren und Visionären, Innovatoren und schon gar nicht mit Revolutionären (!), denn es gibt kaum einen Revolutionär, durch dessen Hand nicht das Blut des Feindes geflossen wäre! Und auch nicht mit Heiligen, Buddhas oder Religionsgründern! Vorbilder sind auch nur Bilder … Konzepte. Bleib einfach ganz bei Dir, sei Dir selbst treu in liebevoller Selbstannahme.

Dem Wesen nach sind wir alle gleich! Alle Menschen! Glaube nicht und lass Dir nicht einreden, Du seiest irgendetwas Besseres als die, die den WEG noch nicht gefunden haben oder die Augen vor ihm verschließen. Tief in uns wissen wir alle, nicht nur wir Menschen, sondern alle Wesen (da es kein intellektuelles Wissen ist):

Alles, was im Kosmos seit jeher geschieht, jedes noch so kleinste Ereignis, die Bewegung jedes Sonnenstäubchens und jeder Schwingung ist entstanden, weil die Voraussetzungen für ihr Entstehen gegeben war! Somit ist  alles, was entsteht, in sich stimmig. Diese vollendete Insichstimmigkeit ist  vollendete Harmonie. Und vollendete Harmonie ist reine und absichtslose Liebe, die nichts bezweckt und auf nichts abzielt außer auf ihr Sein selbst. In diesem Bewusstsein zu leben führt zu Frieden. Dieses Bewusstsein selbst IST Friede! DAS IST DER WEG. Und diesem Weg kann sich niemand entziehen – wir alle sind in der kosmischen / göttlichen … Liebe, ob wir es wollen oder nicht!

Wenn aber alles seine Insichstimmigkeit hat, alles in Liebe ist, dann gehören unsere „Unzulänglichkeiten“ und „Fehler“ mit dazu! Denn nichts kann sein, was nicht Gottes / des Kosmos … „Wille“ ist. Lass Dir nicht von irgendwelchen Propheten einreden, es gäbe eine „Gestapo des Gehirns“, eine „faschistische Diktatur des präfrontalen Kortex“. Dieser Teil des Gehirns hat wie alles, was existiert, seinen Sinn; hätte er ihn nicht, hätte er sich in der Evolution nicht durchgesetzt. Gegen seine Funktion Widerstand zu leisten kommt einer Kritik an der Schöpfung selbst gleich! Dann ist der Schöpfer ein faschistischer Diktator!

Funktioniert diese Hirnregion nicht, so kann es zum Zerfall des Kurzzeitgedächtnisses oder der Langzeitplanung, zu emotionaler Verflachung [= Gleichgültigkeit], Anhedonie [Freudlosigkeit], Störung des sexuellen Antriebs und sozialwidrigem [also: den Interessen der Mitmenschen entgegenstehendem] Verhalten kommen.[1] Alles Dinge, die uns als Menschen ausmachen! Unser Gehirn ist weder böse noch funktioniert es falsch! Auch wenn Laien im Bereich Psychologie etwas anderes postulieren.

Eine Hand kann schlagen und eine Hand kann streicheln; ein Mund kann sagen „Ich hasse Dich“ und ein Mund kann sagen „Ich liebe Dich“; ein Körper kann Wohlgefühl in Dir erzeugen und auch Schmerz. Dieses Prinzip von Yin und Yang gilt für alles, inklusive dem präfrontalen Kortex – er macht uns manchmal das Leben schwer, aber er macht uns ebenso als Menschen aus. Lass Dir nicht einreden, dass irgendetwas an oder in uns „falsch“ wäre. Gehe nur besonnen mit dem um, was IST! Wir alle sind konditioniert und programmiert, aber einzig durch das „persönlich Nehmen“ dieser Strukturen, jener Vermutung „Mein Denken BIN ich“ und wenn wir sie deshalb festhalten, können sie uns gefährlich werden. Wenn wir sie einfach nur betrachten, brauchen wir sie nicht zu verurteilen und schon gar nicht verdrängen. Wir entscheiden in jeder Sekunde, ob wir ihnen nachgeben wollen oder nicht. Das ist Willensfreiheit, die zu einem liebevollen Umgang mit uns selbst führt!

Waygoer (Menschen, die den WEG gehen) sind diejenigen, die ihre eigenen Strukturen und Denkmuster erkennen, verstehen,  liebevoll annehmen und hierdurch Erkenntnis des All-Einen erlangen – denn sie sehen deutlich das kosmische Prinzip von „Nicht-Selbst“ [nichts, was geschieht, hat mit mir ‚persönlich zu tun], Vergänglichkeit [jedes Entstehen ist abhängig von dem, was vorher war] und Leid [nur, wenn ich „Nicht-Selbst“ und  „Vergänglichkeit“ nicht als kosmische Wahrheit annehme, leide ich unter ihnen]. Waygoer sind Erkennende, die in der Erkenntnis Frieden finden, und aus dem Frieden die Kraft, Dinge gewaltfrei zu verändern – ohne Revolution, ohne Rebellion!

Waygoer sind keine „alte Linie“ von besonders begnadeten Menschen, Priestern oder Ähnlichem! Wer so etwas behauptet, polarisiert und versucht, indem er das Selbstwertgefühl eines Verzweifelten aufwertet, ihn für seine Sache zu gewinnen … aber das ist bloße Marktschreierei und erinnert an den Rattenfänger von Hameln. Ein solcher polarisiert, erschafft künstlich Dualität durch Bewertung und das erzeugt Mauern! Und jede Mauer ist Gewalt! Niemand ist etwas Besseres! Spiel das Spiel von „good guy – bad guy“ nicht mit … und wenn es Dir noch so plausibel erscheint und noch so sehr Dein Herz anrührt. Alle großen Führer, die die Menschen schlussendlich ins Verderben geführt haben, versuchten geschickt, die Herzen der Verzweifelten anzusprechen – sie waren immer und sind noch immer leichte Beute. Nur die Besonnenen liefen nicht mit der Herde und heulten nicht mit den Wölfen!

Lenin sagte: „Die Philosophen haben die Welt nur unterschiedlich interpretiert; es geht aber darum, sie zu verändern.“ Doch er irrte! Es geht zu allererst darum, uns selbst zu verändern, und zwar hin zur Liebe! Die Veränderung der Welt folgt dann automatisch, weil die Welt sich der Liebe nicht entziehen kann. Licht ist immer stärker als Dunkelheit. Man kann Dunkelheit definieren durch Abwesenheit von Licht. Wer aber käme auf die Idee, Licht als die Abwesenheit von Dunkelheit zu definieren? Das liegt daran, dass Licht das Ursprüngliche ist. Erst wenn man es wegnimmt, entsteht Dunkelheit. Waygoer führen keine Revolutionen oder Staatsstreiche durch, weil sie wissen, dass hierdurch nur wieder Köpfe rollen, wie in Frankreich zwischen 1792–1794, als zum Wohle der Demokratie 16.594 Menschen auf der Guillotine den Tod fanden[2]. Solange wir uns nicht im Innersten verändern, kann niemand garantieren, dass sich die Geschichte nicht wiederholt! Zu Revolution und Staatsstreich aufzurufen ist aus dieser Sicht grob fahrlässig; wir sind noch nicht so weit!

Und nun: Glaube nichts von dem, was Du soeben gelesen hast! So sehr es Dich auch anrühren mag, so plausibel es Dir auch erscheinen mag! Fühle in Dich hinein und prüfe, ob es anklingt, ob es so sein könnte. Prüfe kritisch und glaube mir kein Wort!

„Ehi-passiko“ – KOMM UND SIEH SELBST!

Liebende-Güte wünscht und sendet Euch von Herzen

 

„Phra“ Michael


[1] zur (dringend angeratenen) Vertiefung, einfach einmal hier klicken

[2] Opferzahl der franz. Revolution nach wikipedia unter Berufung auf Donald Greer